Unterhaltung
Philip Roth im September 2008.
Philip Roth im September 2008.(Foto: AP)

Erfolgsschriftsteller hört auf: Philip Roth legt die Feder nieder

Dass er Jahr für Jahr bei der Verleihung des Literaturnobelpreises übergangen wird, sorgt mittlerweile für üble Scherze. Philip Roth freilich wurde trotzdem zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller der Gegenwart. Nun jedoch will er keine weiteren Romane schreiben. "Ich habe damit abgeschlossen", sagt der 79-Jährige.

Einer der bedeutendsten US-Schriftsteller, Philip Roth, hat das Ende seiner langen Karriere als Romanautor verkündet. In einem Interview mit dem französischen Magazin "Les Inrockuptibles" sagte der 79-Jährige: "Ich habe nicht die Absicht, in den zehn nächsten Jahren zu schreiben. Um offen zu sein: Ich habe damit abgeschlossen. 'Nemesis' wird mein letztes Buch gewesen sein."

Roth sagte dem französischen Magazin weiter, dass ihm bewusst geworden sei, dass sein Leben endlich sei. Deshalb habe er vor fünf Jahren begonnen, seine Lieblingsautoren wie Fjodor Dostojewski und Ernest Hemingway erneut zu lesen. Zudem habe er sich nochmals mit seinen eigenen Werken befasst. Seine Karriere sei zwar erfolgreich gewesen, er wolle nun aber nicht mehr als Autor arbeiten, so Roth.

Bilderserie

Roths US-amerikanischer Herausgeber, Houghton Mifflin, bestätigte dem US-Internetmagazin "Salon.com" die überraschende Aussage des Autors. "Er sagte, dies sei wahr", teilte Verlagssprecherin Lori Glazer mit. Roth gehört seit Jahren zu den Favoriten für den . Bisher ging er allerdings leer aus, was bei Experten zu der Vermutung führte, dass die Schwedische Akademie Vorurteile gegen US-Schriftsteller und die US-Literatur habe.

"Portnoys Beschwerden" und "Mein Leben als Mann"

Roth wurde 1933 als Sohn ostjüdischer Eltern in der Nähe von New York geboren. Nach Studium und Armeezeit arbeitete er seit den 50er Jahren als Englischdozent und Lehrer für kreatives Schreiben an verschiedenen Universitäten. Entsprechend seinem Familienhintergrund erzählt Roth in seinen Romanen vor allem Geschichten über das Leben jüdischer Kleinbürger oder der jüdischen Mittelschicht in den USA, beschränkt sich jedoch nicht darauf.

Bilderserie

Für Aufsehen sorgte Roth durch die vulgäre Sprache des Romans "Portnoys Beschwerden" von 1969. Dieser handelt von einem jüdischen Mann, der durch sexuelle Ausschweifungen dem Druck der eigenen Familie zu entfliehen sucht. Weitere Erfolge feierte er etwa mit "The Great American Novel", "Mein Leben als Mann" und "Sabbath's Theater", für den er 1995 den National Book Award erhielt..

In den 70er und 80er Jahren ließ Roth in seinen Büchern immer wieder den fiktiven Schriftsteller Nathan Zuckerman auftreten, mal als handelnder, mal als beobachtender Protagonist, durch dessen Augen die Handlung weitergetrieben wird. Zuckerman reflektiert dabei als Roth' Alter Ego immer wieder seine eigenen Lebensstationen. Auch in anderen Romanen verarbeitete Roth immer wieder autobiografische Erlebnisse.

Das Alter Ego stirbt

Zuckerman ist auch Figur in der sogenannten amerikanischen Trilogie, zu der Roth' bekannteste Bücher gehören. Für deren ersten Teil "Amerikanisches Idyll" wurde der Autor 1998 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Es folgte "Mein Mann der Kommunist", in dem sich Roth mit der Kommunistenhatz während der McCarthy-Ära auseinandersetzt.

Den Abschluss der Trilogie bildete "Der menschliche Makel" aus dem Jahr 2000, der mit Anthony Hopkins und Nicole Kidman verfilmt wurde. Im Mittelpunkt des Buches steht Professor Coleman Silk, der wegen einer angeblich rassistischen Äußerung entlassen wird. In Rückblenden wird klar, dass Silk selbst Schwarzer ist, jedoch wegen seiner hellen Haut immer wieder für einen Weißen gehalten wurde. Silk findet eine jüdische Frau, sagt sich von seiner Familie los und macht Karriere - doch der Schatten seiner Lebenslüge lässt ihn nicht los.

In seinen letzten Romanen wie "Jedermann" und "Die Demütigung" setzt sich Roth verstärkt mit Älterwerden und Tod auseinander. In "Exit Ghost" lässt er schließlich seinen Alter Ego Zuckerman sterben. 2011 wurde Roth mit dem renommierten Man Booker Preis ausgezeichnet, ein Jahr später erhielt er den Prinz-von-Asturien-Preis für Literatur.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen