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So rauchen...
So rauchen...(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)
Dienstag, 29. Mai 2012

Ach, Romy!: Warum Frau Schneider fehlt

von Sabine Oelmann

Sie war so schön, so talentiert, so begehrt, und doch gehört sie zu den tragischsten Helden der Deutschen: Romy Schneider. Ihr Vorname reicht, und schon schießen einem Bilder von Sissi in den Kopf, von flirrend heißen Nachmittagen am Swimmingpool, von Alain Delon und einer unermesslichen Schwermut. Vor 30 Jahren starb die Unvergleichliche.

Wenn meine Freundinnen mich fragen, wer meine Lieblingsschauspielerin ist, dann sage ich: "Romy Schneider." Dann sagen sie: "Ja, aber eine, die lebt." Dann sage ich: "Fällt mir nix zu ein." "Dann werde ich mit diesem bedauernden Blick bedacht, so, als ob ich ewig gestrig wäre, aber das ist mir egal, denn es ist wie es ist. Für mich lebt sie auch noch, irgendwie. Und ich kann ja auch nichts dafür, dass nach ihr kaum mehr etwas Erwähnenswertes passiert ist. Fast schmerzt es, in einem Text über Romy Schneider Namen wie Veronika Ferres oder Christine Neubauer zu nennen, auch wenn man die nun definitiv ausschließen kann aus dem Kreis derjenigen, die auch nur in die Nähe von "La Schneider" rücken könnten. Ja, klar, da gibt es die just ausgezeichnete Sophie Rois, oder auch solche wie die tolle Nina Hoss, die wandelbare Martina Gedeck oder die lässige Jessica Schwarz, die eine passable Romy im Film abgegeben hat, aber was soll ich machen? Ich steh' auf Romy.

... so lieben ...
... so lieben ...(Foto: AP)

Wenn ich bei der Kosmetikern liege, ausgeliefert, im grellen Licht ihrer unbarmherzigen Lampe, wenn Augenbrauen gerupft werden und Stirnfalten gebügelt, und die Frau hinter der Lampe dann sagt: "Sie erinnern mich an eine Schauspielerin. Mir fällt der Name gerade nicht ein", und ich dann vorsichtig frage: "Lebt sie noch oder ist sie tot?", und wenn die erbarmungslose Dame dann sagt: "Nee, die ist schon lange unter der Erde", dann kann ich mich entscheiden und mir Gedanken machen über meinen äußerlichen Zustand, oder das unterschwellige Kompliment, das wohl auch so gemeint war, annehmen, wenn sie noch hinzufügt: "Die hat die Sissi gespielt, aber Sie erinnern mich erst später an sie!" Ja, dann war das ein guter Tag, denn wenn ich sein möchte, wie eine Schauspielerin, dann wie Romy Schneider.

So elegant, so kapriziös, so verrucht, so umweht vom Mantel der Geschichte. Keine hat so lasziv geraucht wie sie, keine hat so einen hübschen Haaransatz und so einen entzückenden Slang. Von all dem bin ich natürlich weit entfernt, aber hach, die Romy ...

Ich hatte sogar überlegt, meine erste Tochter so zu nennen, aber das klang blöd mit dem Nachnamen. Seit ungefähr zwanzig Jahren bin ich auf der Suche nach einem Kleid, das einem Kleid ähnelt, das sie in "Der Kommissar und das Mädchen" getragen hat. Auch der Hang zu hübschen, verwöhnten, unzuverlässigen Männern ist mir nicht fremd - Katastrophe!

... so sein - wie Romy.
... so sein - wie Romy.(Foto: dpa)

Ich habe ihre Augen in jedes Schulheft gekritzelt, ich würde ohne zu Zögern ein Riesenplakat in meiner Wohnung aufhängen, wenn meine Umwelt mich dann nicht einweisen lassen würde, ich würde rauchen wie ein Schlot, wenn mir nach der dritten Zigarette bloß nicht immer schon übel werden würde, ich würde in meinem nächsten Leben Schauspielerin werden, wenn ich doch bloß Talent hätte. Allerdings wäre ich jetzt bereits tot, denn Romy Schneider starb mit 43. Auch sind mir meine Kinder so lebendig und gesund das Wichtigste auf der Welt, und ich würde an gebrochenen Herzen sterben, auf der Stelle, sollte ihnen etwas zustoßen wie es tragischerweise bei Romys Sohn der Fall war.

Sie gehört in die Reihe derer, die zu früh gestorben sind, wird komischerweise aber nie in einem Atemzug mit Marilyn Monroe, Elvis oder James Dean genannt. Es wäre interessant, ob sie eine gewesen wäre, die mit dem Altern würdevoll umginge, oder ob auch sie Botox und Hyaluron auf dem Einkaufzettel gehabt hätte. Sie wäre auf jeden Fall eine Großmutter, die unendlich viele Geschichten - aus dem Wienerwald, aus Frankreich und von der Liebe - hätte erzählen können. Es ist so schade. Sie war voller Gegensätze, und mit ihrer Bandbreite von der süßen Sissi bis zur Femme Fatale hypnotisiert sie die Menschen noch heute. Vor 30 Jahren starb Romy Schneider. Es heißt, dass ihr Herz versagt hätte. So kann man es wohl auch nennen, wenn man am Leben und sich selbst scheitert.

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Quelle: n-tv.de

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