Unterhaltung

Nur Mutti glaubt nicht daran: "Mutters Söhnchen" macht das schon

von Solveig Bach

Jungs sind die neuen Problemkinder. Zwischen Männlein und Männchen sollen sie perfekt werden. Das ist aber gar nicht so einfach, weil ihre Mütter mit Männlichkeit so wenig Positives verbinden, dass sie am liebsten Mädchen aus ihnen machen würden. Und sich dann wundern, warum das so gründlich schiefzugehen droht.

Im Leben aller Eltern kommt unweigerlich der Punkt, an dem sie sich eingestehen müssen, dass ihr Erziehungswerk getan ist. Für Autorin Silke Frink scheint das ein besonders harter Tag gewesen zu sein. Denn die Mutter einer Tochter und eines Sohnes hadert besonders mit der Entwicklung ihres männlichen Nachwuchses und hat darüber ihr Buch "Muttersöhnchen – Vom Schaden weiblicher Erziehung" geschrieben.

Das Buch ist beim Gütersloher Verlagshaus erschienen und kostet 16,99 Euro.
Das Buch ist beim Gütersloher Verlagshaus erschienen und kostet 16,99 Euro.

Was nach einer tiefen Auseinandersetzung mit weiblichen Erziehungsmodellen klingt, unter denen vor allem Jungen und junge Männer durchaus leiden können, erweist sich jedoch als eher selbstmitleidiger Rückblick auf einen gefühlt gescheiterten Erziehungsprozess. Schon bei der Geburt von Maik fällt der grundsätzlich emanzipierten Mutter auf, dass sie sich in einem erheblichen Spannungsfeld von Männlichkeit und Weiblichkeit befindet.

Ihr Baby wird von der Hebamme zum "Männlein" degradiert, während ihr Ehemann im Kreißsaal Männchen und trotzdem alles falsch macht. Später wird das zu einer Art innerer Emigration führen, weil sich das Nichtzutrauen der Hebamme während des Entbindungsprozesses irgendwie direkt auf die frischgebackene Supermutter übertragen hat, die in den kommenden Jahren nicht müde wird, mit der Vaterrolle ihres einst Geliebten extrem unzufrieden zu sein.

Im Direktvergleich zwischen Maik und Tochter Lysa schneidet Maik jedenfalls regelmäßig schlechter ab, was laut Frink vor allem daran liegt, dass ihr Mann sie weitgehend gewähren lässt. Wobei sich der Leser des Eindrucks nicht erwehren kann, dass ihm, also dem Ehemann, auch jede Einmischung extrem schlecht bekommen wäre. So kämpft sich also Klein-Maik durch alle "Die meisten Jungen kriegen es hin" , daddelt zu viel am Computer, hat Schulprobleme und keinen Plan, was aus seinem Leben werden soll. Mutti sorgt sich ständig und ist trotzdem oder deshalb keine Hilfe.  

Dabei lassen die Einblicke ins Familientagebuch durchaus den Schluss zu, dass da jemand heranwächst, der das schon machen wird. Daran ändert sich die Tatsache nichts, dass er beim Laternenumzug mit seiner Fackel eine Laterne abfackelt und mit elf endlich mal zu einem richtigen Friseur will. So ist denn das Lesen zunehmend von Kopfschütteln begleitet.

Was hat diese Frau eigentlich für ein Problem?  Eine frustrierte Mutter hat Angst, alles falsch gemacht zu haben. Wer hat die nicht? Darüber muss man doch kein Buch schreiben. Das ist auch nur ein bisschen witzig, weil man ahnt, dass es wirklich so war. Und die meisten Kinder gelingen ja denn auch ganz gut, sogar Maik, der am Ende sehr wohl sein Abitur schafft und seinen Zivildienst in Irland absolviert. Nur im Klappentext kommen bei Frink zwar die Kinder, aber kein Ehemann mehr vor. Das macht uns Sorgen.

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Quelle: n-tv.de

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