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Gegen jedes Klischee: Der ewige Sündenbock

Das Buch kostet 19,80 Euro.
Das Buch kostet 19,80 Euro.

Der Einfluss und Geist des von den Briten zum Muftis von Jerusalem ernannten Hadsch Amin el Husseini, dem Vertrauten Adolf Hitlers und anderer Nazigrößen, lebt bis heute in der palästinensischen Nationalbewegung weiter. Nicht nur dessen Neffe Jassir Arafat pflegte das Erbe des Muftis, der sich mit der von ihm errichteten SS-Division "Handschar" auch am Massenmord von Juden beteiligte.

In seinem polemischen Buch "Der ewige Sündenbock" hat Tilman Tarach nichts Neues dargestellt, sondern mit vielen Belegen und Quellverweisen vergessene, verdrängte und unbekannte Tatsachen über den Nahostkonflikt zusammengetragen.

So hält sich hartnäckig der Mythos, dass Israel ohne die finanzielle, politische und militärische Hilfe der USA nicht entstanden wäre. Tatsache ist, dass die USA in letzter Minute die Ausrufung des jüdischen Staates sabotieren wollten. Den Unabhängigkeitskrieg von 1948 bestand Israel mit sowjetischen Waffen. Die Sowjets glaubten, mit den sozialistisch-kommunistischen Staatsgründern Israels den amerikanisch-britischen Einfluss im Nahen Osten zurückdrängen zu können. Im Sechs-Tage-Krieg von 1967 bezwang Israel die Armeen der halben arabischen Welt bezwang mit französischen Mirage-Kampfflugzeugen und eroberte Sinai, Golan, das Westjordanland und den Gazastreifen. Erst in den 70er Jahren kam es zu jener Freundschaft zwischen Israel und den USA, die sich dieser Tage in einer Krise befindet, wegen Differenzen zur israelischen Siedlungspolitik.

Fakten zum Nachdenken

Tarach analysiert die anti-israelische Politik der Araber aber auch der UN und westlicher Staaten, mitsamt antisemitischen Motiven und Ursachen. Seine gesammelten Fakten zwingen zum Nachdenken. Manches ist Nahost-Kennern wohl bekannt, aber viele Details und Zusammenhänge überraschen selbst Experten. Zahlreiche arabische Massaker an Juden, in Palästina und in der arabischen Welt, widerlegen den Mythos, wonach Juden und Moslems bis zur Ankunft der Zionisten friedlich koexistiert hätten. Die Nazis planten, Palästina zu erobern, um die Juden auch dort zu vernichten. Hunderte Juden starben durch deutsche Bomben auf Tel Aviv und Haifa. Altnazis setzten nach dem Zweiten Weltkrieg in arabischen Ländern ihren Vernichtungsfeldzug gegen die Juden fort.

Tarach beschreibt ausführlich die im jüdischen Viertel der Altstadt Jerusalems wiederaufgebaute Hurva Synagoge. Ihre Neueinweihung vor wenigen Tagen führte zu amerikanischen Protesten und gewalttätigen palästinensischen Unruhen. 1948 war sie von den Jordaniern gesprengt worden. Die Ausführung übernahm Fausi el Kutab. Der war die rechte Hand Mufti El Husseini und von der SS zum Sprengstoffexperten ausgebildet worden. Ein jordanischer Kommandeur erklärte nach der Zerstörung des jüdischen Wahrzeichens in Jerusalems: "Zum ersten Mal seit 1000 Jahren verbleibt kein einziger Jude im Jüdischen Viertel. Kein einziges Gebäude bleibt intakt. Das macht eine Rückkehr der Juden unmöglich." Ungeachtet der Frage, ob die Jordanier dem Völkerrecht entsprachen, als sie ihr Königreich von Juden "ethnisch säuberten" und im Osten der Stadt jüdische Spuren tilgten, oder ob die Israelis heute gegen Völkerrecht verstoßen, indem sie eine mit Nazi-Ideologie zerstörte uralte Tradition wieder aufleben lassen. Tarach weist eindringlich nach, welch verheerende Rolle die Nazis sogar in Palästina spielten, mit Nachwirkungen bis heute.

Das Buch ist flott und teilweise salopp geschrieben. Der Autor hätte sich jedoch unflätige Ausdrucksweisen gegen die "taz" und die "Junge Welt", gegen Blühm und Neudeck, Uri Avnery und andere "Linke" ersparen können. Zurecht kritisiert Tarach, dass diese sich mit mittelalterlich-konservativen und faschistoiden Organisationen wie Hamas und Hisbollah solidarisieren. Tarachs mit Literaturhinweisen gut belegte Kritik wäre akzeptabler gewesen, wenn er gewisse Formulierungen vermieden hätte. Solche stilistischen Schnitzer mindern die Glaubwürdigkeit eines Buches, das finstere und unter den Teppich gekehrte Aspekte des Nahostkonflikts zur Diskussion stellt.

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Quelle: n-tv.de

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