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Das erfolgreiche Manuskript verbirgt sich unter vielen anderen, die kein Verlag wollte.
Das erfolgreiche Manuskript verbirgt sich unter vielen anderen, die kein Verlag wollte.(Foto: imago stock&people)
Freitag, 13. Oktober 2017

Lesestoff aus Frankreich: Der Pizzabäcker als Bestsellerautor

Von Solveig Bach

In einer Bibliothek voller Manuskripte, die von den Verlagen abgelehnt wurden, versteckt sich ein Bestseller. Doch kann der wirklich von einem wortkargen bretonischen Pizzabäcker stammen? Im Buchmessen-Land Frankreich hat David Foenkinos mit dieser Geschichte seine Leser bezaubert.

In dem bretonischen Dorf Crozon gibt es, nach dem Vorbild der Brautigan Library eine Bibliothek, in der Manuskripte eine Heimat finden, die kein Verlag veröffentlichten wollte. Eine Bibliothek der Verschmähten, Verstoßenen und Ungeliebten.

Das Buch ist bei DVA erschienen, hat 336 Seiten und kostet 19,99 Euro.
Das Buch ist bei DVA erschienen, hat 336 Seiten und kostet 19,99 Euro.

Hier lagern annähernd Tausend Manuskripte, Tagebücher, schwülstige Lyrik, Titel wie "Masturbation und Sushi", einer Ode an einen rohen Fisch, die wahrscheinlich zu Recht nicht publiziert wurde. Inmitten all dieser verstaubten Blätter entdeckt die junge aufstrebende Lektorin Delphine Despero, die aus Crozon stammt und ihr Leben mit dem erfolglosen Autor Frédéric Koskas teilt, einen außergewöhnlichen, großartigen Roman.

"Die letzten Stunden einer großen Liebe" handelt vom Ende einer Liebe und erzählt parallel die letzten Stunden des russischen Dichters Alexander Puschkin. Der Autor ist offenbar Henri Pick, der vor zwei Jahren verstorbene Pizzabäcker des Ortes. Der Roman lässt die Literaturwelt beben und wird zum Bestseller, Journalisten belagern die Witwe des Pizzeriabesitzers, die an ihrem schweigsamen und verschlossenen Mann plötzlich ganz neue Seiten entdeckt.

Die Geschichte hinter der Geschichte

Aber kann der Mann, der gerade einmal die Pizza des Tages an die Tafel schrieb und zeit seines Lebens kein Buch gelesen hat, wirklich der Autor dieses Meisterwerks sein? "Wenn man ein Buch mag, lechzt man nach Hintergrundwissen. Ist an der Geschichte was Wahres dran? Hat der Autor das vielleicht alles so erlebt?"

Es beginnt die Suche nach der privaten Geschichte hinter der Geschichte, die Marketingmaschine läuft auf Hochtouren, Zweifel werden laut, Journalisten machen sich an die Recherchearbeit. Vielleicht führte der Pizzabäcker ein Doppelleben, oder ist es doch der Initiator der Bibliothek der vergessenen Manuskripte, der seinen Roman unter falschem Namen ablegte?

David Foenkinos gehört zu Frankreichs Bestsellerautoren. Für den Vorgänger von "Das geheime Leben des Monsieur Pick" bekam er den Prix Renaudot. Doch nach "Charlotte", einer schmerzhaft präzisen Lebensbeschreibung der deutsch-jüdischen Malerin Charlotte Salomon, kehrt Foenkinos wieder zu der Art zu schreiben zurück, die ihn in Frankreich zu einem der aktuell meistgelesenen Autoren macht.

Der frühere Verlagssprecher entwickelt eine humorvoll-melancholische Geschichte, in der es immer wieder um die Liebe, die erwiderte und die unerkannte, geht. Die Suche nach dem Autor des Bestsellers fügt eine Prise Detektivroman hinzu. Die Seitenhiebe auf die Marketingmechanismen der Verlagsbranche und das Namedropping geben dem Ganzen noch etwas Bibliophiles. Das liest sich charmant und unterhaltsam, mehr aber auch nicht.

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Quelle: n-tv.de

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