Unterhaltung

Schäfer-Stunde mit Dschungel-Mica: Spielen mit dem Nackt-Drang

Das Dschungelcamp 2012 bringt Micaela Schäfer viel Häme ein - aber auch den Durchbruch als Erotik-Model. "Ich würde es jederzeit wieder tun", sagt die 29-Jährige im Interview mit n-tv.de und spricht über die neue Staffel, Sex, Geld - und warum sie keine Pornos dreht.

Das schwarze Gucci-Basecap mit dem rot-grünen Streifen in die Stirn gezogen, den weithin bekannten Oberkörper in ein anthrazitfarbenes Daunen-Jäckchen von Moncler gehüllt, betritt "Deutschlands berühmtestes Erotikmodel" (Eigenwerbung) auf die Minute pünktlich das vereinbarte Café am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte. Während ihr Lieblingsgetränk Chai Latte ("weil da kein Kaffee drin ist") zubereitet wird, legt sie ab.  Den cremefarbenen NYC-Strick-Schlabberpulli behält sie allerdings an.

Motiv aus Schäfers Erotik-Kalender 2013.
Motiv aus Schäfers Erotik-Kalender 2013.(Foto: picture alliance / dpa)

n-tv.de: Frau Schäfer, 2012 war für Sie ja ein sehr erfolgreiches Jahr. Was waren die Highlights?

Micaela Schäfer: Na, ganz klar der Dschungel. Als sportliche Herausforderungen dann aber auch das Promi-Boxen bei Pro Sieben und das Turmspringen in München. Meinen Erotik-Kalender hab ich auch noch produziert ... Und was hab ich denn noch alles gemacht? Man vergisst ja auch immer so viel. Steht aber alles auf meiner Webseite.

Wie sind denn heute Ihre Erinnerungen ans Dschungelcamp? Was war besonders schlimm? Oder auch besonders schön?

Anders als gewohnt: Schäfer beim Baden im Dschungelcamp.
Anders als gewohnt: Schäfer beim Baden im Dschungelcamp.

Besonders schön fällt mir jetzt gerade nichts ein. Besonders schlimm waren natürlich die hygienischen Bedingungen. Man konnte sich zwar duschen und baden, aber eben doch nicht, wie man es von zu Hause gewohnt war. Dann der Hunger. Das ist ganz schlimm, auch für mich als Model. Man sagt ja immer, Models kennen Hungergefühle - aber so dann eben doch nicht. Und dann fehlte eben die gewohnte Umgebung, Freunde, Familie. Es bilden sich ja doch keine Freundschaften im Dschungel. Und du kannst natürlich auch nicht alles sagen, was du denkst und was du gerade sagen willst. Es sind ja immer Kameras um einen herum, da darf man sich nichts vormachen. Trotzdem will ich die Erfahrung nicht missen, ich bereue es keinen Moment. Man wird stärker dadurch. Und jetzt im Nachhinein muss ich sagen: ich würde es jederzeit wieder tun. Da gibt es viele Dinge, die schlimmer sind, die mir noch bevorstehen.

Was fällt Ihnen da so ein?

Na, ein Kind bekommen. Oder die erste Scheidung. Sowas. Das wird schlimmer werden.

Bilderserie

Und das neue Dschungelcamp ohne Sie? Werden Sie das verfolgen?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin vor allem auf die Kandidaten gespannt.

Kennen Sie denn alle elf?

Ja! Alle sind mir ein Begriff. Ich hab keinen einzigen gegoogelt. (lacht) Am unbekanntesten ist mir Allegra Curtis. Klar: Tony Curtis ist der Vater, aber sonst wüsste ich jetzt gar nichts von ihr. Alle anderen sind mir zumindest ein Begriff. Claudelle Deckert ist zum Beispiel ja schon fast Jahrzehnte lang bei [der RTL-Soap] "Unter Uns" dabei. Mit Iris Klein war ich im Big-Brother-Haus. Fiona Erdmann war auch bei Germany's Next Topmodel, wie ich ein Jahr später. Von daher kennt man sie doch irgendwie alle. Mit Silva Gonzalez hab ich auch schon mal Kontakt gehabt ...

