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Die Mitglieder der Jury: Inge Szoltysik-Sparrer, Bundesvorsitzende des Maßschneiderhandwerks (l.), Modedesigner und Gastgeber Guido Maria Kretschmer (M) sowie Modedesignerin Anke Müller (r).
Die Mitglieder der Jury: Inge Szoltysik-Sparrer, Bundesvorsitzende des Maßschneiderhandwerks (l.), Modedesigner und Gastgeber Guido Maria Kretschmer (M) sowie Modedesignerin Anke Müller (r).(Foto: picture alliance / dpa)

Vox-Show "Geschickt eingefädelt": "Zieh' das bitte niemals an!"

Von Sabine Oelmann

Wenn im deutschen Fernsehen mehrere Kandidaten das tapfere Schneiderlein geben, dann kann ein Mann nicht weit sein: Richtig, Guido Maria lässt sticheln und stichelt selbst, umarmt, drückt, greift unter die Arme, und am Ende soll eine Art Karl Lagerfeld dabei herauskommen. Steile These …

Guido Maria Kretschmer, der deutschen Dame Lieblingsdesigner und auch sonst von allen irgendwie gemocht, fortan der Einfachheit halber GMK genannt, knuddelt sich wieder durchs deutsche Fernsehen. Seine neue Sendung auf Vox heißt "Geschickt eingefädelt", lädt zu allerlei Wortspielen ein, die wir schon aus der "Kentucky schreit Ficken"-Ära kennen, und bietet eine Menge Infos rund um Kreuzstich, zwei links, zwei rechts, eine fallen lassen und Lockstickerei an. Nur – brauchen wir das?

Irgendwie schon - und wenn nur als Inspiration und steter Quell "geschickt eingefädelter" Überschriften: Man weiß gar nicht, welche man zuerst nehmen soll. Doch dazu später. Zuerst die Frage: Was soll passieren, wenn man mit Schere, Nadelkissen und Kreide bewaffnet ist? Essen herstellen und selbiges zelebrieren ist bisher der Sex aller gelangweilten und doch erlebnishungrigen TV-Konsumenten - jetzt soll es also noch eitler werden als in Koch-Shows. Kleidung ist seit Langem Ausdruck eines Lebensgefühls, von Individualität - doch das Nähen an sich ist ja fast aus der Not geboren, weil man früher einfach nähen musste, um etwas anzuhaben. Heute näht, wer sich von Zara, Mango und Uniqlo absetzen will, wer der Uniformität der Masse entkommen will. Nähen ist nun nicht einfach nur nähen, sondern fast schon Ausdrucksform von Narzissmus. Nähen mag auch eine Art Therapie sein, und wie eine Kandidatin in der Auftakt-Sendung feststellt: "Wenn der Guido mein Produkt kritisiert, dann fühl' ich mich irgendwie angegriffen, dabei meint er doch gar nicht mich persönlich." Denkt sie - denn wie wir bereits aus früheren Sendungen mit GMK wissen, wo er "Deutschlands schönste Frau" gesucht hat, ist Guido mit der Zunge mindestens so spitz wie eine Zackenschere und so feinfühlig wie ein Nadelkissen: irgendwie weich, aber auch mit vielen Dornen, Verzeihung, Abstecknadeln.

Llambi mit Lippenstift

Der Kopf hinter der neuen VOX-Sendung "Geschickt eingefädelt": Guido Maria Kretschmer.
Der Kopf hinter der neuen VOX-Sendung "Geschickt eingefädelt": Guido Maria Kretschmer.(Foto: picture alliance / dpa)

Laut Stimme aus dem Off geht es in der Sendung um Präzision und Leidenschaft - das klingt ein bisschen nach Formel 1, spielt sich aber im Bereich "Bleistiftrock bis Bustier" ab. Den Kandidaten werden eine Technik- und eine Kreativaufgabe gestellt. Doch zunächst zur Jury: Da hätten wir GMK, der näht, seit er neun ist. GMK ist der Kopf und das Gesicht der Sendung. Außerdem lernen wir die Mode- und Stoffdesignerin Anke Müller kennen, sie ist der Bauch, wahlweise das Herz der Sendung. Und wir haben Inge Szoltysik-Sparrer. Sie ist der Joachim Llambi der Sendung und Herrscherin über alle Nähmaschinen, Zick-Zack-Borten und die Kandidaten. Ihr Urteil ist messerscharf und sicherlich fachlich kompetent, ihre Schmalllippigkeit jedoch könnte der Todesstoß für den Bastelspaß auf Vox sein, denn leider fehlt ihr der Llambi'sche Witz, den wir aus "Let's dance" kennen und lieben.

