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Szene aus "OKJA" mit Tilda Swinton - um die Netflix-Produktion gibt es Streit.
Szene aus "OKJA" mit Tilda Swinton - um die Netflix-Produktion gibt es Streit.(Foto: AP)
Freitag, 19. Mai 2017

Eklat in Cannes: Netflix spaltet Filmfans

Die Zeiten ändern sich bekanntlich. Und so werden bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes auch zwei Produktionen des Streamingdienstes Netflix gezeigt. Doch nicht alle finden das gut. An der Croisette herrscht deshalb richtig dicke Luft.

In diesen Tagen scheint ein Aufschrei durch die Filmwelt zu gehen. Der Grund ist Netflix. Genauer gesagt die Tatsache, dass der Streamingdienst in diesem Jahr mit gleich zwei Streifen im Wettbewerb von Cannes vertreten ist - dem Filmfestival, das nicht nur als das wichtigste und glamouröseste der Welt, sondern auch als stärkste Kraft des Arthousekinos gilt. Dass eben dort zum ersten Mal in der Festivalgeschichte nun Filme in der Palmen-Konkurrenz sind, die fast kaum in Kinos laufen werden, erhitzt die Gemüter.

Am Freitag war es dann soweit. Mit "OKJA" stand der erste Netflix-Film an der Croisette im Programm - und wurde tatsächlich zur ernstzunehmenden Konkurrenz für die 18 anderen Beiträge im Wettbewerb. Denn der südkoreanische Regisseur Bong Joon Ho zeigte ein bildgewaltiges Märchen mit einem emotionalen Appell für den Schutz unserer Umwelt und der Tiere.

Berührende Bilder

Im Zentrum stehen Mija und ihr geliebtes Riesenschwein namens Okja, mit dem das Mädchen in den südkoreanischen Bergen in einer grünen Idylle gemeinsam aufgewachsen ist. Dann aber kommt ein multinationaler Konzern und will das Schwein in seinen Schlachthöfen zu profitablem Fleisch verarbeiten. Mija riskiert alles, um das gutmütige Tier zu retten. Es kommt zum Kampf der Tierschützer (darunter Paul Dano) mit dem Unternehmen, dessen Chefin (Tilda Swinton) und dem Arzt (Jake Gyllenhaal).

Es ist berührend zu sehen, wie eng die Beziehung zwischen Mija und Okja, ihrer besten Freundin, ist. Die Naturaufnahmen stehen im drastischen Kontrast zur künstlichen Unternehmenswelt und den Massentierhaltungen. Damit erinnert "OKJA" in vielerlei Hinsicht an die Werke des gefeierten japanischen Regisseurs Hayao Miyazaki.

Almodóvar sorgt für Furore

Regisseur Bong Joon Ho schwärmt vom "Riesenbudget", das ihm zur Verfügung stand.
Regisseur Bong Joon Ho schwärmt vom "Riesenbudget", das ihm zur Verfügung stand.(Foto: REUTERS)

Möglicherweise spielt aber gar keine Rolle, wie gut oder preiswürdig dieser Film ist. Immerhin hatte der Juryvorsitzende Pedro Almodóvar gleich zum Auftakt für Furore gesorgt, als er sagte: "Ich persönlich sehe nicht ein, warum die Goldene Palme an einen Film vergeben werden sollte, der dann nicht auf der großen Leinwand gesehen werden kann." Ist der Jurypräsident also voreingenommen? Das dürfte es eigentlich nicht geben.

Fest steht jedenfalls, dass die Gemüter teilweise so erhitzt scheinen, dass keine wirkliche Diskussion mehr möglich ist. Das Festival sah sich schon so stark unter Druck gesetzt, dass es die Statuten änderte: Ab dem kommenden Jahr müssen alle Filme im Wettbewerb verpflichtend auch einen späteren französischen Kinostart haben.

Platz für alle?

Doch die Sicht der vehementen Netflix-Kritiker greift zu kurz, wie andere Stimmen finden. Immerhin ist es schlichtweg nicht wahr, dass Netflix-Filme nur bei dem Streamingdienst laufen. "OKJA" etwa soll in den USA und Südkorea auch in Kinos zu sehen sein. Das mag nicht viel sein, aber auch andere Filme eines Festivals werden danach oft nur in sehr wenigen Ländern gezeigt.

Die Angst vor Streamingdiensten als Produzenten wirkt aber sowieso ein bisschen wie die generelle Angst der Filmwelt vor Veränderung. Netflix-Produktionen einfach nur zu verteufeln, verkennt auch die Chancen. Immerhin werden so Serien und Filme produziert, die sonst möglicherweise nie finanziert worden wären. Auch "OKJA" kostete rund 50 Millionen Dollar - "ein Riesenbudget" wie Regisseur Bong Joon Ho in Cannes betonte.

Die Zusammenarbeit mit Netflix sei wundervoll gewesen, sagte er. Er habe absolute Freiheit gehabt und sei nie in irgendeiner Weise unter Druck gesetzt worden. "Wir sind eh nicht für die Preise gekommen", ergänzte Tilda Swinton. "Wir wollen einfach den Film zeigen." Dennoch sei es sehr interessant, diese Diskussion zu verfolgen. Sie finde aber auch: "Wie bei vielen Sachen gilt: Es gibt Platz für alle!"

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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