Unterhaltung

Die Männer mit der schwarzen Maske: Ein Mafia-Jäger packt aus

von Thomas Badtke

Wann immer Bilder von frisch verhafteten Mafiosi um die Welt gehen, sind darauf vermummte Gestalten zu sehen: die Catturandi, eine Spezialeinheit der italienischen Polizei. I.M.D. ist einer von ihnen. Dies ist seine Geschichte.

Das Buch ist bei Droemer erschienen und kostet 19,99 Euro.
Das Buch ist bei Droemer erschienen und kostet 19,99 Euro.

I.M.D. ist Jahrgang 1973. Er hat Politikwissenschaften studiert. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet er bereits bei den Catturandi, einer Sondereinheit der Polizei von Palermo - und das in gehobener Position. Sein Job: das Fahnden und die Festnahme von wichtigen Mafia-Bossen.  Giovanni Brusca und Bernardo Provenzano gehen mit auf sein Konto. Auf dem der Catturandi insgesamt steht nahezu die gesamte Führungsriege der Mafia.

Deshalb ist I.M.D. ein Synonym. Seinen wahren Namen gibt der Fahnder nicht preis. Das wäre zu gefährlich. Für sein Leben und das seiner gesamten Familie. Das wird aus seinen Erzählungen überdeutlich, aus den Schilderungen seines Arbeitsalltags. Ein Arbeitsalltag, der alles andere als lohnenswert erscheint. Geregelte Arbeitszeiten? Gibt es kaum. Freie Wochenenden? Nicht planbar. Urlaub? Ein normales Familienleben? Nein, nicht bei den Catturandi. Dort kümmert sich I.M.D. zufolge niemand um die Einhaltung von Dienstzeiten, Schichten oder Überstunden. Und wohl auch gerade deshalb liebt I.M.D. seinen Job.

Die Lasagne macht den Unterschied

Für ihn ist es der beste, den es gibt. Der Einsatz für Recht und Ordnung, für Demokratie, für eine bessere Gesellschaft. Ein Catturandi zu sein, bedeutet für I.M.D. mehr als nur einem simplen Beruf nachzugehen - auch wenn er versucht, sich ständig das Gegenteil einzureden. Seit den ersten Tagen bei der Sondereinheit, ist er sich bewusst: Sein Job ist keiner, mit dem man hausieren geht, mit dem man angeben kann. Es ist einer, den man für sich behält. Das ist die erste Regel der Catturandi: Mit niemandem über den Job reden - "weder mit den Eltern, die sich Sorgen machen könnten, noch mit Freunden, und schon gar nicht mit der Freundin, denn jeder würde es mindestens zehn anderen Personen weitererzählen und in ein paar Tagen wüsste es dann die ganze Stadt".

Am Anfang fällt es I.M.D. noch schwer, sich daran zu halten. Aber er lernt schnell. Passt sich den Gewohnheiten der anderen Catturandi an. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Ein Erfolg, der mit vielen technischen Hilfsmitteln verbunden ist, der aber ohne den Menschen dahinter nicht denkbar wäre. Das geht aus den Schilderungen von I.M.D.s Arbeitsalltag unverkennbar hervor: Am Anfang, Mitte der 90er, besteht er darin, stundenlang Telefongespräche aufzuzeichnen, abzuhören und zu transkribieren. Umständlich und nur schwer für Außenstehende nachvollziehbar. Die Mafiosi benutzen Codes bei ihren Gesprächen. Selbst wenn die Catturandi eine große Mafia-Nummer an der sprichwörtlichen Strippe haben, kann bereits ein falsch gedeutetes Wort im Gespräch es völlig belanglos erscheinen oder die Alarmglocken schrillen lassen.

Der Pate - mal anders

I.M.D. beleuchtet mit seinem Arbeitsbericht die Praktiken der Fahnder, gibt aber genauso einen Einblick in die Manöver und in das Kommunikationssystem der Mafiosi, die oft jahrzehntelang ihre "Familien" versteckt aus dem Untergrund heraus steuern. Der Leser erfährt so in einem direkten und umgangssprachlichen Stil so manches über die Ticks der Mafiosi und ihre Vorlieben, die ihnen das ein oder andere Mal zum Verhängnis werden: So liefert beispielsweise eine vom Mafia-Boss angeforderte Lasagne den entscheidenden Hinweis auf seinen Aufenthaltsort. Ein anderes Mal ist es das Schäferstündchen mit einer Geliebten.

Ja, auch Mafiosi sind nur Menschen - ebenso wie Catturandi. Der Erzählstil von I.M.D. ist spannend und peitscht den Leser wie bei einem guten Krimi von einer Seite zur nächsten. Ab und an blitzt auch schwarzer Humor auf - auch wenn nicht klar ist, ob nun gewollt oder ungewollt. Letzten Endes steht bereits nach wenigen Seiten fest: Die Sympathieträger sind nicht wie bei Mario Puzo die Mafiosi sondern ob ihrer Opferbereitschaft, ihrer Geduld und ihres schier unerschöpflichen Einsatzwillens die Catturandi. Das mag von I.M.D. so gewollt sein, schadet dem Lesevergnügen aber überhaupt nicht.

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Quelle: n-tv.de

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