Unterhaltung
Groening im Kreise seiner Lieben: Homer, Lisa, Marge und Maggie tragen Namen aus seiner eigenen Familie, er selbst ist Bart.
Groening im Kreise seiner Lieben: Homer, Lisa, Marge und Maggie tragen Namen aus seiner eigenen Familie, er selbst ist Bart.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Sonntag, 18. September 2016

"Simpsons"-Schöpfer Matt Groening: Der Mann, der die Welt gelb malte

Von Markus Lippold

Er beginnt als armer Comic-Künstler in einer schäbigen Wohnung - und schafft die erfolgreichste Zeichentrickserie der Welt. So präsent die "Simpsons" sind, so verschlossen gibt sich Matt Groening. Eine Biografie will ihm auf die Schliche kommen.

"Ich kam genau zur rechten Zeit", hat Matt Groening einmal gesagt. "Ich habe mir schon gedacht, dass es wie eine Bombe einschlagen würde." Was da so einschlug? Natürlich "Die Simpsons", die von ihm erdachte Zeichentrickserie, die ab Mitte der 80er-Jahre Millionen Fans fand und das Fernsehen nachhaltig veränderte. Innerhalb von wenigen Minuten schuf Groening jene Figuren, die den Kern der "Simpsons" bilden: Vater Homer, Mutter Marge und die Kinder Bart, Lisa und Maggie. Später kamen Großvater Abe, Krusty der Clown und Dutzende weitere Charaktere hinzu, die die Kleinstadt Springfield bevölkern und deren Alltag die Zuschauer weltweit begeistert.

Nicht nur die Simpsons, sondern auch ihr Schöpfer Matt Groening hat mittlerweile einen Stern auf dem Walk of Fame.
Nicht nur die Simpsons, sondern auch ihr Schöpfer Matt Groening hat mittlerweile einen Stern auf dem Walk of Fame.(Foto: picture alliance / dpa)

Obwohl Groening im Nachhinein wenig überrascht war vom Erfolg der Serie, überrollte dieser ihn doch. Jahrelang hatte er einsam in seiner schäbigen Wohnung gesessen, in einer zum Atelier umgebauten Garage gearbeitet und Comicstrips gezeichnet, bevor ihm der ganz große Durchbruch gelang. Wie es dazu kam, was die Grundlagen des Erfolgs waren und warum Groening damals einen Nerv traf, erkundet nun "Matt Groening - Der Gott der Simpsons" von Jeff Lenburg - die erste Biografie, die in Deutschland erscheint.

Längst überfällig ist das Buch, zählt Groening doch zu den prägenden Gestalten des Fernsehens. "Die Simpsons" halten den Rekord der am längsten laufenden Sitcom: Sie bringen es auf 600 Episoden - und sie laufen unablässig weiter, ob mit neuen Folgen oder täglichen Wiederholungen. Zudem haben sie ein erfolgreiches Kinoabenteuer erlebt. Und es gibt unzählige Merchandising-Artikel mit den gelben Gesichtern der Familie, von der Bettwäsche über das Geschirr bis zum Lego-Set, sowie etliche Texte, Bücher, ja wissenschaftliche Arbeiten über sie.

Das Schweigen des Meisters

Wer Matt Groening ist, woher er kommt, was er vor dem großen Erfolg gemacht hat - das wissen dagegen wohl nur hartgesottene Fans. Nicht zuletzt, weil der Zeichner selbst verschlossen ist, wenig von sich preisgibt. Lenburg schließt diese Lücke mit einem unterhaltsam geschriebenen und gut recherchierten Buch, das auf knapp 170 Seiten einen Überblick über Groenings Leben liefert.

"Matt Groening - Der Gott der Simpsons" ist bei Tropen erschienen, 176 Seiten in Broschur, 16,95 Euro.
"Matt Groening - Der Gott der Simpsons" ist bei Tropen erschienen, 176 Seiten in Broschur, 16,95 Euro.

Lenburg konzentriert sich auf Artikel und Interviews, auf Aussagen von Groening selbst, aber auch von Weggefährten und Geschäftspartnern. Dass er Groening nicht selbst gesprochen hat, ist natürlich schade. Doch angesichts des Schweigens des großen Meisters blieb ihm wohl nichts anderes übrig. Auch die Bildauswahl ist deshalb eher bescheiden, aber ausreichend.

Ein Vorteil des Buches ist, dass es einen Schwerpunkt auf die Zeit vor den "Simpsons" legt. Lenburg beschreibt recht ausführlich, wie Groening schon als Kind zeichnete, wie er aus seiner Heimat im Nordwesten der USA aufbrach, um in Los Angeles sein Glück zu versuchen. Wie der selbsternannte "Gott des Gekritzels" seine Hasen-Figuren erfand, deren mit Satire und Sarkasmus gewürzten Erlebnisse er in dem Strip "Life in Hell" aufzeichnete - Erlebnisse, die zeitweise auch Groenings eigenes Leben als ärmlicher Künstler spiegelten.

Der Erfolg der US-Untergrund-Kultur

Allein diese Untergrund-Comicstrips, die zunächst in kleinen, alternativen Stadtmagazinen und später in mehr als 200 Zeitungen erschienen, hätten ausgereicht, Groening ein Auskommen zu garantieren. Doch der Zufall macht ihn auch noch zum Schöpfer der "Simpsons", denen er kurzerhand die Namen seiner eigenen Familie gab. Lenburg beschreibt, wie aus den einminütigen Episoden während der "Tracey Ullman Show" die halbstündige, erfolgreiche Serie auf dem neuen Sender Fox wurde. Und wie diese dann einschlug wie eine Bombe.

Der Rest ist Geschichte. Das Buch lässt zum Ende hin mehr Lücken, beschränkt sich nur mehr auf Höhepunkte, auch Groenings zweite Serie "Futurama" wird - leider - nur kurz abgehandelt. Das liegt vielleicht auch daran, dass Groening sich angesichts des großen Erfolges immer mehr zurückzog. Lenburgs Biographie lohnt sich aber trotzdem - nicht nur für "Simpsons"-Fans der ersten Stunde, sondern für alle, die sich auch nur am Rande für Groening, seine Erfolgsserie und deren Geschichte interessieren. Denn es ist gleichzeitig eine Erzählung vom Erfolg der amerikanischen Untergrund-Kultur, die in den 80er und 90er Jahren Erfolge feierte und den Mainstream nachhaltig beeinflusste.

Lenburg gelingt es, den Lesern das Phänomen Groening näher zu bringen und sie immer wieder mit interessanten Aspekten zu überraschen. Stellenweise ist der Autor dabei zwar recht unkritisch, erweist sich als Fan gerade der frühen Arbeiten des Comiczeichners. Gleichwohl weist der Autor auch auf Spannungen hin, auf Probleme bei Groening und in der Entwicklung der "Simpsons". Neben dem misslungenen, im englischen Original anderslautenden Untertitel "Der Gott der Simpsons" dürfte Fans noch ein Schnitzer - vermutlich der Übersetzer - erbost zurücklassen: Sie schreiben doch tatsächlich an einer Stelle von den "Scratchy-und-Itchy-Sketchen".

"Matt Groening - Der Gott der Simpsons" direkt bei Amazon bestellen. Eine Leseprobe gibt es beim Verlag.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen