Unterhaltung
Sonntag, 06. Februar 2011

Klein, schnell und schüchtern: Messi-as, König des Fußballs

von Thomas Badtke

Pele, Cruyff, Beckenbauer, Maradona: Einer stellt sie alle in den Schatten - obwohl er nur 1,69 Meter misst. Von der Körpergröße her unterdurchschnittlich ist er auf den Fußballplätzen der Größte, der König der Welt, der "Fußballgott - Ein Phänomen, eine Legende. Sein Name: Messi.

Lionel Messi im Jubelfieber: So mögen ihn die Fans am liebsten.
Lionel Messi im Jubelfieber: So mögen ihn die Fans am liebsten.(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn über jemanden, der gerade 23 Jahre alt ist, ein Buch geschrieben wird, muss derjenige etwas ganz Besonderes sein. Die Rede ist von Lionel Andrés Messi. Torschützenkönig der spanischen Liga. Spanischer Meister, Pokalsieger, Champions-League-Gewinner, Weltpokal-Triumphator, U20-Weltmeister, Olympiasieger, Europas Fußballer des Jahres und zweifacher Weltfußballer . Der kleine Argentinier mit dem Lausbubengesicht hat mehr erreicht, als fast jeder andere Fußballprofi. Er ist auf dem Rasen ein Star und abseits der Stadien auch. Er ist der Junge, der zur Legende geworden ist. Luca Caioli erzählt seine Geschichte.

Sie beginnt 305 Kilometer von Buenos Aires entfernt, in Rosario, der patriotischsten Stadt Argentiniens. Dort, wo General Manuel Belgrano am 27. Februar 1812 zum ersten Mal das Hissen der argentinischen Nationalflagge befahl. Am 24. Juni 1987, wenige Jahre nach dem Falkland-Krieg und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Inflationsraten von zum Teil 90 Prozent, kommt Lionel Andrés Messi zur Welt. 3 Kilogramm schwer, 47 Zentimeter groß und rot wie eine Tomate. Damals ahnt seine Familie noch nicht, welch einzigartige Karriere vor dem jüngsten ihrer drei Söhne liegt.

Trikot, Ball, Wachstumshormone

Bereits zu seinem ersten Geburtstag bekommt er ein Trikot der in Rosario beheimateten Fußballmannschaft Newell’s Old Boys. Mit vier schenken ihm seine Eltern den ersten Fußball. Er ist weiß mit roten Rauten. Als er dann das erste Mal mit seinen Brüdern und seinem Vater Jorge gegen den Ball tritt, ist das Staunen groß: "Wir waren überwältigt, als wir sahen, was er alles konnte“, sagt sein Vater. Diese Reaktion auf sein Spiel wird "La Pulga" (der Floh) von da an immer wieder hören - sei es von seinem ersten Trainer Aparicio im Sommer 1992 oder seinem derzeitigen Vereinscoach Pep Guardiola.

Messi: Kleiner Mann, ganz groß.
Messi: Kleiner Mann, ganz groß.(Foto: picture alliance / dpa)

Sein Aufstieg vom kleinen fußballverrückten Jungen zum fußballverrückten Star und Idol mehrerer Generationen ist allerdings nicht unproblematisch verlaufen. Lionel hat als Kind ein Wachstumsproblem. Er ist schlichtweg zu klein. Eine kostspielige Hormontherapie, bei der er über mehrere Jahre jeden Tag eine Spritze bekommt, soll ihm helfen. Als es Unstimmigkeiten über das Bezahlen der Therapie gibt - immer öfter begleicht der Klub Newell’s Old Boys, bei dem Lionel als Kind spielt,  seinen Teil der Rechnungen zu spät - schaut sich sein Vater nach anderen "Helfern“ um. Bei River Plate Buenos Aires nimmt Lionel an einem Probetraining teil. Am Ende zieht es die gesamte Familie Messi dann nach Spanien. Ihre neue Heimat wird Barcelona. Lionel ist gerade 13 Jahre alt.

FC Barcelona, Albiceleste, Fußball-Olymp

Er durchläuft die weltberühmte Fußballschule der "Blaugrana“. An seiner Seite ist nur noch sein Vater. Seine Mutter und der Rest der Familie ist zurückgekehrt nach Rosario. Mit 16 gibt Messi sein Debüt bei den Profis, mit 17 spielt er erstmals in der spanischen Profiliga Primera Division. 17 ist er auch, als er sein erstes Liga-Tor für Barca erzielt. Seitdem traf er allein in rund 165 Ligaspielen mehr als 110 Mal ins Netz, ein Tor schöner als das andere. Wie beispielsweise sein Treffer gegen den FC Getafe am 18. April 2007: Messi bekommt den Ball von Xavi, geht an vier Gegenspielern spielerisch leicht vorbei, tanzt dann noch den gegnerischen Torwart aus - und netzt ein.

