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Die Gefühlspalette ist wahrlich oscarwürdig.
Die Gefühlspalette ist wahrlich oscarwürdig.(Foto: Instagram/Viola Davis)

Sex, Wodka, dunkle Geheimnisse: Wie man mit Mord davonkommt

Von Katja Belousova

Im TV-Hit "How to get away with Murder" pfeift Anwältin Annalise Keating auf Moral und kämpft für jeden Mandanten. Diese komplexe Figur ist eine Bereicherung für die Fernsehlandschaft. Wie die Serie selbst kämpft sie mit Höhen und Tiefen.

Schwarze Darsteller und Darstellerinnen haben es schwer in Hollywood. Die #oscarssowhite-Debatte war da nur die Spitze des Eisbergs. Zum zweiten Mal in Folge waren bei den Academy Awards keine Afroamerikaner unter den nominierten Haupt- und Nebendarstellern. Nicht weil ihre Leistung nicht gut genug ist, sondern weil es schlicht und ergreifend an starken Rollen für sie fehlt.

In der zweiten Staffel holen die toughe Annalise die Geister ihrer Vergangenheit ein.
In der zweiten Staffel holen die toughe Annalise die Geister ihrer Vergangenheit ein.(Foto: Instagram/Viola Davis)

Das Serienfach ist da weiter. Ob Kerry Washington als Olivia Pope in "Scandal" oder Idris Elba als "Luther": Hier haben schwarze Darsteller offenbar eher die Möglichkeit, in ihren Rollen zu glänzen. Eines der aktuellsten Paradebeispiele hierfür ist auch Viola Davis als Annalise Keating im US-Serienhit "How to get away with murder", dessen zweite Staffel in den USA  nun zu Ende gegangen ist.

In der Crime-Serie spielt Davis eine der toughsten und komplexesten Frauen, die die Fernsehlandschaft derzeit zu bieten hat. Annalise Keating ist Top-Strafverteidigerin und nebenbei Dozentin an einer Law School in Philadelphia. Zu Beginn der ersten Staffel stellt sie fünf Studenten ein, die sie bei ihren Fällen unterstützen sollen und dabei das Privileg bekommen, ihr über die Schulter schauen zu dürfen. Schnell merken die Auserwählten Michaela (Aja Naomi King), Connor (Jack Falahee), Laurel (Karla Souza), Wes (Alfred Enoch) und Asher (Matt McGorry), dass Annalise den Begriff des "Rechts" weit auslegt. Ob schuldig oder unschuldig, das interessierte Keating nicht. Hauptsache, sie holt das Maximale für jeden Mandanten heraus.

Hohes Suchtpotenzial

Annalise Keating und ihr Team.
Annalise Keating und ihr Team.(Foto: Instagram/Viola Davis)

Was die erste Staffel so spannend macht, ist die nicht lineare Erzählweise. Noch bevor der Zuschauer überhaupt weiß, worum es in der Serie geht, wird er in einer Rückblende an einen Tatort versetzt. Annalises Studenten haben scheinbar selbst jemanden ermordet. Erst nach und nach entwirrt die Handlung, was passiert ist, und spinnt gleichzeitig neue Rätsel. Eines davon beinhaltet die Ermordung der Studentin Lila Stangard und schwebt die ganze Zeit über der Haupthandlung. Zudem arbeiten Keating und die Studenten fast jede Folge an einem neuen, eigenständigen Fall.

Das bedeutet für den Zuschauer Spannung hoch zwei. Weil die Serie mit vielen Cliffhangern arbeitet, die Handlung zwischen verschiedenen Zeitebenen springt und jeder der Charaktere dunkle Geheimnisse verbirgt, hat "How to get away with murder" hohes Suchtpotenzial. Selbst zum Ende der ersten Staffel bleiben noch viele Fragen offen, obwohl der Zuschauer weiß, wer der Mörder Lilas ist.

Auch die grandiose Viola Davis trägt das ihrige dazu bei, dass die erste Staffel von Kritikern und Zuschauern gleichermaßen gelobt wurde. Ihre Annalise Keating ist auf den ersten Blick eine starke, hochintelligente und eigenständige Frau, die sich von niemandem etwas sagen lässt. Sie betrügt ihren Mann, lügt und trickst, wenn es sein muss, und hat immer eine Flasche Wodka da, um ihre Sorgen wegzutrinken. Gleichzeitig ist die Anwältin in ihrem Leben selbst oft Opfer geworden: Die ist leidgeprüft, sie wurde betrogen, verraten und hintergangen. Alles was sie will, ist ihre Studenten - allen voran Wes - zu beschützen. Verdient gewann Davis für diese Rolle 2015 den Emmy als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie - als erste Afroamerikanerin überhaupt.

Davis brilliert, Story lässt nach

Für die Rolle der Annalise sahnte Viola Davis 2015 den Emmy als beste Drama-Hauptdarstellerin ab.
Für die Rolle der Annalise sahnte Viola Davis 2015 den Emmy als beste Drama-Hauptdarstellerin ab.(Foto: picture alliance / dpa)

Leider lässt "How to get away with murder" in der zweiten Staffel deutlich nach. Für eine solche Serie, die von Überraschungen und ständigen Wendungen lebt, ist es schwer, die Spannung über mehrere Staffeln hinweg aufrechtzuerhalten, ohne Glaubwürdigkeit einzubüßen. Schon in der ersten Staffel blieb die oft auf der Strecke, was aufgrund des hohen Unterhaltungswerts der Serie aber zu verschmerzen war. Anders in der zweiten Staffel, in der quasi dasselbe passiert, wie in der ersten. Nur, dass die fünf Studenten in einen neuen Mord verwickelt werden und Annalise alles daran setzt, sie zu beschützen. Generell ist "Beschützen" bzw. "protect" das gefühlt häufigsten Wort, das in der Serie fällt, und verkommt nach einer Weile unweigerlich ins Lächerliche. Ebenso wie die unzähligen, meist unnötigen Sexszenen, die jeder wichtige Darsteller in beiden Staffeln "absolvieren" muss.

Zum Glück nimmt die zweite Staffel zum Schluss erneut Fahrt auf. Sie gewinnt die Aufmerksamkeit der Zuschauer unter anderem durch den Fokus auf Annalise Handlanger Frank (Charlie Weber) wieder und endet mit einem waschechten Knall. Was die Staffel für Fans der Serie trotz schwächerer Story sehenswert macht, ist aber nach wie vor Annalise Keating, die von den Geistern ihrer Vergangenheit eingeholt wird. In Rückblenden wird in der zweiten Hälfte der Staffel endlich klar, warum sie so sehr an Student Wes hängt.

Die Gefühlspalette, die Davis in beiden Staffeln anbietet, ist oscarwürdig, aber – anders als die Handlung – nie unrealistisch. Sie geht in der Rolle der Annalise Keating auf, scheut sich nicht, ungeschminkt mit aufgedunsenem Gesicht das ganze Bild zu füllen, um danach schön, stark, perfekt gekleidet und mit unechten XXL-Wimpern die renitente Anwältin zu geben. Diese Frau ist eine Bereicherung für die Fernsehlandschaft. Davon könnte sich Hollywood ruhig mal eine Scheibe abschneiden.

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Quelle: n-tv.de

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