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Gayle Tufts - die "American Woman" hat sich in Deutschland einbürgern lassen.
Gayle Tufts - die "American Woman" hat sich in Deutschland einbürgern lassen.(Foto: dpa)
Sonntag, 10. September 2017

Heimat lost, Zuhause found: "American Woman" Gayle Tufts wird deutsch

Von Andrea Beu

Gayle Tufts ist bekannt für ihre Stand-up-Comedy und ihr Denglisch. Die fröhliche Plaudertasche ist aber auch News-Junkie - und seit Kurzem Deutsche. Wie es dazu kam, über ihr Trump-Trauma und deutsches Klatschen schreibt sie in ihrem kurzweiligen Buch.

In den letzten Monaten haben nicht wenige Menschen die USA verlassen - aus Angst vor US-Präsident Donald Trump oder weil sie seine Politik zutiefst ablehnen. Viele Prominente hatten auch angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs von Trump auszuwandern (sind aber meist doch geblieben). Gayle Tufts hat schon vor etwa 25 Jahren ihr Heimatland verlassen, Trump ist also nicht der Grund - aber einer der Gründe, ihr Buch "American Woman - How I lost my Heimat und found my Zuhause" zu schreiben.

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Denn mit dem Präsidentschaftswahlkampf und der erfolgreichen Kandidatur Trumps erwachte ihr politisches Ich wieder. Nicht zuletzt neu belebt durch die Anfrage von n-tv, mit einer eigenen Videokolumne die Wahlkampfzeit zu begleiten. Zwar äußerst überrascht davon, nahm Tufts dann doch an, denn sie sah darin "die Möglichkeit, to be serious in the Heimat of Seriousness, to zeige a little amerikanische Pfiffigkeit, to take Unterhaltung out of the darkness in das Licht!" Sie folgte "nur noch einer Mission: make the German News-people love me!", schreibt sie.

Dieses Zitat zeigt: Auch das Buch ist in Denglisch, Tufts ganz eigenem Deutsch-Englisch-Mix, verfasst, mit dem sie auch ihre One-Woman-Show bestreitet. Allerdings herrscht im Buch doch das Deutsche sehr vor und der Ton ist in weiten Teilen durchaus ernsthaft und nicht immer von der ihr eigenen, etwas überdrehten Spaßmacher-Fröhlichkeit.

"Let's get deutsch!"

"American Woman" ist bei Aufbau Taschenbuch erschienen und kostet 12,99 Euro.
"American Woman" ist bei Aufbau Taschenbuch erschienen und kostet 12,99 Euro.(Foto: Aufbau Verlag)

In den 14 Kapiteln des Buches schlägt sie einen Bogen vom Wahlkampf in den USA, den sie in Deutschland verfolgte, über den folgenden Trump-Schock bis zu ihrer Einbürgerung in ihrer neuen Heimat: "Let's get deutsch!" Dazwischen geht sie zurück in die USA, legt dar, was sie an ihrem Geburtsland so liebt (Freundlichkeit, Optimismus, Gelassenheit, die Freiheitsstatue ...) und auch, was nicht so. Tufts, aufgewachsen in Brockton, Massachusetts, als Kind der zweiten Generation europäischer Einwanderer, hat einen liebevoll-kritischen Blick auf die USA - durch ihre mittlerweile mehr als 25 Jahre in Berlin von außen und innen gleichzeitig.

Mit Deutschland ist es ähnlich. Dem Kapitel "Fünfzehn things I love about Amerika" ist "Fünfzehn Dinge I love about Germany" gegenübergestellt, in dem sie die Vorzüge des "Landes der Dichter und Denker" aus ihrer Sicht preist. Als da etwa wären: Luft schnappen, nachdenken, die Insel Rügen, Stiftung Warentest und Kartoffeln, neben vielem anderen. Zudem beschreibt Tufts ihre "Nacht mit Florian Silbereisen" in einer großen Samstagabendshow, veranstaltet in einer Mehrzweckhalle in Suhl: eine "dreieinhalbstündige Livemusik-Sendung mit Orchester, Kinderchor und einem Lederhosen tragenden, Akkordeon spielenden Showmaster ..., der zusammen mit mir 'Frosty, der Schneemann' singt, während uns vier kräftige Bühnentechniker in einem Schlitten über die Bühne ziehen. So etwas gibt es in meiner Heimat nicht."

Schlimmes falsches Klatschen

Sie, die Entertainerin, die als ihre Vorbilder Bette Midler, Barbra Streisand und Liza Minelli nennt und eine große Leidenschaft für große Unterhaltungsshows hegt, vergleicht nicht nur die Art der Shows und der Musik miteinander, sondern auch das deutsche mit dem US-Publikum und ihr unterschiedliches Klatschverhalten (die Deutschen klatschen "entweder mit marschmusikalischer Exaktheit auf der 1, 2, 3 und 4 oder - ganz schlimm - auf der 1 und der 3." Das klingt für Amerikaner total falsch, sie "klatschen von Natur aus auf den funky Offbeat, die 2 und die 4"). All das geschieht jedoch ohne Häme, sondern eher liebevoll-belustigt. Auch wenn sie bei der Gelegenheit das Wort "fremdschämen" preist, das es im Englischen nicht gibt und was aber perfekt ausdrücke, was sie empfunden habe beim Ansehen der TV-Show "Das große Fest der Besten".

Überhaupt, die deutsche Sprache. Tufts hat ja mit ihrem Deutsch-Englisch-Mix Denglisch ganz eigene Schöpfungen hervorgebracht, in einem eigenen Kapitel ("Germanys next Top-Worte") amüsiert sie sich jedoch sehr über die englischen Wörter und Wendungen im deutschen Sprachgebrauch, die kein Muttersprachler so benutzen würde: die sogenannten Schein-Anglizismen wie etwa Handy, Public Viewing, Talkmaster oder Beamer. In "Aufgepasst, Konrad Duden!" schlägt Tufts dann gleich noch ein paar neue "holy-shit-Fremdwörter" vor, bevor sie im letzten Kapitel beschreibt, wie sie "deutsch wird". Und vor allem, warum. Das liegt bei Weitem nicht nur am "Trump Bump", sondern an allem, was sie an Deutschland zu schätzen gelernt hat.

Wer Gayle Tufts auf der Bühne mag (oder im Fernsehen), wird auch das Buch gern lesen und vielleicht ganz nebenbei noch Deutschland mit anderen Augen sehen. Wer jedoch ihr unbekümmertes Denglisch nicht mag, wen ihr Ton nervt, dem wird sie auch nach der Lektüre keine Freundin.

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Quelle: n-tv.de

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