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So rockte sich Brian May mit Queen durch die 70er und 80er - sind die Bilder identisch? Nicht ganz. Sie wurden von einer Kamera mit Doppelobjektiv aufgenommen, so dass die Einzelbilder minimal versetzt sind. So entsteht dann der von Dr. May propagierte 3D-Effekt.
So rockte sich Brian May mit Queen durch die 70er und 80er - sind die Bilder identisch? Nicht ganz. Sie wurden von einer Kamera mit Doppelobjektiv aufgenommen, so dass die Einzelbilder minimal versetzt sind. So entsteht dann der von Dr. May propagierte 3D-Effekt.(Foto: Brian May)
Dienstag, 31. Oktober 2017

Neuer Bildband "Queen in 3D": Brian May lässt Leser doppelt sehen

Von Volker Petersen

Wenn Queen in den 70er- und 80er-Jahren eine Bühne betraten, konnte man vor allem eines erwarten: eine große Show. Doch wie ging es hinter den Kulissen zu? Das zeigt ein neuer Bildband von Queen-Gitarrist Brian May, der erstmals seine privaten Fotos zeigt.

Rockstar sein kann verdammt anstrengend sein. Man ist viel allein, man trinkt zu viel Wodka, man ist zu viel im Hotelzimmer. Brian May, der legendäre Queen-Gitarrist, hat es nicht immer genossen. "Ian Hunter von Mott the Hoople hat mich mal auf einer frühen gemeinsamen Tour gefragt, ob es mir gut gehe", erzählt er im Gespräch mit n-tv.de auf der Frankfurter Buchmesse. "Ich sagte, ich mag es einfach, meine Dinge um mich zu haben." "Dann bist du in der falschen Branche, Brian", habe der geantwortet. Er habe dann aber doch noch gelernt, damit umzugehen, erzählt May, der sein halbes Leben auf Tournee verbracht hat. "Man muss aufpassen, nicht zu einer Kreatur zu werden, die nur noch unterwegs funktioniert." Seit dem Tod Freddie Mercurys 1991 hat er die Zeit gut ausgefüllt. So vollendete er seine Promotion in Astrophysik, setzte sich gegen die Fuchsjagd ein und ging dazu noch mehrmals mit den Sängern Paul Rodgers und Adam Lambert auf Tour.

Brian May bei der Präsentation des neuen Werks auf der Frankfurter Buchmesse.
Brian May bei der Präsentation des neuen Werks auf der Frankfurter Buchmesse.(Foto: Volker Petersen)

Doch natürlich kennen ihn alle als genialen Gitarristen einer der größten Rockbands: Queen. Wie es hinter den Kulissen der frühen Glam- und späteren Stadionrocker zuging, zeigt ein neues Buch des mittlerweile 70-Jährigen. Das ist für Fans ein Ereignis - denn es ist das erste Mal, das ein Bandmitglied selbst ein solches Buch geschrieben hat. Der Clou bei diesem: May hat sein Archiv durchstöbert und seine eigenen Fotos veröffentlicht. Das hat einen großen Vorteil: Freddie Mercury und die anderen Bandkollegen nahmen ihn gar nicht wahr, verstellten sich nicht, wenn er auf den Auslöser drückte. So entstand ein sehenswerte Aufnahme des Queen-Sängers vorm Spiegel, wie dieser gedankenverloren Make-up aufträgt. "Es ist mein Lieblingsfoto in diesem Buch", sagt May.

Der zweite Clou bei diesem Buch ist, dass es sich bei den Fotos um sogenannte Stereo-Bilder handelt. Das heißt, jedes Foto ist doppelt abgebildet. Wie May im Buch schreibt, ist das seit seiner frühen Kindheit seine zweite Leidenschaft neben der Musik. In einer Cornflakes-Packung fand er ein Lesegerät für Stereoskopie, so der Fachbegriff, und war fortan gefesselt von diesem verblüffenden Effekt. Durch ein brillenähnliches Lesegerät verschmelzen die beiden Bilder zu einem, sodass ein 3D-Effekt entsteht. Ein solcher Viewer ist dem aufwendig produzierten Bildband beigelegt. Bei der Präsentation auf der Buchmesse freut sich May über jedes "Wow!", das die verblüfften Betrachter ausstoßen.

Mays Lieblingsbild aus dem neuen Buch: Freddie Mercury gedankenverloren vorm Spiegel.
Mays Lieblingsbild aus dem neuen Buch: Freddie Mercury gedankenverloren vorm Spiegel.(Foto: Brian May)

Die Bilder bieten Einblicke in den Alltag der Band in ihren Anfangsmomenten. Man sieht die Band in einem japanischen Schnellzug, an dem sich draußen Teenie-Fans die Nasen plattdrücken, man sieht Aufnahmen des Madison Square Garden in New York vor dem Konzert, man sieht die Band beim Tennisspielen, was die reine Pose war, da alle den Sport gar nicht beherrschten, wie May verrät. Freddie Mercury allerdings, so schreibt May, sei ein Ass im Tischtennis gewesen.