"Jemand von DSDS": Krächz-Joey Heindle
"Jemand von DSDS": Krächz-Joey Heindle(Foto: dpa)

Patrick Nuo war schon mal in der Jury von DSDS.

Ja, ich glaube, ganz kurz hat er mal das Vergnügen gehabt.

Und Joey Heindle ...

... wird glaub ich sogar Krächz-Joey genannt, weil er so schlecht gesungen hat beim Dieter Bohlen. Aber es muss halt auch jemand vom DSDS wieder mit rein, ne. Ist wahrscheinlich einfach aus Prinzip so. (lacht)

Verbissen? Dschungelcamp-Moderator  Hartwich
Verbissen? Dschungelcamp-Moderator Hartwich(Foto: dpa)

Was wissen Sie denn über den neuen Moderator Daniel Hartwich?

Über den weiß ich kaum was. Ich war beim Supertalent, da hat er mich interviewt. - Obwohl, interviewen kann man das nicht nennen. Er hat mir Sachen an den Kopf geschmissen. Ich find den nicht so toll, muss ich ganz ehrlich sagen, weil er sehr beleidigend ist beim Supertalent und es nicht so komödiantisch macht wie [der inzwischen verstorbene] Dirk Bach. Der konnte einem Sachen sagen, aber man war ihm überhaupt nicht böse. Daniel Hartwich hat das eher verbissen gemacht. Allerdings gibt es den Unterschied, dass im Dschungel die Texte für die Moderatoren vorher geschrieben werden - und da bin ich dann gespannt, wie er das umsetzt.

Ein Grüppchen junger Männer hat sich an den Tisch herangepirscht, einer fragt etwas verlegen, ob man wohl ein Foto mit Micaela Schäfer machen könnte. Die willigt freundlich ein und posiert routiniert mit den Jungs. Es wird nicht die letzte Unterbrechung dieser Art bleiben. Nach wenigen Sekunden ist die Sache aber erledigt, die Handy-Träger danken artig und rücken dann feixend ab.

Schäfer grinst: So leicht macht man Leute glücklich!

Zurück zum Dschungelcamp. Die n-tv Society-Redakteurin möchte gerne von Ihnen wissen, ob Sie glauben, dass Olivia Jones (alias Oliver Knöbel) den Dschungel durchhält - "mit ihrer ganzen Maskerade und Takelage".

Travestie-Sternchen Olivia Jones (alias Oliver Knöbel) mit Schauspieler Helmut Berger
Travestie-Sternchen Olivia Jones (alias Oliver Knöbel) mit Schauspieler Helmut Berger(Foto: dpa)

Alle prophezeien ja, dass Olivia sogar Dschungelkönigin wird - was ich sehr langweilig finden würde. Ich glaube allerdings nicht, dass die auch so aufgetakelt in den Dschungel geht. Du darfst ja nur zwei Luxusartikel mitnehmen. Was das wohl sein wird? Wahrscheinlich Perücke und Kunstbusen. Oder was auch immer.

Wen würden Sie denn am liebsten als Dschungelkönig sehen?

Bisher "nicht wirklich erfolgreich" aber dennoch "extremst unterschätzt: Power-Zicke Fiona Erdmann
Bisher "nicht wirklich erfolgreich" aber dennoch "extremst unterschätzt: Power-Zicke Fiona Erdmann(Foto: dpa)

Ich würde es Fiona Erdmann gönnen, weil ich glaube, sie wird extremst unterschätzt. Und ich kann mich mit ihr sehr gut identifizieren. Sie war bei GNTM die Zicke der Staffel, das war ich auch. Aber sie hat auch viel drauf: sie schauspielert, sie singt, sie moderiert, sie hat ihre eigene Kollektion. Gut, sie ist mit keinem wirklich erfolgreich - aber scheißegal, sie macht das alles und ich finde das vollkommen in Ordnung. Und irgendwie glaube ich, sie ist eine Powerfrau und wird im Dschungel nicht die Zicke raushängen lassen und hoffentlich zeigen, dass sie auch kooperativ ist.

