Unterhaltung
(Foto: Frédéric Batier / X Filme 2017 )
Freitag, 13. Oktober 2017

Volker Bruch in "Babylon Berlin": Verliert seine Waffe, kann aber Wandsalto

Eine größere Fernsehrolle hätte er nicht abstauben können. Volker Bruch spielt in "Babylon Berlin" den Kommissar Gereon Rath. n-tv.de erzählt der Schauspieler von seinem Ausflug in die Vergangenheit, vom Tanztraining und neu erlernten Tricks.

n-tv.de: In "Babylon Berlin" spielen Sie Gereon Rath, einen Kommissar, der bei einer Verfolgungsjagd seine Waffe fallen lässt, aber dafür seinen Hut festhält. Das müssen Sie erklären!

Volker Bruch: Wir haben auch ein paar Takes, wo der Hut auch flöten gegangen ist - die wurden nur nicht reingeschnitten. (lacht) Mit der Waffe hat er es nicht so, der Herr Rath. Aber das ist in der Romanvorlage tatsächlich auch so. Die Waffe ist einfach nicht seins.

Dafür kann er tanzen. Mussten Sie lange für die entsprechenden Szenen trainieren?

Während des Drehs war für so was relativ wenig Zeit. Ich habe ja die sieben Monate über fast jeden Tag gedreht. Dafür hatten wir drei Monate Vorbereitungszeit. Hauptsächlich haben wir uns da aufs Buch konzentriert, aber eben auch technische Sachen wie Choreografien für die Tanzszenen einstudiert. Vieles davon haben wir allerdings am Set wieder verworfen - hat einfach nicht richtig geknallt. Tanzen ist ein Lebensgefühl, besonders Charleston zu der Zeit. Da geht es ums Ausprobieren.

"Babylon Berlin" ist ein spektakulärer Ausflug in die späten 1920er-Jahre. Es gibt viele aufwendige Locations. Gibt es einen Ort, an dem Sie besonders gern gedreht haben?

Im zum Moka Efti umfunktionierten Delphi-Kino hat Volker Bruch besonders gern gedreht.
Im zum Moka Efti umfunktionierten Delphi-Kino hat Volker Bruch besonders gern gedreht.(Foto: Frédéric Batier / X Filme 2017)

Das Moka Efti war schon echt 'ne Ansage. Das ist dieses alte Stummfilmkino, das Delphi. Es wurde komplett umdekoriert. Das war schon immer 'ne Überraschung, wenn man morgens ans Set kam und der im Drehbuch beschriebene Raum wird real. Und dann die ganzen Komparsen … Erst durch sie und die Ausstattung werden Locations lebendig. Da tanzen Tänzer, da steht Brian Ferry auf der Bühne, die Champagnergläser stapeln sich und man denkt sich: "Wo bin ich hier gelandet?"

Sie wohnen seit acht Jahren in Berlin. Bietet so ein Dreh in der Vergangenheit auch die Gelegenheit, die Stadt neu kennenzulernen?

Es ist eher so, dass mich beim Drehen die Bilder der Jetztzeit begleiten. Der Hermannplatz ist zum Beispiel ein Ort, den ich wirklich gut kenne. Wir haben dort zwei Nächte lang den U-Bahnhof Hermannlatz von 1929 gedreht. Da steht dann ein Kiosk von damals und die Schilder sehen anders aus. Eine historische U-Bahn fährt ein und schon fühlt man sich 90 Jahre zurückversetzt.

Wenn Sie sich auf einen Historienfilm vorbereiten, setzen Sie sich dann im Vorfeld mithilfe von Büchern, Filmen oder Musik mit der Epoche auseinander?

Historienfilme erzählen immer auch von zeitlosen Beziehungen zwischen Menschen, findet Volker Bruch.
Historienfilme erzählen immer auch von zeitlosen Beziehungen zwischen Menschen, findet Volker Bruch.(Foto: Frédéric Batier / X Filme 2017 )

Ich nehme alles aus dem Drehbuch. Die Illusion einer Zeit kreieren vor allem die Kostüm- und Szenenbildner. Wir Schauspieler erzählen persönliche Geschichten von Menschen. Die sind eigentlich immer zeitlos. Zwischenmenschliche Beziehungen haben sich in den letzten paar 1000 Jahren nur minimal verändert. Sie sind erst durch die Umstände in einer Zeit zu verorten.

Der historische Rahmen wirkt sich doch aber auf Ihr Spiel aus?

Eine Geschichte muss auch losgelöst davon funktionieren. Sie muss Fluss haben. Ob ich da zehn Bücher aus der Zeit gelesen habe oder nicht … Ich will mich sicher fühlen in meiner Geschichte und wenn das gelungen ist in der Vorbereitung, kann ich auch getrost in den ersten Drehtag starten.

Und am letzten Drehtag konnten Sie Charleston tanzen, einen Zigarettentrick vorführen … Haben Sie als Gereon Rath noch etwas gelernt?

Ja, Wandsalto!

Das war kein Stuntdouble?

Nein. (grinst) Das erkennt man auch, wenn man genau guckt.

Mit Volker Bruch sprach Anna Meinecke

"Babylon Berlin" läuft ab Freitag, den 13. Oktober, auf Sky und Ende 2018 im Ersten.

Quelle: n-tv.de

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