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Donald Duck und seine Erlebnisse in Entenhausen - alles, nur nicht banal.
Donald Duck und seine Erlebnisse in Entenhausen - alles, nur nicht banal.(Foto: dpa)

Donaldist mit "schwerem Zacken": Neues Comic-Standardwerk

Seufz! Diese Donaldisten haben echt nicht mehr alle Latten am Zaun. Mit Ernst Horst hat jetzt - grübel grübel - einer von ihnen doch glatt ein neues Werk herausgebracht, in dem er sich in aller Ausführlichkeit scheinbar wissenschaftlich mit Entenhausen befasst. Kreisch!

Für Schriftstellerin Elke Heidenreich war die langjährige Micky-Maus-Chefredakteurin und Übersetzerin Erika Fuchs "die wichtigste Frau in meinem Leben". Die frühere Kulturstaatsministerin Christina Weiss meinte in ihrem Nachruf auf die 2005 im hohen Alter von 98 Jahren gestorbene "Donaldistin": "In einem vermeintlich trivialen Medium war sie eine Geheimagentin des Guten, Wahren und Schönen." Manche meinen sogar, Fuchs habe womöglich mehr für die deutsche Sprachkultur als so mancher Schriftsteller oder auch hochdekoriertes PEN-Mitglied getan, von 1951 bis 1988 immerhin.

"Man kann gar nicht gebildet genug sein, um Comics zu übersetzen", sagte Fuchs, die sich übrigens als erstes Mädchen auf einer Jungenschule durchgesetzt und Abitur gemacht hatte, über ihre Arbeit mit den kurzen Sprechblasentexten. Zu dem Job war die promovierte Kunstwissenschaftlerin bald nach dem Krieg eher zufällig gekommen. Schließlich blieb sie Jahrzehnte dabei.

D.O.N.A.L.D.-Ehrenpräsiderpel

Dieser "Geheimagentin" in den deutschen Kinderstuben der Nachkriegszeit mit Wortschöpfungen der deutschen Sprache wie "seufz", "kreisch" und "grübel, grübel", die längst zum Wortschatz vieler "erwachsen gewordener" Intellektueller der Republik gehören, hat jetzt der Münchner Autor Ernst Horst ein fundamentales Werk gewidmet. Das erhebt vermutlich auch den Anspruch, zum künftigen Standardwerk der Donaldisten in Deutschland zu gehören. Horst ist laut Blessing Verlag auch Gründungsmitglied und "Ehrenpräsiderpel" der "Deutschen Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus" (D.O.N.A.L.D.), die auch ein eigenes "Zentralorgan" herausgibt und eine Homepage betreibt.

Heute gibt es selbst in den Feuilletons angesehener überregionaler Tageszeitungen in Deutschland Anhänger von Entenhausen ("Reduckteure") und seinen Sprüchen, die oft klammheimlich in die Zeitungsseiten Eingang finden.

Einfalt und Scharfsinn

Horst hat seinem Buch den Titel "Nur keine Sentimentalitäten!" gegeben, ein Lieblingsspruch von Onkel Donald Duck, den die wahren Donaldisten in Deutschland natürlich auch deutsch aussprechen und nicht "Donnelt Dack". Horst räumt in seinem Kapitel über die Donaldisten ein, diese Leute hätten zwar "alle einen schweren Zacken", bei ihren Deutschlandtreffen (mit richtigen Kongressen) finde man aber auch eine "Mischung von bestechender Einfalt und verblüffendem Scharfsinn".

Der Autor schildert nicht nur seine persönliche Prägung durch die Lektüre der Micky-Maus-Hefte seit den 50er Jahren (übrigens mit überwiegend männlichen Lesern). Er geht mit ungeheurer Akribie auch allen Einzelheiten und Facetten der Welt von Entenhausen (Duckburg im englischen) nach - und vor allem ihrer Übertragung ins deutsche "Irgendwo" mit den oft einfallsreichen Übersetzungen der Sprechblasen von Donald, seinen Neffen Tick, Trick und Track, dem schwerreichen Dagobert, den Panzerknackern ("Harr, harr!"), Gustav Gans, Goofy oder dem ewigen Erfinder Daniel Düsentrieb ("Dem Ingenör ist nichts zu schwör").

Schiller statt Shakespeare

Aufgewachsen in Hinterpommern, studierte die Tochter aus gutem Hause in Lausanne, München und London. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Ehefrau eines Heizungsfabrikanten und zweifache Mutter ihre Tätigkeit als Übersetzerin und bekam irgendwann vom deutschen Ehapa-Verlag (früher Stuttgart, heute Berlin) das erste amerikanische Micky-Maus-Heft zur Übertragung in die Hand. "Ich sagte spontan, das geht nicht in Deutschland", erinnerte sich Erika Fuchs später. Erst allmählich packte sie das Vergnügen an der sprachlichen Tüftelei mit den kurzen Blasentexten.

So lernen wir in dem neuen Buch auch die Herkunft vieler Wortschöpfungen zum Beispiel aus dem Oberfränkischen oder aus Berlin, wo Fuchs länger lebte, wie "eingeschnittene Klöß", "überkandidelt" oder "blümerant". Der Angeber Gustav Gans wird von Onkel Donald "Lackaffe" und "eitler Fatzke" genannt. Fuchs zog alle Register der Umgangssprache von Klassiker-Zitaten bis zum Teenager-Slang. Nicht zu vergessen die philosophischen Anmerkungen oder Zitate aus der deutschen Klassik von Schiller bis Goethe, die die studierte Kunstwissenschaftlerin immer wieder einstreute, dabei hat sie aus den Shakespeare-Zitaten (im Original) gerne Schiller gemacht und Donald sogar aus dem "Wallenstein" zitieren lassen ("Spät kommt ihr, doch ihr kommt!").

Vor allem aber gibt der Autor einen detailreichen Einblick in die Schreibwerkstatt von Erika Fuchs, was selbst vielen Micky-Maus-Lesern bisher unbekannt sein dürfte, auch wenn sich Horst dabei manchmal auf allzu viele Nebenwege begibt oder sich zu sehr in Theorien versteigt. Meist ist es aber sehr fundiert und spannend zu lesen allemal. Wirklich ein kleines Standardwerk für alle Comic-Freunde.

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Quelle: n-tv.de

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