Michael Jackson gab einen guten Tipp

Es waren die 70er- und 80er-Jahre. In Großbritannien schickte sich Margaret Thatcher an, das Land einer Schocktherapie zu unterziehen, die Industrie Englands brach zusammen, frustrierte Jugendliche färbten sich die Haare blau und grün und hatten eher nicht das Gefühl, dass "We are the Champions" für sie geschrieben worden war. Und dennoch strömten Zehntausende zu den Konzerten dieser Band, die nie wirklich rebellieren wollte. Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon wollten neue Wege gehen, maximalen Erfolg haben und einfach gut sein. So entstanden Unglaublich-Stücke wie "Bohemian Rhapsody" (1975), dessen Erfolg sie genossen, aber auch anspornte, neue Wege zu gehen. So überraschten sie ihre Fans 1980 mit "Another One Bites The Dust" - laut Legende auf dringendes Anraten von Michael Jackson. "Ihr seid verrückt, wenn ihr das nicht als Single herausbringt", soll der gesagt haben. Es wurde ihr meistverkaufter Hit überhaupt.

Dr. May führt vor, wie man die Stereofotos in 3D sehen kann.
Dr. May führt vor, wie man die Stereofotos in 3D sehen kann.(Foto: Volker Petersen)

Letzteres Stück entstand in München in den Musicland-Studios, wo sich die Band dem deutschen Produzenten Reinhold Mack anvertraut hatte. Und dort lebten die Bandmitglieder auch, Mercury zog gleich dorthin und tauchte in die Schwulenszene ein, May tingelte zwischen Hotelzimmer, Tonstudio und einem Club namens "Sugar Shack", der "eine wundervolle Soundanlage" hatte, wie er schreibt. "Wir lebten in einer Fantasiewelt voller Wodka und Bardamen und sehr lauter Rockmusik", schreibt der Gitarrist. Dieses Leben sei aber wie im Gefängnis gewesen. Dem Mann auf den Selfies, die May mit seiner Stereokamera aufnahm, ist die Verstörung anzumerken. "Ich glaube, uns allen wurde in München auf irgendeine Weise das Herz gebrochen", schreibt May, dessen erste Ehe in der Zeit in die Brüche ging.

Ihre schwerste Zeit erlebte die einst triumphale Rockband Anfang der 90er-Jahre, als Freddie Mercury im Sterben lag. So beschreibt May, wie er mit Mercury gemeinsam in Montreux am Tisch saß, in einer Pause, während sie ihre letzten Songs aufnahmen. Der Sänger zeigte ihm seinen Fuß, der durch die Aids-Behandlung schlimm ausgesehen habe. "Oh Brian, es tut mir leid, wenn ich dich entsetzt habe, weil ich dir das gezeigt habe", habe der dann gesagt. Mercury sei nie wehleidig gewesen, habe sich vielmehr in Arbeit gestürzt, als er von der Diagnose erfuhr. Als er am 24. November 1991 starb, arbeiteten May und die anderen an den letzten Songs weiter. So sang May die letzte Strophe des Songs "Mother Love", die Mercury nicht mehr geschafft hatte. Er spielte das Solo für Mercurys "A Winter's Tale" ein - und schreibt, dass ihm dieses Solo das liebste sei.

Einzigartige Nähe

Ganz klar: Dieses liebevoll und aufwendig produzierte Buch ist vor allem etwas für Fans. May sprach die Texte für dieses Buch auf Band, während er sich die Bilder ansah, sie bleiben vielleicht deswegen leider oft recht allgemein und an der Oberfläche. So gibt es für das legendäre Live-Aid-Konzert der Band nur wenige Worte, ebenso wird die gigantische "Magic"-Tour von 1986 auf nur zwei Doppelseiten mit großen Fotos abgehakt. Gänsehaut-Geschichten verstecken sich in einzelnen Absätzen, etwa wenn May erzählt, wie kritisch sein Vater lange seine Rockkarriere sah und ihm dann aber nach einem Konzert in New York die Hand schüttelte und sagte, nun habe er verstanden.

Der Leser muss einiges an Vorwissen über die Band mitbringen, kann sich dafür dann aber über die eine oder andere Anekdote freuen. Zum Beispiel die, als die Bandmitglieder Mitte der 70er zum Pferderennen gingen, alle ohne es zu wissen auf den gleichen Galopper setzten und der dann auch noch gewann. Die Fotos aus Mays Privatarchiv sind sehenswert, sie schaffen eine einzigartige Nähe zu den Rockheroen von damals - die der Leser insbesondere dann zu Brian May spürt, wenn er sich diese seltsame Brille aufsetzt, sich vom 3D-Effekt der Bilder verblüffen lässt und ahnt, dass Dr. May sich darüber freuen würde.

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Quelle: n-tv.de

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