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Til Schweiger mit dicker Waffe. Was hat er damit bloß vor?
Til Schweiger mit dicker Waffe. Was hat er damit bloß vor?(Foto: dpa)

Achtung Spoiler?: Tatort? Später!

Von Sabine Oelmann

Wenn Sie denken, Sie können hier jetzt lesen, wie Sie den heutigen "Tatort" zu finden haben, dann müssen wir Sie leider auf später vertrösten. Warum? Das hat auch damit zu tun, wie Journalisten behandelt werden - und ihnen "geholfen" wird.

Guten Abend. An dieser Stelle finden Sie normalerweise pünktlich um 21.46 Uhr unsere "Tatort"-Besprechung. Ein Redakteur hat sich üblicherweise das gute Stück in aller Ruhe vorab angeguckt und eine fundierte Kritik geschrieben. Dieses Mal ist es anders, denn dieses Mal gibt es keinen Vorab-Zugang zu der frischen Folge mit Til Schweiger, nachdem er schon vorgestern seinen Auftritt hatte.

Warum - darüber kann nur spekuliert werden. Es kann nicht daran liegen, dass Til Schweiger auf n-tv.de besonders gebasht wird - im Gegenteil. Für viele berichten wir ja eher zu freundlich über den Schauspieler, der zu den erfolgreichsten Deutschen gehört. Und es liegt ganz sicher nicht an ihm persönlich oder einem anderen Mitwirkenden, dass den Journalisten dieses Mal der Zugriff auf die Folge "Fegefeuer" verwehrt wurde. Und es ist ja auch nicht so, dass wir die vorige Folge "Der große Schmerz" vom 1. Januar in irgendeiner Form unterirdisch dargestellt hätten, im Großen und Ganzen kam diese "Tatort"-Folge sogar viel besser weg als so manch andere zuvor. Woran es liegt, dazu kommen wir gleich.

Carrara-Gebirge des öffentlich-rechtlichen TV

Heute erneut im Einsatz: Til Schweiger alias Nick Tschiller.
Heute erneut im Einsatz: Til Schweiger alias Nick Tschiller.(Foto: dpa)

Natürlich könnte man zu viel Baller-Baller kritisieren und auf die stoische Miene des 52-Jährigen wollen wir hier gar nicht weiter eingehen. Ja, man hätte - wie immer - vieles besser machen können in diesem "Tatort", aber hinterher ist man ja immer schlauer. Und sicher ist es mega-kitschig, dass ausgerechnet seine Ex und Mutter von Nick Tschillers Tochter das Zeitliche segnen musste, ist ja fast wie bei James Bond. Auch auf Helene Fischer hätte der Kollege vorgestern durchaus mehr eindreschen können, denn wenn Til Schweiger der Mann mit der Betonmimik sein soll, dann ist sie das Carrara-Gebirge des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Helene soll einfach weiter singen, basta.

Vielleicht liegt der Unmut, der zwischen diesen Zeilen ab und an durchblitzen mag, viel eher darin begründet, dass dies nicht die erste und einzige Einschränkung ist, die Journalisten zunehmend auferlegt wird. Es ist okay, wenn ein Künstler die Zitate, die er in einem Interview von sich gegeben hat, gegenlesen und auch korrigieren will. Es ist allerdings nicht okay, wenn da am Schluss ein anderer Text rauskommt à la "Was ich schon immer mal sagen wollte" beziehungsweise "wie bereits im Pressetext mitgeteilt" oder nach Belieben Aussagen ergänzt werden, die so nie getätigt wurden (und andere dafür entfernt werden). Auch mag der eine oder andere sich durch die häufige Verwendung von Wörtern wie "krass", "geil" oder "mega" einen jugendlichen Anstrich im täglichen Leben verpassen, der in schriftlicher Form irgendwie lächerlich rüberkommt und daher im Text zu großen Teilen entfällt. "Krass", "geil" und "mega" dann aber an anderer Stelle wieder einzusetzen, ist irgendwie auch affig.

Dass Journalisten vor dem Betreten einer Pressevorstellung durchleuchtet werden wie potenzielle Terroristen vor Betreten eines Flugzeuges und freundlich, aber bestimmt darauf aufmerksam gemacht werden, was sie fragen dürfen (gerne werden neuerdings bereits Fragen "vorformuliert", was als "hilfreich" verkauft wird), ist ja gang und gäbe. Wenn man dann aber mal fragt: "Sagen Sie, Herr Künstler, schade, dass wir momentan nur über Ihr neues Album und gar nicht Ihr Mitwirken in der Jury von Sendung xy sprechen dürfen" oder: "Frau Künstlerin, in Ihrem neuen Film thematisieren Sie die Grundwerte der Familie, wir dürfen hier aber nicht nach Ihrem humanitären Engagement fragen", dann erntet man meist erstauntes Kopfschütteln: "Ich sag' Ihnen gerne was zu meinem Mitwirken in der Sendung" und: "Ich spreche über nichts lieber als mein humanitäres Engagement und meine eigene Familie, Grundgütiger, den Film können Sie doch sowieso vergessen, er war ja bereits in den Staaten ein Flop (glockenklarer Lacher)." Diese Sänger, Musiker, Schauspieler, Regisseure, sie plaudern für ihr Leben gern mit uns (außer Tommy Lee Jones und Harrison Ford) - man lässt sie nur nicht!

Achtung: Spoiler. Jetzt kommt die Erklärung!

Und deswegen sind wir an dieser Stelle nun auch nicht sauer oder so was ähnlich Altmachendes, Spießiges, wir nehmen es einfach hin, dass der produzierende Sender NDR für "Fegefeuer" entschieden hat, dass die Gefahr einfach zu groß ist, dass Details der Sendung verraten werden könnten. Denn: so machen wir das schließlich immer, lieber Leser, Sie können ein Lied davon singen! Ständig verraten wir das Ende von Serien, erzählen Ihnen, wie es bei "Star Wars" wirklich war, nehmen Ihnen die Lust auf einen Kinofilm, in dem wir unser jämmerliches Hoheitswissen, das wir für ein paar Momente haben, an Sie verraten und spoilern, spoilern, spoilern, was das Zeug hält.

Verraten möchten wir an dieser Stelle aber dennoch etwas: Til Schweiger kann nichts dafür (der NDR hat sein großes Indianerehrenwort gegeben) und nächste Woche finden Sie hier wie gewohnt die "Tatort"-Kritik zum "Tatort: Rebecca". Auch großes Indianerehrenwort.

Quelle: n-tv.de

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