Der Gewinn für einen der Kandidaten hingegen ist kein Witz und kann sich sehen lassen: ein Stipendium an der École de la Chambre Syndicale in Paris, wo auch schon Yves Saint Laurent und Karl Lagerfeld gestichelt haben. Die Show dauert sechs Wochen, jedes Mal fliegt also mindestens ein tapferes Schneiderlein raus. Dieses Mal war es das Manga-Mädchen Katja: Die Diplom-Biologin aus Essen, 31 Jahre jung, mit crazy Lippenpiercing, wollte einfach gleich zu extravagant sein. Mit 19 hat sie angefangen zu nähen und besitzt nach eigener Aussage gar keine Jeans oder ein schnödes T-Shirt. Tja, schade, aber dabeisein ist alles und wenn sie auf GMK gehört hätte, dann wäre der gelbe Stoffballen im Regal geblieben.

Das Armloch ist zu groß

Wen haben wir noch: Florian aus Brandenburg, 24, er näht nur Vintage und ist das Küken der Sendung: "Bei mir jeht dit anders, muss ick mich 'n bisschen rinfuchsen", sagt der Selfmade-Jüngling. Seine Schneidepuppe heißt Simone, sie liebt Petticoats. Tobias, 31, näht am liebsten Taschen, deswegen sind Reißverschlüsse für ihn das geringste Problem. Ella, 27, ist Mutter einer Tochter. Ines, 49, arbeitet als Fremdsprachenassistentin, ist die Älteste der Gruppe, ehemalige Leistungssportlerin und zweifache Großmutter. Und sie modelt. Celina ist 26, näht tatsächlich erst seit zwei Jahren und - Achtung, Spoiler - ist die Streberin der Sendung. Sie ist BWL-Studentin und liebt Tellerröcke. Maike, 47, ist Buchautorin und beantwortet die Frage: "Warum nähen?" mit der selbst erklärenden Devise: "Es gibt nicht für alle Größen was Schickes zum Anziehen." Frank, 41, Unternehmensberater, steht auf Flanell, greift gern zu kariert und wirkt nur so ruhig - sein Hauptproblem ist die Transpiration. Er näht gern von hinten nach vorne und ist gebürtiger Südafrikaner. Und der Tobias, der ist Minimalist und hat bereits in Paris gelebt.

Und weil wir es versprochen haben, hier nun die Sendung in Überschriften oder auch Kernsätzen zusammengefasst:

Tüfteln und sticheln, bis der Arzt kommt - oder Guido.

Buckel kommt auch mal wieder in Mode.

Das ist bei Frauen manchmal so, sie haben zwei verschieden große Brüste.

Da musst du Watte reinstopfen.

Mädchen schummeln doch ständig.

Das sieht extrem schlecht aus.

Blindstich, da muss einer wie der andere sein.

Nähen heißt Vertrauen.

Ines lässt Blumen sprechen.

Jersey verzeiht nichts!

Dieser Rock darf was erleben.

Auch wenn der Reißverschluss nicht sitzt - dieser Reißverschluss geht auf jeden Fall auf.

Auch Satin verzeiht nichts.

Ich sehe wie die Nadel da durchgehämmert ist.

Ein Bleistiftrock aus Flanell?

Der Frank ist ja mein Favorit.

Der Florian ist ja mein Favorit.

Der Tobias ist ja mein Favorit.

Der Frank ist ein Textilterrorist.

Celina ist 'ne Streberin, macht den Reptilienrock perfekt und ist glücklich und müde.

Die strenge Inge schätzt Selbstüberschätzung gar nicht.

Aus alt mach neu.

Ich wünsch' der bunten Katja mal was Einfarbiges.

Oh nein, nicht das Gelb!

Schnitttechnisch hast du Gas gegeben.

Schwedisch ist süß.

Der Abnäher ist perfekt für den Busen.

Eine Frau, die das anhat, will was erleben.

Die dicke gelbe Kreidelinie ist sichtbar.

Das sieht aus wie 'ne Zwangsjacke.

Das ist ein Einwegteil, aber sehr kreativ.

Das ist mal nah am Original.

Celinas Teil ist so spießig, gut gemacht, aber Pailletten allein machen nicht unbedingt sexy.

Ich geb's dir schnell zurück, bitte zieh' es nie an!!

Inge trägt maximal drei Nadelkissen.

Das würde ich nicht mal zum Fasching anziehen.

"Geschickt eingefädelt" läuft immer dienstags um 20.15 Uhr auf Vox.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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