"Widerlich": Kaufhauserpresser Arno "Dagobert" Funke
"Widerlich": Kaufhauserpresser Arno "Dagobert" Funke(Foto: dpa)

Bei uns in der Redaktion wird auch Arno Funke als Mitfavorit gehandelt.

Arno Funke ist für mich das Widerlichste, was jemals im Dschungel war. Das ist eine absolute Peinlichkeit für RTL. Die Sendung heißt: "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" und ich finde, ein Schwerverbrecher ist kein Star und auch kein Vorbild. Wär' ich mit ihm im Dschungel, ich würde kein Wort mit dem Mann reden.

Helmut Berger dagegen ist ja früher ein richtiger Weltstar gewesen.

"Was zu kucken" für Helmut Berger: Schmusesänger Nuo
"Was zu kucken" für Helmut Berger: Schmusesänger Nuo(Foto: dpa)

Ich muss sagen, dass ich ihn erst seit seinem kleinen Ausraster bei Markus Lanz kenne, davor habe ich noch nie irgendwas von ihm gehört oder gesehen. Ich bin 1983 geboren, meine Mutter war anscheinend auch kein Fan von ihm. Ich glaube aber auch nicht, dass er den Dschungel wirklich rocken wird. Ich glaube eher, der wird viel müde sein, in der Hängematte liegen, der Alkohol wird ihm fehlen. Ich denke nicht, dass er jetzt jeden Tag Halligalli macht. Das wird auch am Dschungel unterschätzt: die ersten zwei, drei Tage ist alles neu, aber irgendwann ist es nun mal Normalität und Langeweile, weil da passiert dann eben nichts. Da tritt dann bei ihm dann auch mal so eine Altersmüdigkeit ein. - Obwohl, vielleicht hält ihn ja Patrick Nuo ein bisschen jung. Er ist ja schwul. [Anm. der Red.: Berger ist offen bisexuell] Und es sind ja süße Typen dabei. Ich denke mal, da hat er was zu gucken.

Wie lange wird denn das Konzept Dschungelcamp noch interessant bleiben?

Werden bald Babys nach ihm benannt? "Hot Bandidoz"-Sänger Silva Gonzalez
Werden bald Babys nach ihm benannt? "Hot Bandidoz"-Sänger Silva Gonzalez(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Na, so lange es interessante Promis gibt, die bereit sind, dort mitzumachen. Ich glaube, mittlerweile stehen die Promis Schlage beim Dschungelcamp. Am Anfang war das so ein bisschen verpönt - "Was, du gehst ins Dschungelcamp?", - aber ich bin der Meinung, dass mittlerweile echt viele rein wollen und jedes Jahr hoffen, dass RTL anklopft, weil es nun mal ein Sprungbrett sein kann. Auf einmal spricht zwei Wochen lang ganz Deutschland über dich. Du bist auf einmal berühmt. Silva hatte zwar ein paar Top-Ten-Hits, aber irgendwie kennt ihn trotzdem keiner. Jetzt geht er in den Dschungel und jeder wird ihn kennen. Wahrscheinlich werden jetzt sogar Babys nach ihm benannt werden. Weiß nicht. Jedenfalls: du hast die Chance. Und du kannst sie nutzen - wie ich - oder eben nicht - so wie andere.

Ihr Traummann ist allerdings trotzdem noch nicht aufgetaucht. Wie müsste man sich den vorstellen?

Ich bin jetzt mittlerweile fast 30. Vor zehn Jahren hätte ich geantwortet: groß und muskulös und witzig und das und das und das. Mittlerweile weiß ich, wie der normale Mann ist und sage: bitte ganz normal, kein Promi, einen anderen Job als ich habe, zumindest nicht in den Medien arbeiten, bitteschön, oder zumindest hinter der Kamera und einfach: ein lieber, netter Mann. Alles andere ergibt sich.

