Regisseur wird nicht geschontRichter zitiert Polanski nach L.A.
Starregisseur Polanski wäre es am liebsten, wenn der Missbrauchsprozess gegen ihn in den USA in seiner Abwesenheit beendet werden würde. Ein US-Richter sieht das anders: Polanski müsse sich den Vorwürfen stellen, sagt er.
Starregisseur Roman Polanski muss im Prozess wegen Sex mit einer Minderjährigen nun doch in die USA kommen. "Ich habe es deutlich gemacht, dass er sich stellen muss", sagte der kalifornische Richter Peter Espinoza nach Angaben der "Los Angeles Times". Das Gericht lehnte damit einen Antrag des 76-jährigen Regisseurs ab, das Verfahren gegen ihn in seiner Abwesenheit abzuschließen. Polanskis Anwälte kündigten Berufung gegen diesen Entscheid an.
Dem in Polen geborenen Filmemacher ("Der Pianist") wird vorgeworfen, 1977 eine 13-Jährige in der Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson mit Drogen gefügig gemacht und dann Sex mit ihr gehabt zu haben. Er bekannte sich damals schuldig und verbrachte 42 Tage in psychiatrischer Verwahrung. Am Tag vor der offiziellen Strafverkündung floh er jedoch aus Angst vor einer Haftverlängerung nach Frankreich. Seitdem betrat er die USA nie wieder.
Polanski hat "kein Vertrauen in das System"
Polanski wollte sich nicht stellen, denn "er hat kein Vertrauen in das System", sagte Polanskis Anwalt Chad Hummel laut "Variety". Zudem betreffe das Auslieferungsabkommen zwischen der Schweiz und den USA nur Flüchtige, denen mehr als sechs Monate Haft droht, sagte Hummel. Sein Mandant habe die Strafe, die ihm der damalige Richter versprochen hatte, bereits abgesessen.
Der Regisseur war Ende September auf Antrag der kalifornischen Staatsanwaltschaft in der Schweiz festgenommen worden. Er sitzt seitdem in Auslieferungshaft. Er hält sich jetzt mit einer elektronischen Fußfessel in seinem Haus in Gstaad auf, wo er unter Arrest steht.
Geimer unterstützt Regisseur
Polanski bat das Gericht Anfang Januar, das Verfahren ohne sein Erscheinen in Los Angeles abzuschließen. Ein Berufungsgericht hatte zuvor angeregt, die Vorwürfe gegen den Filmemacher auch ohne seine Rückkehr in die USA zu prüfen. Das Gremium räumte ein, dass bei dem Prozess in den 1970er Jahren möglicherweise Fehler gemacht wurden, die jetzt einen Freispruch Polanskis rechtfertigen könnten.
Polanskis Missbrauchsopfer, Samantha Geimer, schlug sich kürzlich erneut auf die Seite des Regisseurs. Die Amerikanerin, die jetzt verheiratet ist und Kinder hat, bat das Gericht um eine Einstellung des Verfahrens.