Unterhaltung

"Die Bachelorette": Startschuss: Testosteron overload!

Von Kai Butterweck

Ein sabbernder Schornsteinfeger, ein Philosophie-Macho mit grotesken Architektur-Wissenslücken und ein bärtiger Hannoveraner mit Leggins-Problemen: Der Bachelorette Jessica Paszka verschlägt es schon am ersten Abend die Sprache.

Im schnieken Marbella, dem sonnigen Beverly Hills Spaniens, tuckert ein Reisebus durch die Straßen. Betuchte Touristen und edel gekleidete Einheimische blicken sich verwirrt um. Man spitzt die Ohren. Schallte da gerade ein "Zicke zacke zicke zacke hoi hoi hoi"-Chor durch das hinterste Busfenster?

Panische Blicke starren dem skurrilen Vehikel hinterher. Hat sich hier etwa eine Horde volltrunkener Ballermann-Touris ins schöne Andalusien verirrt? Der Verdacht liegt nahe. Aber die geschockten Gestalten auf den Gehwegen können schnell wieder aufatmen. In besagtem Bus bringen sich lediglich die 20 Single-Herren der diesjährigen "Bachelorette"-Staffel schon mal vorsorglich in Feierlaune.

"Optisch wie ein Model"

Jessica Paszka: Wird die "Bachelorette" den Richtigen finden?
Jessica Paszka: Wird die "Bachelorette" den Richtigen finden?

Hier in der Stadt der Schönen und der Reichen soll für die lechzenden Schornsteinfeger, Feuerwehrmänner, Möchtegern-Models und Fitnesstrainer nämlich so richtig die Post abgehen. Man verspricht sich eine "brutal geile Zeit" mit "ner tollen Truppe" und einer paarungswilligen Prinzessin in der Mitte, die sich nach Möglichkeit "optisch wie ein Model" und charakterlich "wie ne Dicke" präsentiert. Ob das allerdings die richtige Erwartungshaltung ist, mit der man ein vermeintliches It-Girl wie Jessica Paszka um den Finger wickeln kann, darf bezweifelt werden.

Die neue Bachelorette, die vor vier Jahren selbst schon einmal an einigen roten Rosen schnuppern durfte, hat trotz ausgeprägter Schwäche für oberflächliche Schönheit, nämlich überhaupt keine Lust auf "stumpfe Sprüche" und proletarisches Macho-Getue. Dumm nur, das scheinbar ein Großteil der auserwählten Kandidaten eben mit genau dieser Tour ihr Glück versuchen.

Sicher, man sollte nicht sofort alle Anzug- und Klunkerkettenträger über einen Kamm scheren. Vielleicht verschickt sich das eine oder andere fleischgewordene Testosteron-Paket ja doch am liebsten mit einer pinkfarbenen Schleife.

Ach, die große Liebe ...

Der erste Blick sitzt ...
Der erste Blick sitzt ...

David beispielsweise kommt eher bodenständig und nachdenklich um die Ecke. Der Schlagzeuger der Metalcore-Kapelle "Eskimo Callboy" sucht keine "schnelle Spaßnummer". David sucht die große Liebe. Und da macht ihn die Tatsache, dass die Bachelorette in der Vergangenheit bereits B-Promi-Spuren hinterlassen hat schon ein bisschen stutzig.

Auch der angehende Ristorante-Chef Niklas hat nur eins im Sinn: Das perfekte Liebesglück. Schon bei der Ankunft vor der opulenten Bachelorette-Villa schlägt dem glatzköpfigen Osnabrücker das Herz bis zum Hals: "Wow! Dieser Moment hier ist für mich krasser als die Geburt meiner Nichte", flüstert er der sichtlich überforderten Jessica ins Ohr. Was für eine Begrüßung! Da wollen wir doch mal hoffen, dass Niklas Schwester daheim keinen Fernseher hat.

"Geil", "geil" und nochmal "geil"

Niklas Statement ist an diesem Abend aber nicht der einzig Schuss ins Knie der Männerwelt. Andere legen in puncto Fremdscham sogar noch zwei Schippen drauf. Ganz vorne im Rennen um den "Erst-denken-dann-reden-Award" liegt Philosophie-Student und Hobby-Beau Julian mit seinem Einmarsch-Shout: "Meine Villa, mein Haus, meine Frau!" Direkt dahinter scharrt bereits Schornsteinfeger Alex mit den Hufen. Der findet die Bachelorette einfach nur "geil", "geil" und nochmal "geil". Darauf noch ein Gläschen Prosecco. Prost, Alex!

Ohne Alkohol im Blut, dafür aber nicht weniger verwirrt reden sich andere Mannsbilder um Kopf und Kragen. So stolpert der bärtige Sebastian aus der Limo und empfängt die Bachelorette mit den Worten: "Oh, ich glaube, ich muss erstmal meine Leggings richten".

Martin wird 26.
Martin wird 26.

Der schüchterne Sixpack-Martin versucht es lieber auf die Nachdruck-Tour: "Ich bin Kundenberater und berate meine Kunden", so der Fitness-Junkie aus Karlsruhe. Jessica zieht beeindruckt die Augenbrauen hoch. Martin nutzt die Gelegenheit und setzt sogar noch einen drauf. "Du siehst noch so jung aus", sagt die Bachelorette. Martin hält dagegen: "Ich bin 25, werde aber 26." Puh, na dann ist ja gut.

Ganz klar: Es muss am ersten Abend liegen. Die Nervosität, die Aufregung, die Anspannung: Anders ist dieses bisweilen schon fast mitleiderregende Potpourri aus hilflosem Gestammel und bedauernswertem Geprolle nicht zu erklären. Nächste Woche präsentieren sich polnisch sprechende Italiener und bis dahin hoffentlich trockengelegte Schornsteinfeger ganz bestimmt von ihrer Schokoladenseite. Hundertpro! Isch schwöre!

Quelle: n-tv.de

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