Unterhaltung

Sterben, Dahinscheiden, Ableben: Irgendwann ist einfach Schluss

Solveig Bach

Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben, diese Tatsache macht manchen Menschen mehr zu schaffen als anderen. Für Julian Barnes wurde seine Todesangst geradezu zur fixen Idee.

Haben Sie Angst vor dem Tod, denken Sie gelegentlich an ihn oder ist er Ihnen schnuppe? Nicht, dass ich Ihnen zu nahe treten will, aber wenn Sie Julian Barnes lesen, kommen Sie um diese Fragen sowieso nicht herum. Barnes ist vom Tod, genauer gesagt von der Tatsache seiner eigenen Sterblichkeit, geradezu besessen. Da können ihm Dichter und Denker, Freunde und Verwandte, noch und noch versichern, der Tod sei „Nichts, was man fürchten müsste“.

Erschwerend kommt für Barnes hinzu, dass er nicht an Gott glaubt. Er fürchtet, dass diese Tatsache seine Todesangst eher noch verstärkt. Das führt allerdings nicht zu spontanem Glauben, sondern nur zu weiterem Nachdenken, z.B. über die Frage, was schließlich tröstlicher ist, die Ansicht, dass wirklich Schluss ist oder die Hoffnung, dass es irgendwie weitergeht mit dem Leben in welcher Form auch immer.

Barnes kennt sie, die todesfürchtigen Dichter, Denker, Musiker, Maler und Philosophen, er fühlt sich ihnen verbunden und dennoch allein. Und so beschreibt er gnädige Todesarten und furchtbare, er steigt tief in die eigene Familiengeschichte hinab, ohne eine Erklärung zu finden, warum er so intensiv mit der Sterblichkeit hadert, während sein Bruder, ein Philosoph einfach sein Leben lebt und genießt. Hilft es Kinder zu haben, er hat keine, sein Bruder schon? Kann man aus dem Sterben der Eltern auf das eigene Ableben schließen? Steigt mit zunehmendem Alter die Bereitschaft irgendwann aus dem Leben zu gehen? Er ist über 60 und kann bisher keine Tendenzen in diese Richtung an sich feststellen.

Wozu dieses ganze Theater um das Dahinscheiden mag man sich fragen, aber Barnes gelingt es in seiner eher assoziativen Art zu schreiben immer wieder, den Leser in sein Gedankengespinst zu locken. Ein Buch, wie ein langes Gespräch. Barnes ist das geistreiche, belesene Gegenüber, dabei gnadenlos genug, die Endlichkeit des eigenen Lebens einfach nicht aus den Augen zu verlieren. Also, wie möchten Sie beerdigt werden und was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

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Quelle: n-tv.de

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