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Machte als Komiker aus der Not seines angeborenen Lidschadens eine Tugend: Karl Dall.
Machte als Komiker aus der Not seines angeborenen Lidschadens eine Tugend: Karl Dall.(Foto: imago/Future Image)

"Der alte Mann will noch mehr": Karl Dall, der ewige Klassenclown

Sein Markenzeichen des hängenden rechten Auges ist nicht unbedingt schön, macht ihn aber unverwechselbar. Seine Karriere verdankt Karl Dall allerdings vor allem der Musik und seinem sarkastischen Humor. Jetzt wird der Entertainer 75.

Eigentlich habe er in seinem Leben alles gemacht, was er nicht konnte, sagte Karl Dall einmal rückblickend. Als Fernsehmoderator, Entertainer und Bühnen-Komödiant feierte der gebürtige Ostfriese dennoch über Jahrzehnte hinweg große Erfolge. Zu seinen Markenzeichen gehört neben seinen frechen und oftmals zynischen Sprüchen vor allem das hängende rechte Auge, das auf eine angeborene Schwäche des Lidmuskels zurückgeht. Am 1. Februar 2016 feiert der Entertainer seinen 75. Geburtstag.

Ja, für Karl Dall interessierte man sich auch schon in den 70ern.
Ja, für Karl Dall interessierte man sich auch schon in den 70ern.(Foto: imago/United Archives)

Bereits in der Schule fällt der jüngste Sohn einer Lehrerfamilie aus dem beschaulichen Emden als Klassenclown auf, der gern Streiche ausheckt. Er habe einfach "schon früh Humor entwickeln" müssen, sagte er einmal in einem Interview. Die Mitschüler hätten ihn wegen seines Aussehens oft gehänselt, und die Lehrer hätten sich sein markantes Gesicht in der Klasse schlicht am besten merken können und ihn auf dem Kieker gehabt.

Als Jugendlicher verbringt Dall seine Zeit lieber im Fotoclub statt im Unterricht, will Fotograf werden. Auf das Verlassen der Mittelschule in der zehnten Klasse ohne Abschluss folgt stattdessen jedoch eine Lehre als Schriftsetzer bei einer Leeraner Druckerei. Immerhin kann er für die lokale "Ostfriesen-Zeitung" nebenbei fotografieren. "Keine Bullen- und Zuchtviehausstellung ohne mich", witzelte er rückblickend über diese Zeit.

Insterburg & Co

1963 zieht es ihn aus der ostfriesischen Provinz nach Berlin. Dort jobbt er unter anderem als Komparse ("Winnetou 1"), Kleindarsteller und Kulissenschieber - und er lernt den Liedermacher Ingo Insterburg kennen. In Kellertheatern und Kneipen beginnt die Bühnenkarriere des Blödel-Quartetts Insterburg & Co ("Ich liebte ein Mädchen"), zunächst ein Geheimtipp in der Studentenszene, mit ihrem Repertoire aus Sketchen und komischen Liedern bald allerdings schon festes Inventar der TV-Sendung "Musikladen".

Wie viele andere hatte auch Dall in den 80ern die Haare schön.
Wie viele andere hatte auch Dall in den 80ern die Haare schön.(Foto: imago/M&K)

Als sich die bundesweit bekannte humoristisch-anarchistische Gruppe 1979 auflöst, startet Karl Dall seine erste Tournee als Solokünstler. Fernsehauftritte wie seine Telefonstreiche in der ARD-Samstagabendshow "Verstehen Sie Spaß?" machen ihn schnell in Westdeutschland bekannt, auch in einigen Kinofilmen ("Sunshine Reggae auf Ibiza") ist er zu sehen.

Mitte der 1980er Jahre geht das Privatfernsehen auf Sendung - und mit ihm Karl Dall als Talkmaster. "Dall-As" oder die Folgeshow "Jux und Dallerei" sind aber keine gemütlichen Plauderrunden, sondern angesichts der sehr direkten Art des Gastgebers eine Herausforderung für die Eingeladenen. Dennoch habe er alle Gäste bekommen, die er wollte, schreibt Dall in seiner Autobiografie: "Es wurde einfach chic, von Karl Dall verarscht zu werden."

Von Vergewaltigungslüge belastet

Bis heute ist der groß gewachsene Wahl-Hamburger ein Lästermaul, das polarisiert. 1999 erhielt er für sein Lebenswerk den Deutschen Comedypreis. Wichtiger als die Show ist ihm nach eigenem Bekunden allerdings die Familie: seine Frau Barbara, mit der er seit rund 45 Jahren verheiratet ist, sowie Tochter Janina, die mit Mann und Kind in Kanada lebt und dort als Stuntfrau arbeitet. Er selbst hat seinen eigenen Lebensmittelpunkt seit langem im feinen Hamburger Stadtteil Harvestehude, wo er eine Villa besitzt.

In den vergangenen Jahren ist es ruhiger geworden um den Entertainer - mit einer großen Ausnahme: Eine Schweizer Journalistin, die ihrerseits bereits wegen der Belästigung mehrerer Prominenter verurteilt worden war, machte ihm mit Vergewaltigungsvorwürfen zu schaffen, 2014 musste sich der Komiker in dem Nachbarland einem Strafprozess stellen. Am Ende wurde er freigesprochen. Das Gericht erkannte ihm zudem eine Entschädigung zu.

Karl Dall zog sich während der Ermittlungen und des Prozesses aus der Öffentlichkeit zurück, mittlerweile aber wagt er sich allmählich wieder ins Rampenlicht. Derzeit tourt er durch Deutschland. Titel seines Programms: "Der alte Mann will noch mehr".

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Quelle: n-tv.de

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