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Wer löst mehr Welträtsel, die Literatur oder Algorithmen?
Wer löst mehr Welträtsel, die Literatur oder Algorithmen?(Foto: REUTERS)

Google vs. Gutenberg: Mr. Penumbras sonderbare Buchhandlung

Von Solveig Bach

Bücher oder Webseiten, Kladde oder Computer, altes oder neues Wissen? Aus den scheinbar unauflöslichen Widersprüchen zwischen analoger und digitaler Welt hat Robin Sloan einen Roman gemacht, der nach Druckerschwärze riecht.

Clay Jannon ist eigentlich Webdesigner, leider darf er nach der Kunstakademie gerade mal ein Jahr in der Welt der Werbeetats, Webauftritte und Twitter-Accounts mitspielen. Dann ist die Bagel-Firma am Ende, in deren Diensten er stand, und Clay zieht mit dem Firmen-Mac-Book und dem Twitter-Account von dannen.

Nun braucht er dringend einen neuen Job, doch das ist leichter gesagt als getan, vor allem in der High-Tech-Hochburg San Francisco. "Die ganze Wirtschaft glich plötzlich einem einzigen 'Reise nach Jerusalem'-Spiel und ich wusste, dass ich mir einen Stuhl schnappen musste, irgendeinen, sobald wie möglich." Doch alle Suchstrategien eines Digital Natives wie Clay führen nicht zum Erfolg, bis er bei einem Spaziergang an Penumbras durchgehend geöffneter Buchhandlung vorbeikommt und dort als Aushilfe in der Nachtschicht anfangen kann.

Nach mehreren Nächten, in denen sich kaum Kunden in die Buchhandlung verirren und die Einnahmen beängstigend bei null liegen, wird Clay zunehmend unruhig. Das liegt nicht so sehr an den durchaus zweifelhaften wirtschaftlichen Ambitionen des Besitzers Mr. Penumbra. Vielmehr scheint es sich eher um eine Bibliothek zu handeln, in der bibliophile Schätze, von denen Clay noch nie zuvor gehört hätte und von denen nicht einmal Google etwas weiß, an besonders verschrobene Menschen ausgeliehen werden. Schließlich kann Clay seine Neugier allen Verboten zum Trotz nicht länger zügeln und schaut sich die riesigen Folianten an. Überrascht stellt er fest, dass sie lediglich scheinbare sinnlose Reihen von Buchstaben enthalten.

Vier Freunde und viele literarische Anspielungen

Das Buch ist Blessing erschienen und kostet 19,99 Euro.
Das Buch ist Blessing erschienen und kostet 19,99 Euro.

So macht sich Clay, unterstützt von einigen Freunden, daran, dem Geheimnis dieser in der Tat sonderbaren Buchhandlung auf den Grund zu gehen. Mitten in der vollkommen analogen Welt der Buchseiten, der meterhohen Regale und gedruckten Buchstaben, scheint die Lösung des Rätsels ausgerechnet in der digitalen Welt zu liegen. Das trifft es sich gut, dass Clay die Google-Mitarbeiterin Kat kennenlernt, die ihm Zugriff auf die technologische Macht der Suchmaschine ermöglicht. Zusammen mit seinem ältesten Freund aus Kindertagen, mit dem ihn noch immer die Liebe zu einem Jungsschmöker verbindet, und einem auf Filmbauten spezialisierten Mitbewohner macht er sich an die Detektivarbeit.

Ziel ist es herauszufinden, was es mit der Geheimverbindung Festina Lente und ihren Mitgliedern auf sich hat. Offenbar geht es um nicht weniger als um das ewige Leben. Doch wie clever sich die Wikipedia-geprägten Charaktere auch anstellen - mit jedem Geheimnis, das sie lüften, scheint die ganze Angelegenheit nur noch kniffliger zu werden. Und schließlich verschwindet Penumbra auch noch und lässt seine Buchhandlung ungewohnt verschlossen zurück.

Robin Sloane, ein 34-jähriger Wirtschaftswissenschaftler und früherer Twitter-Angestellter, hat ein Buch über seine beiden großen Lieben geschrieben - über Computer und Bücher. Aus jeder Seite spricht seine tiefe Überzeugung, dass sich beide bestens ergänzen, wenn man sie lässt. Und so pendelt auch die Geschichte immer wieder zwischen uralten Schrifttypen und der Erfindung des Buchdrucks, Bibliotheksgewölben und Büchergeruch auf der einen Seite und Programmierkünsten, Hörbüchern, verschiedenen E-Book-Readern und der Welt der großen Technologiekonzerne auf der anderen. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen dabei auf faszinierende Weise.

Nichts ist Zufall

So spielt beispielsweise die Schrifttype Griffo Gerritszoon im Buch eine entscheidende Rolle. Angeblich ist sie auf allen Apple-Produkten vorinstalliert, bei der Suche im realen Google findet sich jedoch eine Verbindung zu Erasmus von Rotterdam, dessen niederländischer Name Gerrit Gerritszoon lautete. Und so ist es immer bei Sloane, das allzu Offensichtliche ist dann doch noch nicht das Ende der Geschichte.

Mit viel Humor und gefällig geschrieben, hat Sloan einen echten Erstlingserfolg gelandet. Ein bisschen Liebe, ein wenig Abenteuer, viel Geheimnisvolles und jede Menge Anknüpfungspunkte für die Generation Smartphone machen das 350-Seiten-Buch zu einem leichten Lesevergnügen.

Inzwischen gibt es noch ein Prequel, in dem man mehr über Ajax Penumbra erfährt. Die 80 Seiten von "Die Unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra" sind allerdings ausschließlich als E-Book erhältlich.

"Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra" bei Amazon bestellen oder bei i-Tunes downloaden

Quelle: n-tv.de

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