"Keinen Bock, mit jüngeren Männern ins Bett zu gehen": Micaela Schäfer mit dem wächsernen Abbild von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel.
"Keinen Bock, mit jüngeren Männern ins Bett zu gehen": Micaela Schäfer mit dem wächsernen Abbild von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel.(Foto: AP)

Käme Rolf Eden infrage?

Ich stehe auf ältere Männer, Rolf Eden ist aber ein bisschen zu alt. Aber er ist sehr höflich. Ich war ein paar Mal mit ihm essen und da können sich wirklich viele junge Männer eine Scheibe von abschneiden. Er hält einem die Tür auf, schenkt einem Aufmerksamkeit, ist gut gekleidet. Ist ein toller Mann! Aber zu alt für mich.

Unser Nachrichtenchef wollte von Ihnen gerne noch wissen, ob es Sie nicht stört, immer nur für Ihren Körper und nie für Ihren Geist beurteilt zu werden.

Überhaupt nicht! Jeder wird doch danach beurteilt, was er beruflich macht. Wenn beim Bäcker die Brötchen scheiße schmecken, dann sag ich: Sorry, ist Scheiße. Ich bin Model und werde eben danach beurteilt. Das ist vollkommen in Ordnung. Die Leute müssen mich gar nicht nach dem Geist beurteilen. Das sollen dann meine Freunde machen und mein zukünftiger Ehemann.

Die Society-Expertin der Online-Redaktion fragt, ob es für sie schwer ist, sich immer zu verstellen. Sie meint, sie seien blitzgescheit, würden sich aber immer irgendwie leicht dümmlich präsentieren, etwa so wie Verena Pooth.

Naiv - und in 20 Jahren privat Mutti?
Naiv - und in 20 Jahren privat Mutti?(Foto: picture alliance / dpa)

Na eher: naiv. Aber ich bin es gerne. Ich bin von Natur aus naiv und wenn wir mal ehrlich sind: 90 Prozent aller Frauen sind naiv im Alter von 20 bis 30. Das ist normal, das ist ja nichts Negatives. Und ich stelle mich ja nicht dumm. Ich mache keine komischen Rechtschreibfehler oder Sprachfehler oder sonst was. Ich spiele mit meinem Nackt-Drang. Das ist, was ich mache.

Wo sehen Sie sich in 20 Jahren?

Privat auf jeden Fall als Mutti. Das wünsche ich mir schon. Und: immer noch vor der Kamera. Ob nackt, bin ich mir nicht so sicher. Vielleicht mal ausziehen, aber man kennt mich ja dann auch mittlerweile nackt. Aber vielleicht eine eigene Talk-Sendung über Erotik, Lifestyle. Ich rede ja sehr gerne über Sex. Das könnte ich mir schon vorstellen.

Sie reden gerne über Sex. Also: Sex ohne Liebe ist ...

... für den Moment geil. Vielleicht geiler. (lacht)

Erotik und Pornografie ...

... sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich werde ja auch gerne in die Pornografie-Ecke gesteckt, ich werde ja täglich gefragt: Wo kann man denn deinen Porno kaufen? Ich sag dann immer: leider nie, gibt keinen. Das verstehen die Leute nicht: ich ziehe mich aus, drehe aber keine Pornos. Warum sollte ich? Erstens verdient man kein Geld im Porno-Business. Und es ist mir auch zuwider. Und ich kann auch meiner Oma das nicht antun und meiner Mutter. Die könnten ja nie mehr aus dem Haus gehen. Da bin ich auch wieder zu prüde für, öffentlich so was zu machen. Außerdem müsste ich da mit jungen Männern ins Bett und da habe ich keinen Bock drauf.

Mit Geld kann man ...

... sich alles kaufen.

Auch Liebe?

Wenn man ehrlich ist: ja, kann man. Ob es ehrliche Liebe ist, ist dann etwas anderes.

Mit Micaela Schäfer sprach Thomas Leidel

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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