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"A Curious Thing": Amy Macdonalds neues Album

Gitarren-Pop wie im Glasgower Pub mit reichlich Rock und Country haben Amy Macdonald zum Durchbruch verholfen. Mit ihrem ersten Album "This Is The Life" hat die schottische Sängerin mehr deutsche Fans als in ihrer Heimat erobert.

Gitarren-Pop wie im Glasgower Pub mit reichlich Rock und Country haben Amy Macdonald zum Durchbruch verholfen. Mit ihrem ersten Album "This Is The Life" hat die schottische Sängerin mehr deutsche Fans als in ihrer Heimat erobert; fast 900.000 Mal verkaufte es sich in Deutschland.

Ihre deutschen Fans lieben sie!
Ihre deutschen Fans lieben sie!

Dafür sahnte sie 2009 den Echo-Musikpreis als beste internationale Newcomerin ab. Jetzt legt die 22-Jährige nach. Anfang März erscheint ihr zweites Album "A Curious Thing", das sie am 11. Februar erstmals in Berlin live auf der Bühne vorstellt. Ihre Single "Don't Tell Me That It's Over" läuft seit Montag im Radio rauf und runter.

In der umgebauten Scheune der Black Barn Studios im englischen Ripley entstand ihr Album, dorthin lud sie auch zum Interview: Goldene Schallplatten hängen an der Wand, eine betagte Jukebox ist mit Beatles-Songs bestückt, nasskalter Wind pfeift durch die Türen. Die Scheune gehört Erfolgsproduzent Paul Weller ("The Jam", "The Style Council"), den schon die Britpop-Bands Blur und Oasis als Wegbereiter bezeichneten. Eine schüchterne Macdonald erzählt über ihren trotzigen Weg. "Es war einfach sehr aufregend. Das hab ich nie erwartet", erzählt die junge Schottin. "Als mein erstes Album in Großbritannien auf den Markt kam, lief es ganz gut, aber nicht in anderen Ländern. Das hat eine Weile gedauert, bis dort etwas passierte. Ich fühlte mich echt geehrt, nach all dem Trubel noch ein neues Album zu machen und es zu veröffentlichen."

Was hat sie ihren Freunden über ihr Leben zu erzählen, wenn sie von einer Tour zurück kommt? "Das ist ehrlich gesagt eine ganze Weile her, dass ich sie das letzte Mal gesehen habe. Die wissen wahrscheinlich nicht mal, wo ich gerade bin. Im Sommer waren einige mit auf Partys. Meine zwei besten Freunde sind an der Uni, sie können nicht einfach alles liegenlassen und leider nur ein paar Mal im Jahr mit mir losziehen."

Ihr Leben hat sich ganz schön verändert.
Ihr Leben hat sich ganz schön verändert.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Und was sagt ihre Familie über den ganzen Erfolg? "Sie ist so stolz auf mich, aber das wären sie auch, wenn ich einen Bürojob hätte und glücklich wäre. Sie haben mich nie unter Druck gesetzt oder mir ein schlechtes Gewissen gemacht."

Wann war Amy MacDonald klar, dass sich ihr Berufsleben nicht im Büro, sondern auf der Bühne und im Musikstudio abspielt? "Als ich meinen Plattenvertrag unterschrieben habe. Ich bin durchorganisiert. Auf so etwas wie die Musikindustrie, wo Zufall und Glück eine enorm große Rolle spielen, lasse ich mich nicht ohne einen Plan B ein. Ich wollte eigentlich an die Uni, aber kurz vor dem Beginn des Studiums wurde mir ein Plattenvertrag angeboten und den konnte ich nicht ablehnen. Selbst wenn es schiefgeht: ich bin noch so jung, es ist so einfach zurück zur Uni zu gehen."

Wie war die Arbeit am zweiten Album? "Ich habe eigentlich nie daran gedacht, an einem zweiten Album zu arbeiten. Ein paar der "neuen" Songs sind ein paar Jahre alt. An anderen Liedern hatte ich angefangen zu schreiben, wurde aber nicht fertig. Da hatte ich mich jetzt ran gesetzt. Und dann gibt es ein paar Lieder, die ich in letzter Zeit geschrieben habe. Ich stand überhaupt nicht unter Druck. Er kam nur von mir selbst." Und gab keinen Druck von der Plattenfirma? "Pete, mein Produzent, bat mich mal, ins Studio zu kommen und ein paar Demolieder aufzunehmen. Dann scherzte er: "Das sind zehn Songs, das ist ein Album, wir sind fertig." Amy MacDonald ist nachdenklich: "Ich hatte gar nicht das Gefühl, dass es überhaupt losging. Vor zwei Monaten schrieb ich drei weitere Lieder, die ich mag. Zwei davon werden eine Single. Dabei haben wir das erst vor sechs Wochen aufgenommen. Und dann hatten wir das Luxus-Problem, wieder Lieder vom Album zu nehmen."

War es nicht einfach wieder an der Zeit für ein neues Album? "Nein, ich hatte nicht mal richtig Zeit zum Entspannen seit dem ersten Album. Die Aufnahmen dafür begannen im Sommer 2006. Meinen letzten Auftritt hatte ich gerade erst im September. Die paar Monate danach habe ich hier meinen Gesang aufgenommen."

In Deutschland hat sie wohl die meisten Fans.
In Deutschland hat sie wohl die meisten Fans.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Woher nehmen Sie dann die ganze Energie?

Macdonald: "Keine Ahnung, ich muss Riesenbatterien haben. Ich verbringe viel Zeit zu Hause. Das ist das Gute am Internet und E- Mail: Ich kann meinen Gesang in meinem Schlafzimmer aufnehmen und es Pete schicken, muss noch nicht mal im Studio sein."

