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Der Täter und sein Opfer: Stephan Waldner (Fabian Hindrichs) trägt einen toten Wolf durch den Ort.
Der Täter und sein Opfer: Stephan Waldner (Fabian Hindrichs) trägt einen toten Wolf durch den Ort.(Foto: rbb / Oliver Feist)
Sonntag, 15. Dezember 2013

Eine pelzige Leiche: Was für ein seltsamer "Polizeiruf"

Von Anita Schneider

Seit Jahrtausenden haben Wölfe etwas Geheimnisvolles. Die einen fürchten sich, die anderen sind fasziniert. Wieder andere entdecken ihr Potenzial für Filmrollen. Doch was kommt dabei raus, wenn man einen Krimi mit einem Dokumentarfilm mischt?

Der Vollmond zieht sich durch den "Polizeiruf 110 Wolfsland" wie ein roter Faden. Immer wieder taucht er auf, gepaart mit lautem Wolfsgeheule. Ein bisschen Klischee verträgt auch ein "Polizeiruf". Da spielt es keine Rolle, dass Wölfen der Vollmond eigentlich ziemlich schnuppe ist und sie auch bei Neumond heulen. Der Filmstimmung tut es gut. Sofort wirken die normalen Wohnsiedlungen mystisch und, ja, irgendwie bedrohlich.

Vierbeiner als Hauptdarsteller - das gibt es im Krimi auch nicht alle Tage.
Vierbeiner als Hauptdarsteller - das gibt es im Krimi auch nicht alle Tage.

Gedreht wurde der Krimi in Klandorf, einem kleinen Ort nördlich von Berlin. Dort gibt es tatsächlich Wölfe. Die meisten von ihnen sind über die polnische Grenze eingewandert. So auch im "Polizeiruf 110". Der Wolfsnarr Stephan Waldner (Fabian Hinrichs) folgt ihnen auf Schritt und Tritt. Er lebt in einem heruntergekommenen Wohnwagen im Feld, nahe am Waldrand. Er ist ein Außenseiter im Dorf, denn der Großteil der Einwohner würde die Wölfe am liebsten vertreiben oder gar erschießen. Ein Konflikt, der sich zuspitzt: In der Nacht fällt ein Schuss, ein Wolf wird getötet. Waldner ruft die Polizei und meldet eine Leiche. Die Beamten sind erst einmal perplex, dass es sich dabei um einen Wolf handelt. Doch kurz darauf wird ein Jagdverwalter erschlagen und die Kripo-Köpfe beginnen zu rauchen.

Sympathien auf der falschen Seite

Wer der Mörder ist, bleibt bis zuletzt unklar. Den Filmemachern gelingt es tatsächlich, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Dafür bekommt der Krimi großen Applaus. Das Spiel mit der falschen Spur gelingt auch deswegen so gut, weil der Täter Stephan Waldner ist, ausgerechnet die Person, die während des Films bei vielen Zuschauern doch einige Sympathiepunkte sammeln kann. Auch wenn der Wolfsnarr mit Sicherheit ein kleines bisschen komisch ist, so ist es doch faszinierend, seine Leidenschaft für die Tiere zu beobachten. Die Brutalität, die sein Charakter am Ende offenbart, zeigt eine überraschende Wendung im Film.

Brillant: Maria Simon als Kommissarin Olga Lenski.
Brillant: Maria Simon als Kommissarin Olga Lenski.

Beim "Polizeiruf" waren dieses Mal gute Cutter am Werk. Sie haben es geschafft, Wolfsaufnahmen, die eigentlich aus einem Dokumentarfilm stammen, in den Krimi einzubauen. Dass hier ein Filmtrick die scheinbare Nähe zwischen Mensch und Tier herstellt, ist optisch sensationell gut kaschiert.

Pluspunkte erhält der "Polizeiruf" auch für die großartige Schauspielleistung von Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon). Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer ruhigen Art schafft sie es, erstaunlich viel Kompetenz aufzubauen und Rollenklischees knallhart zu brechen. Sie ist die Chefin im Büro, die abends gerne mal die abgewetzten Schuhe auf den Tisch legt und sich vom Polizeikollegen ein Bierchen bringen lässt, das sie natürlich aus der Flasche trinkt.

Auch ihren Kollegen Horst Krause (Horst Krause) hat Lenski gut im Griff. Das Vertrauen untereinander wächst und die Themen driften auch schon einmal weg vom Beruflichen zum Privaten.

Endspurt ohne Anlauf

Der "Polizeiruf" setzt auf Geschichte. So stellt sich im Laufe des Films heraus, dass die Eltern von Stephan Waldner in der DDR als geplante Flüchtlinge denunziert wurden. Da liegen auch die Wurzeln der Krimireihe. Schließlich war der "Polizeiruf" einst das Gegenstück der DDR zum westlichen "Tatort".

Besser wäre es allerdings gewesen, "Wolfland" hätte mehr auf Spannung und Action gesetzt. An vielen Stellen flacht der Spannungsbogen doch deutlich ab, so richtig Fahrt kommt erst zum Ende auf. Die vielen Minuten davor lernt der Zuschauer zwar die Charaktere und Verstrickungen kennen, richtig gefesselt wird er davon allerdings nicht. Man möchte mit den Wölfen heulen.

Quelle: n-tv.de

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