The HolliesFast alles wird zu Gold
Wer machte hier wem was nach? Egal, die Hollies waren jedenfalls fast so erfolgreich wie die Beatles. Und es erging ihnen ähnlich wie dem sagenhaften Goldkönig Midas.
Ringo Starr hat einmal, vielleicht etwas neidisch, gesagt, diese Hollies machen uns alles nach. Das stimmt, zumindest für jene Zeit in der ersten Hälfte der Sechziger, als der Trommler der Beatles diesen Ausspruch von sich gab. Die 1962 im englischen Manchester gegründete Gruppe hatte sich nach dem US-Rock ’n’ Roller Buddy Holly benannt. Andere Quellen sprechen davon, dass Hollies der Plural von "holly", Stechpalme, wäre. Wie auch immer, die Referenz an Charles Hardin Holley klingt schöner, umso mehr als die Hollies 1969 mit "Buddy Holly - The Hollies Sing Holly" ein Album aufnahmen, auf dem ausschließlich Songs des Mannes aus Lubbock/Texas zu hören waren. Eine Kostprobe findet sich auf der vorliegenden Kompilation: "Heartbeat" ist eines des schönsten Lieder von "the late great Buddy".
Der Name Beatles übrigens, ein Kunstwort aus Beat und Beetles, entstand als Verbeugung vor den Crickets, der Band des 1959 viel zu früh aus dem Leben Gegangenen. John, Paul, George und besagter Ringo spielten - nebenbei bemerkt - nur einen Titel des US-Amerikaners ein: "Words Of Love" vom 65er Album "Beatles For Sale". Es war der Satzgesang der Gruppe um Sänger Allan Clarke und Gitarrist Graham Nash, der Ringo so sehr an die eigene Truppe erinnerte. Aber hatten die Fab Four ihren Stil nicht auch bei den Everly Brothers abgeguckt?
Kommerziell fast mit den Beatles auf Augenhöhe
Anders aber als den Beatles gelang den Hollies, wie diese beim UK-Plattengiganten EMI unter Vertrag, kein Sprung vom Einfachen zum Komplizierten. Gleichwohl waren sie kommerziell - fast - so erfolgreich wie ihre Kollegen aus Liverpool. Immerhin brachten sie es im heimatlichen UK auf 18 Top-Ten-Hits, die Beatles schafften 22. Im Unterschied zu diesen hatten die Hollies aber nur eine Nummer 1: "He Ain’t Heavy, He’s My Brother", eine dramatische Ballade mit opulenten Streichern, eine Nummer, die noch heute in so manchem Formatsender rauf und runter gespielt wird. Der Song fehlt auf dieser Edition ebenso wenig wie das nach ähnlichem Muster gestrickte "The Air That I Breathe". Stücke, wie "King Midas In Reverse", hier in einem neuen Mix, oder "Pay You Back With Interest" aus der psychedelischen Phase in der zweiten Hälfte der Sixties zeigen, zu welchen Höhen die Band hätte aufbrechen können. Als Graham Nash 1968 zu Crosby, Stills & Young abwanderte, fehlte aber ganz offensichtlich ein kreativer Stimulus.
Nicht alles wurde zu Staub
Nach dem Ende der Ära der "klassischen" Beatmusik versuchten sich die Hollies auch an Dylan-Kompositionen, was nicht unbedingt überzeugte. "Wheels On Fire" mag als Beispiel stehen. Auch die berühmten "unreleased tracks" fehlen nicht: "The Baby" und "I Would Fly" sind Liveaufnahmen aus diesem (!) Jahr. Aber, bei allem Respekt, die Summe des Gesangs von Peter Howarth und Steve Lauri, beide seit fünf Jahren dabei, samt dem 1991 beigetretenen Ian Parker und dem Urmitglied Tony Hicks sind nicht in der Lage, die falsettartige Stimme von Meister Allan Clarke zu ersetzen. Unterm Strich erging es den Hollies in dialektischer Umkehrung fast so wie dem phrygisch-griechischen Sagenkönig Midas, den sie1968 in "King Midas In Reverse" besangen, der Song übrigens, welcher den Titel des Doppelalbums inspirierte. Nicht alles, was sie anfassten, wurde zu Staub. Vieles aber zu Gold. Ohne diese Doppel-CD wären die Hollies beileibe nicht dem Vergessen anheim gefallen. Aber "Midas Touch / The Very Best Of The Hollies" mit seinen 48 Tracks ist eine willkommene Gedankenstütze. 48 Mal.
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