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Wie Singles nach der Liebe suchen: Die Hoffnung speist Partnerbörsen

Von Jana Zeh

Viagra, Mietautos oder eine Couch zum Übernachten: Im Internet gibt’s alles. Diese Tatsache hat die Generation der 30- bis 40-Jährigen so sehr verinnerlicht, dass sie seit einiger Zeit auch nach der großen Liebe im Netz sucht. Wie genau, das erzählt Annabel Dillig in ihrem Buch "Diesen Partner in den Warenkorb legen" und testet sogar selbst.

Der Mensch ist ein soziales Wesen und kaum jemand möchte im Leben allein bleiben. Trafen sich Partnersuchende vor zwanzig Jahren hauptsächlich auf Partys, in Kneipen und Bars, so ist heute das Internet der Ort der einsamen Herzen. Wie die 30- bis 40-Jährigen mit Hilfe des World Wide Webs ihren Traumpartner finden wollen, hat sich die Autorin Annabel Dillig einmal genau angeschaut und sogar den Selbstversuch nicht gescheut.

Die meisten Menschen sind nicht gern allein.
Die meisten Menschen sind nicht gern allein.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Autorin gibt mit "Diesen Partner in den Warenkorb legen: Das neue Liebesverständnis einer vernünftigen Generation" eine Momentaufnahme der modernen Partnersuche mit aufwändiger Recherche und anschaulichen Beispielen. Sie nimmt eine Gruppe von Menschen in Augenschein, zu der sie selbst gehört, nicht nur aufgrund ihres Alters, sondern auch aufgrund ihres Single-Daseins. Sie interviewt Suchende, Experten und befragt sich schließlich selbst.

Single-Dasein als Makel

In den gut strukturierten Kapiteln geht die Autorin den Dingen auf den Grund. Sie erklärt, weshalb Single-Sein in unserer Gesellschaft ein Makel ist und warum sich immer mehr Menschen heute vernünftig verlieben wollen, betrachtet die psychologischen Herangehensweisen der Partnersuche und erklärt, weshalb es heute harte Arbeit ist, damit eine Beziehung gelingt. Zudem schildert Dillig ihre eigenen Erfahrungen und Hürden während ihres Selbstversuchs.

Die Autorin schaut sich viele Partnerbörsen an und erklärt, wie diese mittlerweile gigantische Liebesmaschinerie der Partnervermittlung über das Internet angetrieben wird. Sie zeigt, wie sich Menschen auf Partnerbörsen selbst darstellen, warum die meisten Suchenden übertriebene Ansprüche an ihre Partner stellen und dass es doch die große Liebe aus dem Netz gibt.

Partnersuche als Hobby

Das Buch ist bei Blanvalet erschienen und kistet 14,99 Euro.
Das Buch ist bei Blanvalet erschienen und kistet 14,99 Euro.

Es ist erfrischend, zu lesen, wie Dillig mit ihrem Projekt und den eigenen Profilen verschmilzt. Klar wird durch das Buch, dass alle im Netz Suchenden dem Prinzip Hoffnung folgen und deshalb den Versprechungen von Partnerbörsen gern Glauben schenken. Dabei kann Partnersuche mit Hilfe des Internets eine sehr nervenaufreibende, zeitaufwändige und teure Angelegenheit sein. Für viele ist diese Art der Partnersuche wie ein Projekt, für manche wird sie sogar zum Hobby.

Neben den Geschichten der Suchenden liefert Dillig aber auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung von Partnersuche, denn mittlerweile ist das Internet auf Platz drei der Orte gerutscht, an denen sich Menschen finden, und hat damit den Arbeitsplatz von dieser Stelle verdrängt. Ein Erklärungsansatz dafür könnte die Einstellung der Suchenden sein. Es geht heute bei der Partnersuche vor allem um Effektivität. Im Vordergrund steht ein Kosten-Nutzen-Denken. Singles wollen möglichst wenig Zeit mit dem Falschen verbringen, veile halten sich selbst für unwiderstehlich und wissen aus ihrer Erfahrung heraus, dass alles machbar ist, wenn man es bloß richtig anstellt. Dabei scheinen viele der Suchenden völlig zu verlernen, wie man im realen Leben mit anderen Menschen und eben auch mit potenziellen Partnern umgeht. Kein Wunder also, dass sich bei den meisten ersten Treffen nicht das erhoffte Gefühl von Verliebtheit einstellen will.

Die Kehrseite der Medaille

Die Suche nach der großen Liebe übers Internet ist nicht nur bequem, sie bietet auch einen gewissen Schutzraum. So kann man im Schlabber-Look mit Feierabendbier in der Hand und dem Notebook auf den Knien mal schnell die potenziellen Partner anklicken und vor allem leicht aussortieren.

Aber Vorsicht, denn bei aller Bequemlichkeit gibt es auch eine Kehrseite der Medaille, die beschäftigt und schmerzen kann, die das Selbstwertgefühl in den Keller drückt und nach einiger Zeit das Herz mit einer Hornhaut überzieht. Absagen treffen selbst den hartgesottensten Suchenden. Es schmerzt, wenn man aussortiert wird, sowohl vor als auch nach einem ersten, zweiten oder fünften Treffen. Der vermeintliche Traumpartner, an den man sich gewendet, bei dessen Profil man das unheimlich gute Gefühl hatte, der dann nur noch wenige Klicks entfernt schien, meldet sich einfach nicht mehr zurück. Nie mehr! Auch diese Erfahrung durfte die Autorin am eigenen Leib spüren.

Dennoch bleibt sie in ihren Ausführungen stets neutral. Sie beleuchtet differenziert alle Facetten der Partnersuche von heute und zeigt in ihrem Buch, wie das Internet tatsächlich zum Finden der großen Liebe beitragen kann. Sie zeigt aber auch, wie mancher auch nach Jahren der intensiven Suche noch immer allein bleibt. Die Liebe kann man eben doch nicht durch berechnete Matching-Points oder Übereinstimmungen bei Fragebögen herbeiführen, so wie es zahlreiche Partnerbörsen auf ihren Homepages suggerieren. Sie wird im Gegenteil immer ein Geheimnis bleiben, zum Glück!

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Quelle: n-tv.de

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