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Ging und geht ab durch die Decke: Adele.
Ging und geht ab durch die Decke: Adele.(Foto: picture alliance / dpa)

T-Shirts für alle!: Vevo - das neue MTV?

Von Nadine Wenzlick

Mit 15 Milliarden Streams pro Monat ist Vevo der größte Anbieter von Musikvideos. Vevo hat zwar zwei neue Vokale, aber es macht den Machern überhaupt nichts aus, wenn man ihr Baby mit Viva vergleicht. Ein Besuch im New Yorker Hauptsitz.

Wie kleine Ameisen sehen die Menschen von hier oben aus. Kreuz und quer wuseln sie über den geschäftigen Platz und bestaunen die knallbunten LED-Werbeschilder. Mittendrin steht Batman und quatscht mit Micky Mouse, dann gesellt sich Spongebob hinzu. Wir befinden uns im 25. Stockwerk vom "Condé Nast Building", einem im Jahr 2000 fertiggestellten Wolkenkratzer mit spektakulärem Blick auf den New Yorks Times Square. Hier hat der US-amerikanische Musikvideo- und Unterhaltungs-Onlinedienst Vevo seinen Hauptsitz.

Betrieben wird Vevo von Sony Music Entertainment, der Universal Music Group und der Abu Dhabi Media Company, darüber hinaus ist auch Google am Unternehmen beteiligt. Zum Katalog der Video-Plattform gehören neben 150.000 HD-Musikvideos exklusive Eigenproduktionen und Konzertmitschnitte. Diese Inhalte stehen den Zuschauern on demand auf vevo.com sowie über Apps für Handy, Tablet, TV und Konsole zur Verfügung. Darüber hinaus bietet Vevo TV lineare Kanäle im Stil von Fernsehsendern, deren Programm von Musikexperten zusammengestellt wird. Man könnte also sagen: Vevo ist so etwas wie das neue MTV.

Nic Jones: Vevo ist anders.
Nic Jones: Vevo ist anders.

"Das habe ich schon öfter gehört. Ich antworte dann immer mit ja und nein", grinst Nic Jones, Senior Vice President von Vevo International, als er uns in Empfang nimmt. Die großzügige, offene Bürofläche verfügt über viele Sitzecken und Meeting-Räume. In der Küche stehen kostenlose Getränke und Snacks bereit, auf den Toiletten gibt es Mundwasser und Zahnpasta. "Wir sind schon deshalb anders als MTV, weil wir heute in einer ganz anderen Zeit leben", fährt Jones fort. "Aber es ist natürlich schön, wenn die Leute Vevo für genauso relevant halten, wie MTV es damals für eine ganze Generation war. Unser Geschäftsführer Erik Huggers sagt immer: 'Wir wollen, dass die Leute Vevo T-Shirts tragen', und zwar mit Stolz."

Die Liebe zur Musik

Vevo ist zweifellos auf dem besten Weg dorthin. Die Zahlen des 2009 gegründeten Unternehmens sind beachtlich: Mit über 15 Milliarden Video-Streams pro Monat ist Vevo der weltgrößte Anbieter von Musikvideo-Entertainment und über YouTube in rund 200 Ländern vertreten. In 15 Ländern gibt es zudem eigene Büros, darunter Brasilien, Australien, Mexiko, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Hierzulande ging Vevo am 1. Oktober 2013 an den Start. Die Werbeeinnahmen, durch die Vevo sich finanziert, hat das deutsche Büro im Jahr 2015 mal eben so verdoppelt. Der wichtigste Grund für Vevos Erfolg sei die große Liebe der Menschen zu Musik und Musikvideos, meint Jones. Aber auch Smartphones spielten natürlich eine entscheidende Rolle. "Früher hat man im Zug die Zeitung gelesen", sagt er, "heute haben wir überall und zu jeder Zeit Internetzugang und schauen uns auf dem Smartphone Videos an".

