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Dem Blues verpflichtetFleetwood Mac auf der Schatzinsel

01.03.2010, 08:28 Uhr
imageManfred Bleskin

Lassen Sie sich auf eine Insel entführen und entdecken Sie nicht nur den Blues. Entdecken Sie, was Gary Moore neidisch und "Black Magic Woman" tragisch machte.

Nein, es geht nicht nach "Treasure Island", und der Reiseleiter heißt auch nicht Robert Louis Stevenson. Der Schatz, den Sie heben werden, wurde auch nicht 1883 geschrieben, sondern in 1968 respektive ein Jahr darauf aufgenommen. Gleichwohl landen Sie auf einer Insel, auf der bereits mehr als 50 Schätze vergraben und gehoben wurden. Die Serie "Original Album Classics" bietet aus Rock-, Pop- und Jazz-Aufnahmen aus jener Zeit, in der viele von Ihnen noch nicht das Licht der Welt erblickt hatten oder noch blinzelnd in die Zukunft schauten.

Fleetwood Macs Geschichte ließ mich damals die Worte meines Großvaters verstehen, der stets meinte, allzu gut wäre liederlich. Der übermäßige Genuss von LSD, welches den Erfolg vermeintlich hervorgebracht hatte, wurde zum Sargnagel der Bluesband. 1970 verließ Mastermind Peter Green die Formation. Es spricht für den hohen künstlerischen Standard der restlichen Mitglieder, dass Fleetwood Mac anschließend als einer der Topacts des anspruchsvollen Softpops reüssierten.

Die vorliegenden Alben "Fleetwood Mac", "Mr. Wonderful" (beide 1968) und "The Pious Bird Of Good Omen" (1969) zeigen eine Band, die sich dem Blues noch starker verpflichtet fühlte als Rolling Stones, Animals oder Yardbirds. Peter Green war (und ist es als Solist seit ein paar Jahren wieder) ein kompromissloser Anhänger der afroamerikanischen Schwermutsmusik. Der britischen Band gelang es, anders als Led Zeppelin oder Deep Purple, nicht, sich auf dem US-Markt zu etablieren. Selbst "Albatross" von der LP "The Pious Bird Of Good Omen", eines der besten Instrumentalstücke der späten sechziger Jahre und in UK eine Nummer 1, konnte sich in den Vereinigten Staaten nicht platzieren. Auch das Album selbst wie auch "Mr. Wonderful" war in der Heimat des Blues nicht gefragt. Vielleicht lag es daran, dass Green den Blues zumeist so hart spielte, dass er ein breites Publikum nicht erreichen konnte. Vielleicht klebten Fleetwood Mac damals auch zu sehr an den Vorlagen. Elmore James’ berühmtes Riff aus "Dust My Broom" findet sich in Varianten schon auf dem Debütalbum, wurde als Song aber erst auf "Mr. Wonderful" gecovert und findet sich selbst dort in einer weiteren Variante.

Aber Greens Fleetwood Mac konnten auch Schmuseblues. "Need Your Love So Bad", der erste Titel auf "The Pious Bird Of Good Omen", dürfte einen Gary Moore neidisch gemacht und inspiriert haben. Nachgerade tragisch ist die Geschichte der Nummer "Black Magic Woman" von demselben Album. Der Song aus der Feder von Master Green brachte es als Singleauskopplung des Santana-Albums "Abraxas" 1970 zu Weltruhm.

Schade, dass es in der Box nicht noch für eine CD mehr gereicht hat. Dann wäre das geniale "Oh, Well" von der LP "Then Play On" aus dem Herbst 1969 dabei gewesen. Doch die Band ist damals zu Warner Brothers gewechselt, und im Musikgeschäft geht’s bekanntlich weniger brüderlich zu.

Gleichwohl: Ohne die drei Scheiben ist Ihre Bluessammlung unvollständig.

Fleetwood Mac: "Original Album Classics":

"Fleetwood Mac" (1968)

"Mr. Wonderful (1968)

"The Pious Bird Of Good Omen” (1969)

3CD, Columbia/Sony Music