Wie? Sie sitzen im Bett und nehmen Ihren Gesang auf?

Macdonald: "Ja, bei einem Lied war die Gesangsaufnahme auf Petes Computer futsch und er brauchte sie sofort. Also schickte er mir den Musikmix, ich habe mir meine Kopfhörer aufgesetzt und losgelegt. Das hat ein wenig gedauert, weil unser Hund nicht aufhören wollte, zu bellen. Nachdem ich mehrfach anfing, schnauzte ich: "Halt's Maul!"."

Und den Hund konnte man nicht einfach in das Lied einbauen?

Macdonald: (lacht) "Nein, da hätte das leider nicht gepasst."

Welche Musikrichtung hat das Album eingeschlagen?

Macdonald: "Das habe ich noch nie öffentlich definiert und mich auch immer gefragt, warum Musiker das machen. Ich habe nie versucht, eine bestimmte Richtung einzuschlagen oder irgendein Lied nachzuahmen. "A Curious Thing" ist ein Fortschritt zum ersten Album. Darauf sind Songs, die ich als 14-Jährige geschrieben habe. Offensichtlich bin ich erwachsen geworden und habe viele neue Eindrücke gesammelt."

Die vorab veröffentlichte Single heißt "Don't Tell Me That It's Over". Was ist vorbei?

Macdonald: "Jeder Journalist vor Ihnen dachte, es ist ein Lied über das Ende einer Liebesbeziehung. Einer fragte sogar, ob es das Ende meiner Musikkarriere ist, aber es ist genau das Gegenteil: An der Uni hatte jemand eine Rede gehalten - völlig deplaziert. Jeder hatte einen schönen Abend und der Redner schrie, was für ein schrecklicher Ort die Erde ist. In dem Lied geht es um Klimawandel: Erzähl mir nicht, dass es das war mit der Welt, denn Leute können es ändern, aber zu ihren Bedingungen. Klimawandel und Unruhen in Afrika machen mich betroffen, aber ich will etwas machen, weil ich es will."

Standhaftigkeit ist also eine Ihrer Stärken...

Macdonald: "Ganz genau. Ich hasse es, wenn Leute Untergangsszenarien malen. Leute können sehr viel in ihrer Hand haben, wenn sie daran glauben. Je häufiger mir jemand erzählt, was ich machen soll, desto weniger Bock habe ich darauf. Das ist dieses klassische Eltern-Kind- Schema: Wenn meine Eltern mir sagen, ich soll mein Zimmer aufräumen, dann mache ich es, weil ich es will, nicht weil meine Mutter es mir vorschreibt."

Was sind Ihre Schwächen, außer dass Sie Ihr Zimmer nicht aufräumen?

Macdonald: (lacht) "Ich putze selten, wasche kaum ab und stapel das Geschirr. Und ich schlafe lange. Aufwachen ist echt schwer."

Wie lange schlafen Sie?

Macdonald: "Zehn Stunden problemlos. Im Tourbus verliere ich das Zeitgefühl, er ist wie eine Zeitmaschine. Da schlaf ich schon mal 14 Stunden. Wenn man da beim Aufwachen auf die Uhr guckt und es ist zwei Uhr nachmittags, dann fühlt man sich gleich müde, weil man mit dem Tag nichts macht. Zwei Stunden später beginnt schon der Soundcheck."

Worum geht es in den anderen Songs?

Macdonald: "Daran erinnere ich mich gar nicht so recht, weil ich sie in letzter Zeit nicht so häufig gesungen habe und damit vertraut bin. Beim Texten folge ich immer dem gleichen Weg. Ich schreibe über einfache Dinge, die mir oder einem Freund passieren."

Es ist gerade ziemlich en vogue, mit internationalen Musikpromis ein Lied aufzunehmen. Wollen Sie das auch tun?

Macdonald: "Nicht wirklich. Solche Musiker suchen in einem Land nach Künstlern, die sie gar nicht kennen, aber ihre Verkäufe ankurbeln und ihr Profil schärfen. Das geht gar nicht! Anders sieht es aus, wenn mich jemand inspiriert. Ich weiß nicht, wie die Lieder heißen, aber es gibt zwei deutsche Bands - ich war so häufig bei euch. Eine Gruppe heißt Silbermond. Ihr Lied kam gleichzeitig mit "This Is The Life" heraus und ich hörte es die ganze Zeit. Das andere Lied war von Ich+Ich. Mein Schlagzeuger war mit einer Deutschen zusammen, also kannte er die deutschen Wörter. Die Lieder sind eingängig, auch wenn ich den Inhalt nicht verstehe. Wenn aber Paul Weller oder Bruce Springsteen mich fragen, mit ihnen aufzutreten, erfüllt sich ein Traum für mich. Sie inspirieren mich und meine Musik."

Wie sieht es mit Ihrer Landsfrau Susan Boyle aus?

Macdonald: "Die Sache mit Susan Boyle tut mir so Leid. Sie muss offensichtlich eine Menge Probleme haben. Als Musiker hat man ein schwieriges Leben, wo sich nur die Stärksten durchboxen. Sie hat ein großartiges Album, aber die Einnahmen gehen letztlich in die Tasche von (Boyles Produzenten) Simon Cowell. Er ist einfach sehr gut darin, Leute zu manipulieren. Jemand wie Susan Boyle sollte nicht an dieser Stelle stehen, denn sie ist offensichtlich sehr zerbrechlich. Es ist insofern eine Schande, dass eine Million Kameras auf sie gerichtet sind und Leute vor ihrem Haus zelten.

Quelle: n-tv.de

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