In Deutschland ist Vevo längst nicht die einzige Musikvideo-Plattform. Während YouTube sich mit der Verwertungsgesellschaft GEMA weiterhin über Lizenzabgaben für Musikvideos streitet, sind in den vergangenen Jahren diverse neue Dienste aus dem Boden geschossen. Dazu gehören zum Beispiel der Berliner Online-Musiksender tape.tv, der ebenfalls eigene Formate produziert und auch mit TV-Sendern kooperiert, sowie Musikvideo-Kanäle wie Clipfish und Ampya.

Klassische Musikfernsehsender wie VIVA oder eben MTV sind dafür längst verschwunden. Nic Jones ist sich sicher, dass Musikfernsehen im Internet trotzdem oder gerade deshalb eine Zukunft hat. Dort können die Konsumenten selbst bestimmen, was sie sehen wollen, statt Programme oder Videos vorgesetzt zu bekommen, die einen womöglich gar nicht interessieren.

Und so beliebt Vevo mittlerweile bei den Konsumenten ist, so relevant ist es auch für die Künstler. Vevo-Shows wie "LIFT" oder "DSCVR", in denen hoffnungsvolle Newcomer vorgestellt und begleitet werden, beschleunigten die Karrieren von Rita Ora, Lorde, Jessie J oder Avicii entscheidend. Und erreicht ein Musikvideo 100 Millionen Views, so wie kürzlich Adeles Single "Hello", die jenen Rekord in nur fünf Tagen knackte, bekommt es den sogenannten "Vevo Certified"-Status - eine Auszeichnung, die in den heutigen Zeiten oft mehr aussagt als die klassische Gold- oder Platin-Schallplatte. Immer mehr Künstler feiern auf Vevo Videopremieren, sie drehen exklusive Clips und stellen sogar Konzertmitschnitte zur Verfügung. Anders als bei Audio-Streaming-Services wie Spotify, die den Kauf eines physischen Tonträger oder den digitalen Downloads ersetzen und bei vielen Künstlern aufgrund der geringen Vergütung alles andere als beliebt sind, bietet Vevo ihnen Promotion - was den Verkauf im besten Fall sogar ankurbelt. So sind Interpreten wie Adele und Taylor Swift mit ihren Alben zwar nicht bei Spotify, mit ihren Videos aber bei Vevo.

The Year in Vevo

Für die Zukunft schwebt Jones vor, noch mehr eigene Shows zu produzieren. "Das wird ein großer Teil unserer Zukunft", sagt er. "Episodische Sachen, vielleicht sogar längere Formate. Ich würde mir wünschen, dass wir eines Tages Shows haben, über die die Leute genauso begeistert diskutieren wie über TV-Serien wie 'Breaking Bad' oder ähnliche Formate. Und wir träumen von dem Tag, an dem Künstler ihre eigenen Vevo Channels haben." Eine lukrative Monetarisierungsmöglichkeit übrigens, denn solche On-demand-Kanäle könnten Fans dann kostenpflichtig abonnieren. Und da Vevo gerade den Video-Dienst ShowYou übernommen hat, der genau das technisch umsetzen könnte, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis die Träume von Jones Wirklichkeit werden.

Mit dem dreitägigen Festival "The Year In Vevo" feierte die Musikvideo- und Entertainmentplattform gerade die besten Videos des Jahres 2015. In der New Yorker Event-Location Skylight Clarkson Square - ein stylisches Warehouse in West Soho - erlebten die Fans exklusive Performances und Meet&Greets mit Künstlern wie The Weeknd, Tori Kelly und J Balvin. Für Aufsehen sorgten außerdem vier einzigartige Musikvideo-Installationen, mit deren Hilfe die Besucher selbst Teil von Rihannas "Bitch Better Have My Money", Taylor Swifts "Bad Blood", Sias "Elastic Heart" und Silentós "Watch Me" werden konnten. Mitschnitte des Festivals sind ab sofort auf vevo.com zu sehen.

Quelle: n-tv.de

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