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Hatten Spaß: Joseph Gorden Levitt, MacFarlane und Daniel Radcliffe.
Hatten Spaß: Joseph Gorden Levitt, MacFarlane und Daniel Radcliffe.(Foto: AP/dpa)

Die Stunde der Heuchler: MacFarlane, Boobs & seine Pussy

Von Sabine Oelmann

Er war witzig, er tanzte, sang, sah gut aus, brachte Rat-Pack-Feeling in die oft so verstaubte Oscar-Verleihung. Dafür kriegt er jetzt von Amerikas Moralaposteln ordentlich auf die Mütze. Medienschelte nennt sich das, dabei war Seth MacFarlane nur ehrlich - anscheinend keine gute Idee in Hollywood.

Nach heftigen Angriffen der US-amerikanischen Medien will der diesjährige Oscar-Moderator Seth MacFarlane nicht nochmal durch die Gala führen. "Auf keinen Fall", twitterte MacFarlane auf die Frage eines Fans, ob er ein zweites Mal antreten würde. "Aber ich hatte eine Menge Spaß." Das scheint nicht allen so gegangen zu sein.

Die Organisatoren der Oscar-Verleihung hatten den 39-jährigen US-Komiker als Moderator gewählt in der Hoffnung, damit ein jüngeres Publikum anzuziehen. Die Einschaltquoten schienen ihnen recht zu geben: Allein in den USA schauten 40 Millionen Menschen der 85. Oscar-Gala zu, rund elf Prozent mehr als im Vorjahr.

"We Saw Your Boobs!" Ja, und?

Freiwillig durchsichtig bei den Grammys: Rihanna.
Freiwillig durchsichtig bei den Grammys: Rihanna.(Foto: dpa)

Bei den Medien hingegen kam MacFarlane weniger gut an, sie kritisierten ihn wegen seiner angeblich geschmacklosen Witze und seiner langatmigen Einführung. Der "New Yorker" ätzte gar: "Feindselig, hässlich, sexistisch!" Auch Rassismus wird ihm vorgeworfen. Besonders angetan hatten es den Kritikern diese Formulierungen: "'Django Unchained' ist ein Film, in dem es darum geht, dass ein Mann seine Frau, die einer unglaublichen Gewalt ausgesetzt war, finden und wiederhaben will. Oder, wie Rihanna und Chris Brown es nennen würden: ein Date-Movie".

Und "Zero Dark Thirty", den Film von Kathryn Bigelow, in dem es darum geht, Osama Bin Laden aufzuspüren und zu vernichten, kündigte MacFarlane folgendermaßen an: "Der Film handelt von dem zwanghaften Verhalten, das vielen Frauen zu eigen ist, die einfach nichts und niemanden loslassen können".  Hallo? Das ist witzig!!! Aufwachen! Naja, über sich selbst lachen - nicht jedermanns oder jederfraus Stärke.

Freiwillig nackig im Film: Charlize Theron.
Freiwillig nackig im Film: Charlize Theron.(Foto: REUTERS)

Entsetzte Gesichter gab es auch während der Show, als er "We Saw Your Boobs" ("Wir haben eure Brüste gesehen") sang - eine "Hommage" an all die Frauen, die bisher in ihren Filmen Busen gezeigt haben. Die Kamera schwenkte während der Verleihung auf eine entsetzte Charlize Theron, zum Glück auch auf eine coole Jennifer Lawrence (die noch nie ihre Brüste entblößt hat) und einige andere Damen, die sich auf ihren Stühlen wanden. Was Kate Winslet zu dem Song sagt (in dem übrigens auch Meryl Streep, Jodie Foster und Halle Berry vorkommen), der aufgrund ihrer häufigen Blankzieherei gleich eine ganz Strophe gewidmet wurde, ist leider nicht bekannt.

Nicht, dass es Seth MacFarlane interessieren würde, was andere sagen, der Mann ist ein Komödiant, einer, der schon mehr einstecken musste dafür, dass er Kollegen und Zustände durch den Kakao gezogen hat. Es ist sein Beruf, komisch zu sein, an die Grenzen zu gehen. Dafür wurde er eingestellt. Er werde den Oscar auf keinen Fall noch einmal moderieren, ließ er jetzt jedoch wissen, er habe aber auch nicht vor, sich zu entschuldigen.

Gegenfrage: Hat sich die Presse denn auch ausreichend darüber aufgeregt, dass US-amerikanische Filme in letzter Zeit so freizügig, brutal, verkommen und sprachlich unter jeder Gürtellinie daherkommen wie noch nie? Das Wort "Fuck", auch durchkonjugiert ("fucking", "fuckin'", ins Deutsche dann gerne übersetzt mit "ficken" und "verfickt nochmal") und andere Wörter, die wir unter 12 bitte nicht hören wollen, werden momentan geradezu inflationär verwendet. Filme wie "Movie 43"  oder "Killing Them Softly" sind nur die jüngsten Beispiele. Werden aber total cool gefunden und gehyped bis zum Erbrechen. Selbst Denzel Washington darf in "Flight" koksen bis zum Umfallen.

Geht's denn noch?

Jede Hausfrau liest gerade "Shades Of Grey" ohne es vor ihren minderjährigen Kindern zu verheimlichen, die Kleinsten haben Spiele auf ihrem Handy, die ernsthaft an der Geistesgesundheit ihrer Eltern zweifeln lassen, Frauen werden im Vorabend-Programm vergewaltigt, dicke Kinder gemobbt, Waffen liegen im Haushalt in der Nachtischschublade, Brüste werden im Fernsehen vergrößert, an Oberschenkeln wird Fett vor laufender Kamera abgesaugt, der Geburtstagwunsch einer 18-Jährigen lautet nicht selten: "Bitte neue Lippen, Daddy!" Geht es noch bigotter?

"Meine Katze fand die Show gelungen", ließ MacFarlane übrigens via Twitter  wissen. In English: My Pussy liked the show. Wenn da mal nicht die Sitte einschreiten muss ...

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Quelle: n-tv.de

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