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Zeitreise durch Jahrzehnte des Motorsports: "90 Jahre Nürburgring"
Zeitreise durch Jahrzehnte des Motorsports: "90 Jahre Nürburgring"(Foto: )
Sonntag, 06. August 2017

90 Jahre Nürburgring: Der Mythos "Grüne Hölle" lebt

Von Thomas Badtke

Rausch der Geschwindigkeit, Reiz wohlgeformter Kurven, Flair: Das alles vereint Deutschlands legendärste Rennstrecke, der Nürburgring mit seiner einzigartigen Nordschleife. Eine 90-jährige Geschichte, die bildreich gefeiert wird.

Es ist 1998, meine Freundin is' weg und bräunt sich in der Südsee ... und unsereins liegt im durchnässten und voller Wasser stehenden Zelt auf einem Rasenstück direkt am Asphalt des Nürburgrings. Hinter einem die Rennstrecke, vor einem die Leitplanke, dahinter die "Grüne Hölle". Nein, natürlich nicht wirklich. Aber grün ist es schon, wohin man blickt. "Rock am Ring" 1998, das Line Up reicht von Fettes Brot über Clawfinger bis zu den Deftones und Rammstein. Was will man mehr?

Schönes Wetter vielleicht. Aber das gab es schon 1998 nicht wirklich, als Campino von den Toten Hosen über das Dach der überdimensionierten Bühne marschiert und mit dem Mikro in der Hand hinabblickt auf Zehntausende durchnässter Musikfans. Regen gehört auf dem Nürburgring einfach dazu.

Gelebte Geschichte

Mittendrin statt nur dabei ...
Mittendrin statt nur dabei ...(Foto: Rainer Schlegelmilch via Getty I)

Das wissen auch die Fahrer der 24-Stunden-Rennen. Ein weiterer Klassiker, mit dem viele die Rennstrecke in der Eifel verbinden. Renntradition pur und das mittlerweile seit 90 Jahren. So lange reicht die Geschichte der Nordschleife, dem ältesten Teil des Nürburgrings, zurück. Angelegt als Strukturförderungsprojekt in der Eifel, damals auch "Preußens Sibirien" genannt.

Passend zum Jubiläum erscheint bei Delius Klasing ein prachtvoller Bildband mit mehr als 170 Farb- und Schwarzweiß-Fotos auf 240 Seiten. Angefangen mit betagten Bildern aus der Zeit der ersten Rennen, gefolgt von den Rennen, die den Fans an der Strecke und später vor den Fernsehern in lebhafter Erinnerung geblieben sind, wie etwa der Große Preis von Deutschland 1927 oder der Motorrad-Grand-Prix von 1980.

Porträts der wirklich Großen der Rennzunft dürfen natürlich auch nicht fehlen - wahrlich wohlklingende Namen wie Bernd Rosemeyer, Rudolf Caracciola oder Juan Manuel Fangio. Zu Wort kommen dann unter anderem Jacky Ickx, Jackie Stewart, Toni Mang, Jochen Mass, Walter Röhrl oder Ewy Baronin von Korff-Rosqvist. Sie schildern ihre Erlebnisse mit der "Grünen Hölle", wie die Nordschleife im Volksmund auch genannt wird.

Dieser Beiname geht auf ebenjenen legendären Jackie Stewart zurück, der im Buch zu Wort kommt. 1968 war es. Natürlich Regen, Nebel und praktisch null Sicht. Das Ganze bei einer Höchstgeschwindigkeit von 290 Kilometern je Stunde. In jeder Runde hatte die Nordschleife ein anderes Gesicht. Am Ende gewinnt Stewart den Formel 1 Grand Prix von Deutschland mit vier Minuten Vorsprung. So etwas vergisst man nicht. Seine "Grüne Hölle" auch nicht.

Ein Klassiker über einen Klassiker

Der Prachtband von Hartmut Lehbrink ist deshalb etwas für Rennsportfans, für Eifel-Fanatiker, für Formel-1-Liebhaber der alten Schule, für Traditionalisten. Gleichsam lebendige Bilder und Texte schildern und ziehen den Leser und Zuschauer mitten hinein in die prickelnden Momente an der Nordschleife.

Und auch wenn man mit Motorsport nicht allzu viel am Hut haben sollte; wenn man stattdessen als Festivalbesucher den "Ring" kennen und lieben lernte - auch dann ist "90 Jahre Nürburgring - Die Geschichte der Nordschleife" ein Muss. Der Band lädt jeden Leser ein zu einer persönlichen Zeitreise, bei manchem nur in die 1990er, bei anderen in die 1960er oder die noch früheren Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts. Eines wird aber jedem dabei klar: Der Mythos Nordschleife lebt, die "Grüne Hölle" ist unsterblich!

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Quelle: n-tv.de

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