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In der Serie "Love" geht es um Gus und Mickey - und um mehr als die Liebe.
In der Serie "Love" geht es um Gus und Mickey - und um mehr als die Liebe.(Foto: Netflix/Suzanne Hanover)

"Love" is a battlefield: Wenn Sucht die Gefühle abtötet

Von Anna Meinecke

Liebe ist unlogisch, völlig irrational und manchmal schlicht und ergreifend dumm. Liebe kann man nicht ausrechnen, sie passiert einfach. In der Serie "Love" passiert sie Gus und Mickey.

Gus (Paul Rust) ist ein großnasiger Nerd, Mickey (Gillian Jacobs) ist ein bildschöner Albtraum. Bevor sich die beiden an einer Tankstelle zum ersten Mal sehen, müssen sie zunächst jeweils eine furchtbare Einheit Sex und später ihre Beziehungen hinter sich bringen. Wenn sie sich dann am vorläufigen Tiefpunkt ihrer Existenz begegnen, scheinen sie für den Moment geschaffen füreinander. Manchmal ist das doch so mit Fremden. Wer deine Vergangenheit nicht kennt, blickt anders mit dir in deine Zukunft.

Wahrscheinlich ist es genau das, was Mickey und Gus in der Netflix-Serie "Love" antreibt, sich ineinander zu verlieben. Sie beide lassen den anderen etwas sein, von dem er vorher nicht geträumt hätte. Gus bekommt seinen Rockstar-Moment, Mickey - bei ihr verhält sich die Sache etwas komplizierter.

Überlebensfähig und trotzdem krank

"Love" tarnt sich mit seinen skurril-coolen Protagonisten, die sich mehr umkreisen als finden, als schnöde Romantik-Komödie für hippes Volk. Ein bisschen Entertainment-Kritik ist dabei - die Hauptcharaktere arbeiten auf eine Art beim Radio beziehungsweise beim Fernsehen. Es werden Drogen konsumiert. Tatsächlich jedoch verhandelt die Serie einen Themenkomplex, der weniger verdaulich ist als die Beziehungsprobleme junger Leute in Los Angeles.

Mickey ist nicht einfach ein bisschen verrückt, sie hat ein Suchtproblem. Ganz beiläufig bezeichnet sie sich zu Beginn der Serie als "trocken", es wird einige Folgen dauern, bis ihre Abhängigkeit schmerzhaft ins Zentrum der Handlung rückt. Jedoch hütet sich "Love", Suchtprobleme im Stile der Hochglanzserienformate zu überzeichnen. Mickey ist nicht nur bedürftig, sie hat auch viel zu geben. Sie ist nicht völlig kaputt, sondern erschreckend überlebensfähig - was ihre Krankheit viel undurchschaubarer und damit auch bedrohlicher macht.

Selbstzerstörung per Routine

Erst Stück für Stück wird sich zeigen, dass es nicht nur Mickeys Sucht nach Alkohol und Drogen, sondern auch die nach Zuneigung ist, die sie von der Liebe fernhält. Kritikern wurde die gesamte Staffel "Love" zugänglich gemacht - es braucht genau zehn Folgen, um erahnen zu können, wie rund dieses feine Stück Seriengeschichte sein kann. Eine zweite Staffel ist bereits bestellt.

Die romantischen Verstrickungen all der fabelhaften Charaktere werden Zuschauer ins Format ziehen. Was sie auf Dauer halten wird, ist jedoch nicht der sarkastisch, beschwingte Unterton der Serie. Wo "Love" am düstersten ist, ist "Love" am besten. Gus wird Mickey nicht retten. Das muss sie selbst tun. Die vielleicht wichtigste Botschaft ist die Erkenntnis, dass vermutlich kein erleuchtender Zufall selbstzerstörerische Routinen verpuffen lassen wird. Und da fasst sich der Zuschauer plötzlich an die eigene Nase.

"Love" ist ab dem 19. Februar 2016 abrufbar über Netflix

Quelle: n-tv.de

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