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Tremola-St. Gotthard: Kehren und Panorama satt
Tremola-St. Gotthard: Kehren und Panorama satt(Foto: Stefan Bogner, Curves-Magazin, Delius Klasing)

Pure (Alpen)Passromantik: "Escapes" - Fluchtwege

Von Thomas Badtke

Motorradfahrer lieben sie, Radsportfans auch: Kurven. Passstraßen. Serpentinen. Die Alpen sind voll davon und wer einmal eine bezwungen hat, ist ihnen verfallen wie einer Droge oder einer schönen Frau. Man kann ihnen nicht mehr entrinnen. Ein einzigartiger Bildband ist der Beweis.

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Einmal ausbrechen. Dem Alltag entfliehen. Alle Sorgen und Probleme - berufl ich oder privat - hinter sich lassen. Wer hat nicht schon davon geträumt? Von heute auf morgen sein Leben komplett umkrempeln. Auf und davon. Zugegeben, das klingt ziemlich weit hergeholt. Irgendetwas hält einen doch immer an dem Ort, wo man gerade ist. Irgendeine Ausrede findet man doch immer, um zu sagen: Naja, vielleicht nächstes Mal. In einem Jahr. Irgendwann - aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Am Ende aber bleibt alles - sind wir ehrlich - beim Alten. Nur die wenigsten trauen sich, den ersten Schritt zu wagen und ihren in ihnen schlummernden Sehnsüchten nachzugeben. Das hat seine Gründe: Der Traum vom Ausbruch muss nicht real gelebt werden. Es gibt Filme, Musik und Bücher, die wir nutzen können, um das Verlangen zu beruhigen, es im Zaum zu halten. Aber das ist gefährlich und kann nach hinten losgehen.

"Escapes" ist bei Delius Klasing erschienen.
"Escapes" ist bei Delius Klasing erschienen.(Foto: Delius Klasing)

Als "Into The Wild" in die Kinos kam, die wahre Geschichte eines jungen Aussteigers, der einfach nur in der Natur Alaskas leben will, ohne Kontakt zur Außenwelt, völlig losgelöst und frei, gibt es nicht wenige Zuschauer, die seinem Beispiel folgen wollen. Dass "Alexander Supertramp" am Ende allein und entkräftet an einer Beerenvergiftung gestorben ist, schreckt nicht alle ab. Der in der Wildnis stehende leere, ehemalige Schulbus, der als eine Art Schutzhütte für Wanderer fungierte und in dem es sich "Supertramp" gemütlich gemacht hat, wird zur Pilgerstätte von Aussteigern. Die Behörden reagieren und lassen den Bus entfernen.

Ähnliches Potenzial wie "Into The Wild" hat ein Bildband, erschienen im Verlag Delius Klasing. Sein Titel ist dabei Programm: "Escapes", auf Deutsch also "Fluchtwege" oder "Möglichkeiten zum Entrinnen". Und der Titel verspricht nicht zu viel: Auf 200 Farbfotos warten 15 Alpenpässe darauf, bewundert zu werden. Unzählige Serpentinen. Kurvig und steil liegen sie da und sehen aus, als ob sie Leonardo da Vinci höchstpersönlich auf den Fels gemalt oder in den Stein gezimmert hat. Sie liegen vor einem ausgebreitet und scheinen den Betrachter zu verhöhnen: "Komm schon, du traust dich doch eh nicht!"

Stefan Bogner, Fotograf und Autor von "Escapes" (Delius Klasing) und curves-magazin.com
Stefan Bogner, Fotograf und Autor von "Escapes" (Delius Klasing) und curves-magazin.com(Foto: Stefan Bogner (Delius Klasing))

Und irgendwie haben sie recht. Eigentlich will man die Schönheit von Galibier, San Bernardino oder dem Großen St. Bernhard, von Izoard, Großglockner oder Stilfser Joch nur bewundern. Anhimmeln, so wie sie sich da scheinbar spielerisch dem Horizont entgegenstrecken.

Der (Flucht)weg ist das Ziel

Stefan Bogner hat die einmaligen Aufnahmen fotografiert. Die schlichte Erhabenheit für immer festgehalten und sie so zum Ziel und Fluchtweg gemacht. Für Autofahrer, Motoradfahrer, Radfahrer: Wer die Fotos sieht, ihre puristische, atemberaubende Schönheit, will nur eines: Raus aus dem Alltag. Sorgen und Probleme hinter sich lassen. Ausbrechen. In die Alpen fahren und einen schlangenartigen Pass nach dem nächsten erklimmen. Eins werden mit der Natur ringsum.

Das gelingt auch deshalb, weil auf den Fotos kein Mensch zu sehen ist. Kein Gefährt. Bogners Aufnahmen entstanden zum Teil aus dem Helikopter und bieten deshalb auch manchmal mehr Raum und Weite für den Betrachter, als wenn dieser am Straßenrand stehend mit bloßem Auge den Serpentinen folgen will. Sepia-Töne verstärken das Schwärmen und Schwelgen.

Informationen zu den Pässen finden sich dagegen kaum. Aber das stört nicht. Es hilft vielmehr bei der Konzentration aufs Wesentliche: Puristische Pässe - der (Flucht)weg ist das Ziel. Den ersten Schritt muss jeder selbst machen.

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Quelle: n-tv.de

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