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Manchmal reicht schon die Vorstellung von Bargeld für etwas mehr Sparsamkeit.
Manchmal reicht schon die Vorstellung von Bargeld für etwas mehr Sparsamkeit.(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Gehirn macht Dinge kompliziert: Geld regiert Verstand regiert Geld

Von Solveig Bach

Ein echtes, gut formuliertes Lob ist mehr wert als jeder Bonus. Das ist nur ein Studienergebnis im Zusammenhang mit Geld. Selten sind die Resultate so eindeutig, denn das Verhältnis von Menschen und Geld ist komplex und ziemlich spannend.

Claudia Hammond sagt von sich selbst, dass sie sich nicht besonders für Geld interessiert. Allerdings interessiert sich die britische Wissenschaftlerin und Autorin sehr dafür, was Menschen über Geld denken. Weil sie mit diesem Interesse keineswegs allein ist, gibt es zu diesem Thema jede Menge Studien. Die häufig groß angelegten Untersuchungen aus Psychologie, Verhaltens- und Konsumentenforschung sowie Neurobiologie hat Hammond nun in "Erst denken, dann zahlen", einem spannenden Sachbuch rund um die Psychologie des Geldes zusammengefasst.

Erst denken, dann zahlen: Die Psychologie des Geldes und wie wir sie nutzen können
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Denn selbst der beste Ratschlag, wie am Ende des Monats mehr Geld im Portemonnaie übrig bleibt, nutzt nichts, wenn einem das eigene Gehirn einen Strich durch die Rechnung macht. Das allerdings geschieht häufiger, als uns lieb sein kann. Hammond zufolge hat Geld "außerordentliche Macht" über unser Denken. Denn Geld sei zwar ein "geistiges Konstrukt", das außerhalb unserer Vorstellung gar nicht existiere. Dennoch sind wir in ziemlich allen Bereichen unseres Lebens davon abhängig.

Lange hätten sich die Wissenschaftler mit der Frage gequält, ob Geld ein Werkzeug oder eine Droge ist. Inzwischen sei man sich weitgehend einig, dass beides zutrifft. Und damit nicht genug: "Geld beeinflusst unsere Meinungen, unsere Gefühle und unser Verhalten." Bei 263 Studien insgesamt kommen sich die Ergebnisse jedoch gelegentlich in die Quere oder sind zumindest längst nicht so eindeutig, wie man sich das wünschen würde.

Bargeld lacht

Da die meisten das Buch aber wahrscheinlich lesen, um vielleicht doch den einen oder anderen Euro zu sparen, hat Hammond ein paar wesentliche Erkenntnisse zusammengefasst. Demnach ist unser Gehirn doch auf Bargeld gepolt. Wer also sparen möchte, sollte möglichst bar bezahlen. Geht es um einen hohen Betrag, den man doch lieber mit der Kreditkarte begleichen würde, soll man sich vorstellen, man würde die Summe abheben. Würde man den Kauf dann immer noch tätigen?

Manchmal hingegen ist es durchaus sinnvoll, sich dafür zu entscheiden, mehr Geld auszugeben. Bei All-you-can-eat-Büffets beispielsweise, sollte man das teurere dem billigen vorziehen. Denn Wissenschaftler haben bewiesen, dass man sonst eher eine Magenverstimmung riskiert, weil man sich überfrisst. Auch bei Schmerzmitteln spricht einiges für das preisintensivere Markenprodukt. Es hilft zwar nicht tatsächlich besser, trotzdem verschwinden die Schmerzen schneller. Dem Placebo-Effekt sei Dank.

Andererseits löst Geld auch nicht jedes Problem. Das sieht man daran, dass hohe Boni an die leitenden Mitarbeiter den Zusammenbruch großer Banken nicht verhindert, aber möglicherweise beschleunigt haben. Zwar gibt es nicht eine einzige Studie, die sich unmittelbar mit Boni beschäftigt, allerdings ist belegt, dass selbst hohe Boni als Verlust wahrgenommen werden, weil jemand anders wahrscheinlich noch mehr Geld bekommen hat. In diesem Fall geht es dem Topbanker genauso wie dem Dreijährigen, der für ein eher ungelenkes Bild allzu überschwänglich gelobt wird. Beiden wäre echte Wertschätzung lieber.

Aus diesem Grund sollte man auch Kinder nicht für die Erledigung von Hausaufgaben und Freunde nicht für selbstverständliche Gefallen bezahlen. Damit wird etwas Selbstverständliches zur Ware und dabei können alle Beteiligten nur verlieren. Bei allem Erkenntnisgewinn durch Hammonds wirklich gut geschriebenes Buch: Die wirklichen Wahrheiten über Geld wissen die meisten. Gib nicht ständig mehr aus als hereinkommt. Kauf nicht immerzu überflüssiges Zeug. Investiere lieber in Erlebnisse, als in Dinge. Und nicht zuletzt: Geld macht nicht glücklich. Was man damit macht, macht glücklich.

Quelle: n-tv.de

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