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Bobke liebt ihr Werkzeug und ihren Beruf.
Bobke liebt ihr Werkzeug und ihren Beruf.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

"Bring mich Werkstatt": Mit einer Gelben Engelin unterwegs

Von Solveig Bach

Wer mit dem Auto liegenbleibt, ruft einen Pannenhelfer. Wenn der sich als Helferin entpuppt, lässt bei vielen Fahrern die Sozialkompetenz schlagartig nach. Eine Frau soll in dieser Krisensituation die Lösung bringen? Was Susa Bobke dann erlebt, lässt sich am ehesten als Realsatire beschreiben und gibt eine lebendige Vorstellung davon, was alles so auf der Straße schiefgehen kann.

Mehr als 18 Millionen Deutsche sind ADAC-Mitglieder. Wenn sie das Licht angelassen oder den Schlüssel im Auto eingesperrt haben, wenn sie ein Rad wechseln müssten, aber nicht können, rufen sie einen Gelben Engel. Der Pannendienst des Automobilklubs ist eine Institution, knapp 1700 Gelbe Engel sind rund um die Uhr im Einsatz.

Einer dieser Engel, der bei Pannen oder Unfällen auf der Autobahn oder auf der Bundesstraße kommt, ist Susa Bobke. Sie ist eine von lediglich fünf weiblichen Gelben Engeln in Deutschland. Bobke hat in 15 Jahren auf der Straße so ziemlich jeden dummen Spruch über Frauen und Autos gehört und pariert. In "Männer sind anders. Autos auch" erzählt sie höchst vergnüglich davon.

Schon als Teenager wollte Bobke eine Ausbildung als Kfz-Mechanikerin machen. Doch Frauen nahmen damals in Autowerkstätten maximal das Telefon ab, außerdem war eine Mechanikerkarriere für ein Akademikerkind nicht unbedingt der naheliegendste Gedanke. Also begann sie Germanistik zu studieren, um beim Jobben als Taxifahrerin zu bemerken, dass ihr das doch deutlich mehr Spaß machte.  

Nach Lehre und Meisterschule wurde sie Pannenhelferin beim ADAC und hat damit nach eigenen Aussagen ihren Traumberuf gefunden. Aus den Zeiten des Germanistik-Studiums ist ihr ein herrlicher humorvoller Erzählton geblieben, der ihr Büchlein mit Döntjes aus dem Leben einer Pannenhelferin zu einer unterhaltsamen Lektüre macht.

Viele seltsame Fragen

Das Buch ist bei Droemer-Knaur erschienen und kostet 8,95 Euro.
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Denn wenn Deutschland auch eine Bundeskanzlerin hat, heißt das noch lange nicht, dass sich Autofahrerinnen und Autofahrer auch gern von einer Frau bei einer  Autopanne helfen lassen. "Wo ist ihr Kollege?" oder "Haben Sie eigentlich eine Ausbildung?" sind da noch die harmlosesten Fragen, die Bobke im Laufe der Jahre gehört hat. Und natürlich hat sie nicht geantwortet: "Nö, ich bin die Aushilfe aus dem Büro und habe mich hochgeschlafen."

Nein, sie schaut auf ihr Display, auf das die mit modernster Technik ausgestattete Pannenhilfe-Zentrale den Standort des Havaristen und mögliche Hinweise auf das Problem übermittelt hat und macht sich an die Arbeit. Das ist manchmal gar nicht so leicht, denn nicht jeder Autofahrer kann eine Panne gelassen hinnehmen oder gar Auskunft darüber geben, was sein Auto für Pannenzeichen gegeben hat.

Also versucht Bobke, die wesentlichen Informationen aus einem verzweifelten Redeschwall zu filtern und sich gleichzeitig dem Problem anzunähern. Schön, wenn der Autofahrer die Motorhaube seines Autos öffnen kann oder eingestehen, dass er vielleicht einfach das Tanken vergessen hat. Für die Behebung des Schadens ist es auch nicht erheblich, ob das Auto der Frau gehört.

Wirklich amüsant

Bobke gelingt das Kunststück, ihren Arbeitsalltag zu beschreiben, ohne dass man das Gefühl hat, dass sie die einzelnen Aspekte abarbeitet. Aber am Ende der 250 Seiten hat man trotzdem eine Menge darüber erfahren, wie die Pannenmeldung von der Autobahn zu den Helfern kommt und die dann wiederum zur Panne, welche Mucken und Macken so ein Auto haben und mit welchem Werkzeug man diesen zu Leibe rücken kann. Außerdem bekommt man eine Vorstellung davon, welche Autofahrertypen so auf Deutschlands Straßen unterwegs sind und dass Helfen ein durchaus schlauchender Job sein kann, auch wenn es nur um Autos geht.

Die Pannenhelferin ist offenbar mit einem guten Schuss Menschenliebe unterwegs, was sie aber nicht davon abhält, ihre Zeitgenossen klar und gut konturiert zu beschreiben. Wenn also ein türkischer Autofahrer einen Witz macht, dann ist das kein Pkw-Besitzer mit Migrationshintergrund, sondern ein türkischer BMW-Fahrer. Und der muss der Gelben Engelin auch unbedingt seinen Lieblingswitz erzählen. Sein "Auto springt nicht", aber das ist auch kein Wunder, denn was heißt BMW? "Bring mich Werkstatt." Na also.

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Quelle: n-tv.de

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