Donnerstag, 26. August 2010
Bruce Springsteen: Er suchte und er fand
Manfred Bleskin
Wer nicht glaubt, dass der wohl größte US-amerikanische Rock 'n' Roller der Gegenwart ein ewig Suchender war, sollte sich die ersten sieben Alben, eines davon ein doppeltes, peu à peu, zu Gemüte führen und dann sein Urteil fällen.
Möglich wird’s dank einer weiteren dieser verführerischen "Collection"-Boxen, welche seine Plattenfirma jüngst veröffentlicht hat. Es geht natürlich auch mit den zerkratzten Long Playern aus Ihrem Plattenschrank. Your choice.
Das Folkalbum von The Boss ist "Nebraska" aus 1982, eine der besten Scheiben, die Master Bruce je eingespielt hat. Da gibt es Riffs, auf die ein Chuck Berry neidisch sein muss, da jault die Blues Harp so, dass ein Bob Dylan nachdenklich die Augenbrauen gehoben hätte, damals, in den Sixties, als ihn noch interessieren musste und er die Fans auf seinen Konzerten noch nicht mit seinem Keyboard malträtierte. Dazwischen liegt das hilflose "The Wild, The Innocent And The E Street Shuffle", im selben Jahr auf den Markt gebracht. Das ist, der Meister möge es verzeihen, eine belanglose Popscheibe, die er sich besser gespart hätte.
Mitte der 80er der verdiente Durchbruch
Zwei Jahre später dann kam mit "Born To Run" der verdiente Durchbruch. Zeitlose Musik, inspiriert von der "Wall Of Sound" eines Phil Spector, knüpft Springsteen an beste Rock ‚n’ Roll-Traditionen seiner Heimat an. Dort hätte er mit "Darkness At The Edge Of Town" (1978) weitermachen sollen, aber, ach … Überfrachtete Arrangements, von allem etwas, während auf den britischen Inseln Mark Knopfler mit seinen Dire Straits und The Police zeigten, was man mit der klassischen Shadows- oder Who-Besetzung so alles herbeizaubern konnte.
Dann aber …, 1984 AD, und im Jahre elf seiner Plattenkarriere, wurde Bruce Springsteen weltberühmt; er füllte Stadien mit Zehntausenden und Songs, die deren Herzen zum Überlaufen brachten. Es zeugt von der Dummheit – oder der Skrupellosigkeit - der Wahlmanager eines Ronald Reagan, dass sie den Titeltrack des Kriegsgegners - "Born In The U.S.A." - zur Hymne des bellizistischen Präsidentschaftsanwärters machten. Mit dem Lied wurde Bruce Springsteen endgültig zu dem, was er auf dem Doppelalbum "The River", erschienen 1980, in einem der Songs schon bekennt: "I’m A Rocker". Was folgte, waren weitere geniale Alben, auf denen er sich endgültig gefunden hatte. Rock, Folk, Rock, Folk, etc. pp.
PS: Die edle Ausstattung der Edition versteht sich mittlerweile fast selbst. Wie das erklärende Büchlein dazu.
Bruce Springsteen: "The Collection 1973-84", 8CD/Box, im n-tv Shop kaufen
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