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Gevatter Tod kommt zu jedem.
Gevatter Tod kommt zu jedem.(Foto: picture alliance / dpa)

Am Ende ein Geheimnis: Dem Tod ganz nahe kommen

Von Solveig Bach

Im täglichen Leben verdrängen die meisten Menschen ihre Angst vor dem Tod. Dabei ist die Endlichkeit des eigenen Lebens eine unabänderliche Tatsache, der man sich mit fortschreitendem Lebensalter ständig bewusster wird. Da hilft die durchaus sinnfällige Bemerkung, dass der Tod zum Leben dazugehört, den meisten Menschen auch nicht weiter.

Richard Béliveau und Denis Gingras sind als Krebsmediziner immer wieder mit dem Tod konfrontiert. Ihre Erfahrung ist: "Auch wenn es unmöglich ist, den Tod zu verhindern, so ist es doch möglich, der Angst vor ihm vorzubeugen." Die Prozesse, die zur Erhaltung des Lebens notwendig sind, sind eben störanfällig. Das belegen die Kanadier mit ihrem Buch "Der Tod. Das letzte Geheimnis des Lebens". Eine Biografie des Todes soll das Buch sein, das die Mechanismen des Sterbens entmystifiziert.

Jeder der etwa 100 Milliarden Tode seit dem Beginn der Menschheit hat ein einzigartiges Leben beendet. So ist Tod denn nicht auch gleich Tod. Für den Einzelnen macht es einen erheblichen Unterschied, ob er an einer Krankheit, einer Infektion, durch Gewalteinwirkung oder Gift stirbt.

Das Buch ist bei Kösel erschienen und kostet 21,99 Euro.
Das Buch ist bei Kösel erschienen und kostet 21,99 Euro.

In biologischer Hinsicht ist der Tod dennoch ein relativ einfaches Phänomen. Die Vitalfunktionen kommen zum Stillstand. Dies geschieht dadurch, indem auf die eine oder andere Weise die Sauerstoffversorgung der Organe blockiert wird. Während Feldärzte jahrhundertelang den Tod eines Soldaten damit feststellten, ob ein vor den Mund gehaltener Spiegel beschlug oder nicht, ist inzwischen der Hirntod als endgültiges Todeskriterium anerkannt. Wenn die Gehirnfunktionen eines Menschen unwiderruflich erloschen sind, "dann besteht Einigkeit darüber, dass der Tod festzustellen ist".

Nur ein Wimpernschlag

Nichts ist unsterblich. "Alles, was lebt, stirbt eines Tages." So ist die Beschäftigung mit dem Tod automatisch auch eine mit dem Leben und umgekehrt. Béliveau und Gingras widmen sich der Entstehung des Lebens, dem auf der Erde und auch dem des einzelnen Individuums. Dabei wird deutlich, welch komplizierte biochemische Vorgänge unser Leben ermöglichen.

Untrennbar mit der Existenz auf der Erde ist der Instinkt, auf der Hut vor dem Tod zu sein. Dabei ist es vor allem der Tod der anderen, der jedem selbst die eigene Sterblichkeit vor Augen hält. Deshalb suchen die Menschen nach einem Versprechen, dass das menschliche Leben nicht "im Staub und um Nichts endet". Dieser mächtigen Botschaft verdanken sich die Religionen mit ihren verschiedenen Entwürfen eines Jenseits.

Pein oder Befreiung?

Vielleicht hätte der Tod weniger Schrecken, läge nicht vor ihm allermeist das Alter mit seinem Verlust an Kraft, Gesundheit und Autonomie. Vielen erscheint es "wie eine Prüfung, ein peinvoller Übergang in die Endphase des Lebens, die man geduldig ertragen muss, bis der Tod uns davon befreit".

Béliveau und Gingras haben bereits mit "Krebszellen mögen keine Himbeeren" bewiesen, dass Krankheit und Tod keine Tabuthemen sein müssen. Nun gehen sie mit den Methoden der Wissenschaft dem letzten Geheimnis des Lebens auf den Grund. Ihre Botschaft: "Wenn es uns gelingt, den Tod zu verstehen und als unvermeidbar zu akzeptieren, werden wir weniger Angst und Furcht spüren und ihn als Quelle unseres Daseins begreifen."

Am Ende gewinnen sie dem Tod sogar noch ein Lachen ab. Ein Buch für alle, die manchmal Angst vor dem Sterben und eine große Lust zu leben haben.

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Quelle: n-tv.de

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