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Könnten unterschiedlicher kaum sein: Falke und seine neue Kollegin Grosz
Könnten unterschiedlicher kaum sein: Falke und seine neue Kollegin Grosz(Foto: NDR/Marion von der Mehden)

Falke-"Tatort" mit neuer Kollegin: Terror frei Haus

Von Julian Vetten

Braunschweig liegt gleich neben Rakka, deutsche Flughäfen haben mehr Löcher als ein Schweizer Käse und auch Terroristen knutschen gerne im Park: Die Jagd auf einen IS-Heimkehrer ist im neuen "Tatort" der Bundespolizei eine vielschichtige Angelegenheit - und mordsspannend.

Terroristen haben lange Bärte, fuchteln mit Kalaschnikows in der Gegend herum und sind von einer fanatischen Aura umgeben, damit man sie leichter erkennen kann. Auf keinen Fall sind sie glattrasierte Sympathieträger, die "Digga" sagen, ihre Familie vermissen und eine Mordsangst haben, wenn man sie in einem dunklen Keller an ein Heizungsrohr kettet - so wie Enis (Cem-Ali Gültekin), der gerade als Dschihadtourist aus Syrien in seine Heimatstadt Braunschweig zurückkehren will und in ebenjenem Keller landet, anstatt unerkannt durch die Sicherheitskontrollen des Hannoveraner Flughafens geschleust zu werden.

Der Schleuser und der Terrorist: Rocky (l.) und Enis
Der Schleuser und der Terrorist: Rocky (l.) und Enis(Foto: NDR/Marion von der Mehden)

Ein "Tatort" über den IS-Terror war lange überfällig - was für ein Glück, dass der NDR sich für Özgür Yildirim als Regisseur entschieden hat. Yildirim demontiert gekonnt die bequemen Stereotypen, die wir uns fast schon zwangsläufig im Umgang mit der Terrorberichterstattung antrainiert haben. Der Terror kommt eben nicht aus Syrien oder dem Irak, er ist hausgemacht: Derselbe Enis, der heute in seiner Heimatstadt ein Massaker anrichten will, suchte früher Orientierung in einer Braunschweiger Jugendgang. Die Sprache und gesellschaftlichen Codes, die er verwendet, sind auch heute noch die von damals. Dschihad und Digga bilden zusammen einen wunderbaren Knoten im Kopf der Zuschauer, am Ende steht die eigentlich schon bekannte Erkenntnis: Braunschweig und Rakka sind gar nicht so weit voneinander entfernt.

"Du bist genauso wie ich"

Verstärkt wird das Ganze durch eine eher unerfreuliche Wiedervereinigung: Einer der Schleuser, die den Hannoveraner Flughafen infiltriert haben und Enis unerkannt ins Land bringen sollen, ist Rocky (Christoph Letkowski). Der Flughafenangestellte war früher in einer verfeindeten Gang aktiv, knutschte aber im Park die gleichen Mädchen wie Enis. Heute ist Rocky mit zweifelhaften Methoden auf der Suche nach einem besseren Leben für sich und seine hochschwangere Frau und schleust zu Beginn einen Terroristen, der gar keiner ist - und kurz darauf tot aus einem startenden Flugzeug in einen Swimmingpool fällt. Auch mit dem richtigen hat er wenig Freude: Als Rocky erkennt, wen er da schleusen soll, bekommt er Gewissensbisse und liefert sich mit Enis Grundsatzdiskussionen über die Ungerechtigkeit der Welt, die Verbrechen des Westens und Vergeltung. "Du bist genauso wie ich", schließt Enis wenig später und erntet nur Schweigen.

Während die beiden vom Leben Verbrannten in ihrem Keller vor sich hin debattieren, versucht Hauptkommissar Falke (Wotan Wilke Möhring), die Teile des Puzzles zusammenzufügen und Schlimmeres zu verhindern. Hilfe bekommt er dabei von seiner neuen Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz), die er eher zufällig auf dem Flughafen aufsammelt. Ihre Zusammenarbeit beginnt mit einem Schlag in die Magengrube und entwickelt sich im Verlauf der Episode vielversprechend: Die verschlossene Grosz mit dem Afghanistan-Trauma ist der perfekte Gegenpol zu Falke und seinem lockeren Hamburger Schnack.

Auch ansonsten macht "Zorn Gottes" fast alles richtig: Die Terroristenhatz ist vielschichtig und intelligent geschnitten, die musikalische Untermalung absolut gelungen und der Weg zum Showdown kompromisslos und ungeschminkt inszeniert. "Ein Terrorist kommt nach Hause", sagt Falke. Ausnahmsweise ist das ein Grund zur Freude.

Quelle: n-tv.de

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