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Eine junge Frau wurde überfahren - am Tatort: Fabienne Hadorn als Corinna Haas, Mario Fuchs als Silvan Bühler, Delia Mayer als Kommissarin Liz Ritschard und Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger (v.l.)
Eine junge Frau wurde überfahren - am Tatort: Fabienne Hadorn als Corinna Haas, Mario Fuchs als Silvan Bühler, Delia Mayer als Kommissarin Liz Ritschard und Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger (v.l.)(Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler)

Tatort "Kleine Prinzen": Killer-Scheich im Krimi-Stadl

Von Ingo Scheel

Ist das Schweizer Zwischenhoch schon wieder vorbei? Nach den zuletzt spannend konstruierten Fällen entpuppt sich der neunte Fall des "Tatort"-Teams Flückiger und Ritschard als plakativ konstruiertes Gaunerstück.

Der geschulte "Tatort"-Gucker ahnt es natürlich sofort: Müde Trucker bekommen schnell handfeste Probleme. Und allzu attraktive Mädchen, die durch Handy-Filmchen tanzen, sind nicht mehr lang am Leben. Zum Auftakt des neuen "Tatort" bekommen es diese beiden Wiedergänger aus der Krimikiste dann auch noch miteinander zu tun.

Kommissar Reto Flückiger schießt in "Kleine Prinzen" der Frühling in die Lenden.
Kommissar Reto Flückiger schießt in "Kleine Prinzen" der Frühling in die Lenden.(Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler)

Jener Hubbel, der den Lkw-Fahrer (Urs Jucker) auf nächtlicher Landstraße augenblicklich glockenwach macht, ist die eben noch lebenslustige Ava, die viel zu früh das Zeitliche segnet. Dem Sekundenschläfer gehen die Nerven durch, in Panik ergreift er die Flucht, am Morgen darauf kümmert sich bereits das Team von Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) um die Tote.

Schnell wird klar: Der Trucker mag fahrerflüchtig gewesen sein, ein Mörder ist er nicht - das Mädchen war bereits tot, mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen, wie die chronisch koddernde Corinna Haas (Fabienne Hadorn) den Kriminalen schmerzhaft vorführt. Die Spuren führen erst in ein Internat, von dort zu einem Emir, der in politischen Angelegenheit in Luzern weilt.

Verzogene Schnöselkids und Scheichs

Die Ermittlungsarbeiten erweisen sich als - wie üblich - problematisch. Die verzogenen Schnöselkids von der Eleven-Schule haben nur Party und Drogen im Sinn, die Scheichs machen es sich in ihrer diplomatischen Immunität bequem, Avas Vater (Luc Feit) kommt allen in die Quere und des Kommissars Hormone spielen auch noch verrückt.

Nach zähem Start der Schweizer "Tatort"-Filiale hatten sich die Eidgenossen zuletzt als durchaus inspiriert und formstark erwiesen. Das Flüchtlingsdrama "Schutzlos" geriet zur konsequent unversöhnlichen Momentaufnahme, im nachfolgenden "Ihr werdet gerichtet" gab Antoine Monot Jr. alias "Tech-Nick" den unversöhnlichen Rächer auf den Spuren von Travis Bickle und "Falling Down".

Knietief klischeeverklebte Niederungen

So eigenwillig und einfallsreich hätte es weitergehen können, tut es aber beileibe nicht, im Gegenteil: Mit "Kleine Prinzen" poltert das Schweizer Team erneut in knietief klischeeverklebte Niederungen. Von der zickigen Internatsleiterin bis zum völlig aus der Spur geratenen Dad, der plakativ-lasziven Ava (mit besserem Script definitiv sehenswert: Nachwuchsstar Ella Rumpf) bis zur aufs Schluchzen reduzierten Freundin, den Faschings-Scheichs in der Bel Étage des Luxushotels bis hin zu den Elite-Lümmels von der letzten Bank – niemand kommt mit einer echten Geschichte daher, alle erzählen ihren Text, erklären ihre Rolle und verharren in der für sie vorgesehenen Plot-Position.

Als wäre das alles nicht schon zerfahren und durchgenudelt genug, muss dem guten Reto auch noch der Frühling in die Lenden schießen. Noch öfter als dem Zuschauer die verwackelten Ava-Aufnahmen in die Augen gerieben werden, blickt der frischverliebte Flückiger selig grinsend aufs Handy, wohin die unbekannte Herzensdame digitale Betörungen schickt.

Spätestens als der Kommissar sich vor dem ersten Rendezvous auch noch Sex-Tipps bei der Kollegin holt, möchte man ihm raten, gemeinsam mit dem Wiener Team vielleicht einmal bei "Domian" anzurufen. Auf der Habenseite: Die irritierende Schlussmontage, mit der der Fall schließlich aufgeklärt wird, ist gelungen, da aber möchte man es dem Junior-Scheich auch schon gleichtun und traurig ins Taschentuch schnäuzen.

Quelle: n-tv.de

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