Verstehen sich: Messi und Maradona.
Verstehen sich: Messi und Maradona.(Foto: picture alliance / dpa)

Was so banal klingt, sorgt in Barcelona, in Messis argentinischer Heimat, ja auf der ganzen Welt, für Jubelstürme: "Einfach unglaublich. Die ganze Welt hat ein Lächeln auf den Lippen und doch keine Ahnung, was sie von dieser Demonstration von Ballführung, Schnelligkeit, technischem Können, Trickserie und Abschluss halten soll. Das war einfach nur beeindruckend“.

So zumindest der spanische TV-Kommentar. Was aber allen Fußballfans sofort auffällt, ist die Ähnlichkeit zu einem Treffer, den ein anderer Argentinier 21 Jahre zuvor erzielt hat, bei der WM 1986 in Mexiko im Viertelfinale gegen England. Es ist Diego Armando Maradona. Und Messis Tor ist nahezu eine Kopie von Maradonas 2:0 gegen das nach dem verlorenen Falkland-Krieg verhasste Mutterland des Fußballs.

Diego-Kopie oder Messi-as?

Argentinier lieben die "Hand" und den "Fuß Gottes".
Argentinier lieben die "Hand" und den "Fuß Gottes".(Foto: picture alliance / dpa)

Spätestens seit diesem Treffer gegen Getafe träumt ganz Argentinien wieder von einem Weltmeistertitel. Denn der "Fuß Gottes“ - wie Messi wegen seiner fantastischen Ballfertigkeiten und seines unheimlichen Ballgefühls in Anlehnung an Maradonas Spitznamen "Hand Gottes“ auch genannt wird - spielt und trickst und wirbelt in den Reihen der Albiceleste. Der laut Fifa beste Fußballer der Welt ist wieder ein Argentinier. Messi ist klein und wuselig, mit dem perfekten Auge für den besser postierten Mitspieler ausgestattet, sucht er auch den direkten Torerfolg.

Der Vergleich mit Maradona liegt auf der Hand: Beide sind klein, pfeilschnell, ballsicher und torgefährlich. Beide haben die Herzen der Argentinier erobert und sind weltweite Fußballidole. "Messi ist der neue Maradona“, titeln die Zeitungen. Messi könne sogar noch besser werden als Maradona, schreibt Journalist Caioli. Messi habe sein Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft, behauptet Barca-Trainer Guardiola.

Lionel Messi ist ein Star, der auf dem Boden geblieben ist.
Lionel Messi ist ein Star, der auf dem Boden geblieben ist.(Foto: picture alliance / dpa)

Messi selbst, der zu den Vergleichen mit Maradona immer wieder Stellung beziehen muss, sagt dagegen: "Diego ist einzigartig. Ihn wird es kein zweites Mal geben.“ Er selbst habe noch nichts erreicht: “Ich muss mich weiter entwickeln und weiter lernen. Ich versuche, mich jeden Tag zu verbessern, ein besserer Spieler zu werden.“

1,69 Meter pures Ballgefühl

Ein gutes Schlusswort für ein Buch. "Messi - Ein Junge wird zur Legende“ (Verlag: Die Werkstatt) ist eine umfassende Biografie über den derzeit besten Fußballer der Welt. Luca Caioli, der bereits ähnliche Bücher über Fernando Torres , Messis Kumpel Ronaldinho und Zinédine Zidane geschrieben hat, interviewte für sein Werk nicht nur die ersten Trainer aus Messis fußballerischen Anfangstagen oder seine jetzigen Mannschaftskollegen aus Barcelona und der Nationalelf. Caioli lässt auch Gegenspieler Messis, seine Lehrer, Jugendfreunde und seine Familie zu Wort kommen - und auch Lionel selbst, dessen größte Träume es sind, Fußballweltmeister mit Argentinien zu werden und in 15 oder 20 Jahren in seine Heimatstadt Rosario in den Kreis seiner Familie zurückzukehren.

Luca Caioli: Messi ist erschienen im Verlag Die Werkstatt und kostet 14,90 Euro.
Luca Caioli: Messi ist erschienen im Verlag Die Werkstatt und kostet 14,90 Euro.

Caioli schafft es, ein umfassendes und aufschlussreiches Porträt des kleinen Ballkünstlers zu zeichnen, der trotz seiner vielen Erfolge, seines unverwechselbaren Spielstils und seiner einzigartigen Tore noch immer bescheiden, zurückhaltend, nett, schüchtern, kurzum: der trotz seines Ruhms auf dem Boden geblieben ist.

Messi ist "ein guter Junge“ mit einem "ganz großen Herz“ geblieben. Liebenswert. Eine Legende, ein wirklich Großer seines Sports - trotz seiner erst 23 Jahre und 1,69 Meter Körpergröße. Und es werden noch viele Bücher über ihn geschrieben werden, die sich dann an Caiolis Werk messen lassen müssen.

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Quelle: n-tv.de

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