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Montag, 13. April 2015

Literat und Moralist: Literaturnobelpreisträger Günter Grass ist tot

Mit der "Blechtrommel" schrieb Günter Grass Weltliteratur, als gesellschaftspolitischer Moralist erregte er Widerspruch. Jetzt ist der große deutsche Nachkriegsautor und Nobelpreisträger mit 87 Jahren in Lübeck gestorben.

Günter Grass ist tot. Der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger starb im Alter von 87 Jahren in Lübeck, wie der Steidl Verlag in Göttingen mitteilte. Wie das Günter-Grass-Haus in Lübeck mitteilte, starb Grass an einer Infektion. Weitere Informationen lägen ihr noch nicht vor, sagte eine Sprecherin. Das Museum veröffentlichte zum Tode des Autors auf seiner Homepage das Grass-Gedicht "Wegzehrung": "Mit einem Sack Nüsse will ich begraben sein und mit neuesten Zähnen. Wenn es dann kracht, wo ich liege, kann vermutet werden: Er ist das, immer noch er."

Günter Grass

16. Oktober 1927 Günter Grass wird in Danzig geboren.

10. November 1944 Grass wird zur Waffen-SS einberufen.

1948-1952 Studium der Grafik und Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

1957 Grass stößt zur Gruppe 47

1959 "Die Blechtrommel"

1961 "Katz und Maus"

1982 Grass tritt in die SPD ein.

1987 "Die Rättin"

1995 Sein letzter Roman "Ein weites Feld" erscheint.

1999 Grass erhält den Nobelpreis für Literatur.

2006 Das autobiographische Werk "Beim Häuten der Zwiebel" wird veröffentlicht. Darin legt Grass seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS offen.

13. April 2015 Grass stirbt in Lübeck 

Grass galt als einer der weltweit bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Lebenslang schaltete er sich leidenschaftlich in gesellschaftspolitische Debatten ein. Gleich sein erster, 1959 erschienener Roman "Die Blechtrommel" geriet zum Welterfolg. 40 Jahre später wurde Grass für sein Gesamtwerk mit dem Literaturnobelpreis geehrt.

"Die Blechtrommel" brachte dem gebürtigen Danziger auch international den Durchbruch. Sie gehört zu den wichtigsten Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur und gilt als Jahrhundertwerk. Das Nobelpreis-Komitee nannte das Buch die "Wiedergeburt des deutschen Romans im 20. Jahrhundert". Grass erzählt darin von den Erlebnissen des aus Danzig stammenden Zwerges Oskar Matzerath, der sich mit drei Jahren weigert, weiter zu wachsen.

Größter Aufruhr seit den "Buddenbrooks"

Das Erscheinen des Bildungs- und Schelmenromans rief in der Bundesrepublik manche Sittenwächter auf den Plan, die sich an den teils deftigen erotischen Szenen störten. Seit den "Buddenbrooks" von Thomas Mann habe kein Erstling einen derartigen Aufruhr verursacht, befand das Nobelpreiskomitee. Die Verfilmung des deutschen Regisseurs Volker Schlöndorff wurde 1980 mit dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet.

Deutsche Literaturnobelpreisträger

1902: Theodor Mommsen

1908: Rudolf Eucken

1910: Paul Heyse

1912: Gerhart Hauptmann

1929: Thomas Mann

1946: Hermann Hesse

1966: Nelly Sachs

1972: Heinrich Böll

1999: Günter Grass

2009: Herta Müller

Der zuletzt in Behlendorf bei Lübeck lebende Grass hatte nach dem Krieg eine Steinmetzlehre gemacht und in Düsseldorf und Berlin Kunst studiert; er war Bildhauer und Grafiker. Er zeichnete auch und schrieb Gedichte. "Die Blechtrommel" bildet zusammen mit der Novelle "Katz und Maus" (1961) und dem Roman "Hundejahre" (1963) die sogenannte Danziger Trilogie.

Weitere wichtige Werke sind die Novelle "Aus dem Tagebuch einer Schnecke", die Romane "Der Butt" (1977) und "Die Rättin" (1986), das skandalumrankte Buch "Ein weites Feld" (1995) sowie die Novelle "Im Krebsgang" (2002). Fast ein halbes Jahrhundert nach der "Danziger Trilogie" schrieb Grass seine "Erinnerung der Trilogie" mit drei autobiografischen Bänden.

Umstrittene Vergangenheit

Der erste autobiografische Band "Beim Häuten der Zwiebel" sorgte 2006 für manchen Aufschrei. Überraschend machte Grass öffentlich, dass er als 17-Jähriger am Ende des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS war. Dem Autor wurde vorgeworfen, seine SS-Zugehörigkeit zu lange verschwiegen zu haben, während er andere immer wieder wegen ihrer NS-Vergangenheit öffentlich kritisiert habe.

In der Bundesrepublik engagierte sich Grass schon seit den 1960er Jahren als Gesellschaftskritiker. Seit den 1960er Jahren warb er in Wahlkämpfen für die SPD. Aus Protest gegen deren Asylpolitik trat er 1992 zwar aus der Partei aus, blieb ihr aber bis zuletzt verbunden. Früh setzte er sich auch für eine deutsch-polnische Verständigung und für den Verzicht auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete ein. Immer wieder löste er heftige Kontroversen aus, zuletzt 2012 wegen eines Israel-kritischen Gedichts.

Das Gesamtwerk des Literaturnobelpreisträgers ist im Göttinger Steidl Verlag erschienen.

Quelle: n-tv.de

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