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"Sieht mir nach einem autoerotischen Unfall aus ...": Adele Neuhauser als Bibi Fellner und Harald Krassnitzer als Moritz Eisner im Wiener "Tatort".
"Sieht mir nach einem autoerotischen Unfall aus ...": Adele Neuhauser als Bibi Fellner und Harald Krassnitzer als Moritz Eisner im Wiener "Tatort".(Foto: ARD Degeto/ORF/Petro Domenigg)

"Tatort" aus Wien: Völlig schnuppe

Von Ingo Scheel

Sado-Maso-Tote mit Tüte über dem Kopf, Backstage-Gebrabbel bei einer Castingshow, dazu Dialoge aus dem Kriechkeller der TV-Klischees. Und dann reden Fellner und Eisner auch noch über Sex. Kein "Tatort" für den Recall.

Machen wir es kurz: Das war nichts, Wien. Sollen wir es weiter ausführen – oder einfach nur mit ein paar knackigen Sätzen nachweisen?

"I’ schau des auch immer. Des is super".

"Im Porno gibt es immer ein Happy End."

"Sieht mir nach einem autoerotischen Unfall aus ..."

"Dein Sohn gehört dir nicht mehr. Egal, was du tust. Finde dich damit ab."

"Bevor ich mich verbieg, da geh ich kellnern."

"Das ist irgendsoetwas wie ein Statement. Das ist kein Zufall."

"Wissens, was mich erschüttert? Dass da draußen irgendwo ein Mörder frei rumrennt!"

Wissens, was uns erschüttert? So ein "Tatort"!

Seien wir ehrlich: Vor den Kulissen einer Casting-Show geht es schon schlimm genug zu, will man da auch noch sehen, was dahinter passiert? Wer die Frage mit "ja" beantwortet, dem servierte der Wiener "Tatort" mit dem Titel "Sternschnuppe" am Sonntagabend ein mit verbundenen Augen abgeschmecktes Phrasen-Haschée, einen dialoglastigen Tinnitus aus Allgemeinplatz-Bingo und Letramix. Die Story in kurz: Udo ist dauergeil, mag ein bisschen Haue gern und ist der Ober-Folterknecht in der Castingshow "Sing Your Song". Zu Hause spielt er gern "Swing Your Dong" und dabei kommt er, nackert, angeleint und mit Tütchen überm Kopf, ums Leben.

Seine Frau fabuliert zwischen zwei Lungenzügen etwas von "offener Beziehung" und "Liebe", eine Ex-Sangessklavin hält die Schnitzereien an ihren Handgelenken hoch und resümiert sendungsgerecht in 30 Sekunden ihren Suizid-Alptraum. Der Aris wollte doch eigentlich die Show gewinnen, seine Mama lässt beim Onkelz-Rock des verstorbenen Mannes ein wenig Dampf ab und der Eisner und die Bibi? Müssen immer wieder aus dem Auto aussteigen. Fragen stellen. Die ewig gleichen Antworten mit der ewig gleichen Mimik – in die Augen schauen, leichter Schmunzler, nach unten gucken, nach rechts gucken, nächste Frage – aushalten. Und dann wieder einsteigen. Anschnallen. Fahren. Aussteigen. Fragen ... und so weiter und so weiter.

Klischeedurchsetzter Schwank

Und dann – weil es halt so passt und weil die Geilheit der anderen ja irgendwie auch in die eigenen Hormone fährt - unterhalten sich die beiden auch noch in jeder freien Minute über ihr mehr oder weniger existentes Sexualleben. Mittagspause. Wirtshaus. Schnitzel. Dazu eine Maß. Und a bisserl Dirty Talk. Bibi und Moritz in "Jetzt wird geschnackselt 3". Fast so schlimm wie Eltern beim Poppen erwischen. Oder wie ein Termin beim Sexualpädagogen. Der heißt Peter Paul dos Santos oder so ähnlich und empfiehlt, sie ahnen es schon, a bisserl Rein-Raus. Und die Nummer mit der Tüte überm Kopf beim Onanieren, bittschön nur, wenn jemand dabei ist zum Aufpassen.

Man wünscht sich fast ein wenig Sauerstoffarmut im vorderen Hirnlappen, um zumindest ein paar dieser Gesprächsfetzen zu verpassen. "Sternschnuppe" verkauft sich als authentischer Behind-the-Scenes-"Tatort" zwischen Screwball und Medienschelte , schafft es aber nur zum klischeedurchsetzten Schwank aus Klischees und Bildungsbürger-Zoten. Aber wie lautete einer der wenigen gelungenen Zeilen doch gleich: "Sie haben eine Fernbedienung. Sie können die Kiste jederzeit abschalten". Na dann.

Quelle: n-tv.de

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