Unterhaltung
Donnerstag, 13. Oktober 2005

"Bizarre Wahl", "gute Wahl": Nobelpreis für Pinter

Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an den englischen Dramatiker Harold Pinter. Er habe mit seinen Dramen den "Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt", teilte die Schwedische Akademie in Stockholm mit. Die Vergabe kam völlig überraschend.

Die Akademie begründete die Vergabe an Pinter auch mit dessen literarischer Verarbeitung politischer Probleme. "Er hat sich immer mehr politisch begründetem Leiden zugewandt", hieß es. Pinter feierte am 10. Oktober seinen 75. Geburtstag. Im vergangenen Jahr wurde die Österreicherin Elfriede Jelinek mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Er ist mit 1,1 Millionen Euro dotiert.

"Ein ausgemachter Profi"

Pinter habe in seinen Dramen "aus der menschlichen Alltagssprache heraus dramatische Situationen geschaffen, die für uns die menschliche Existenz auf eine einzigartige Weise bloßstellen", sagte der Chef der Schwedischen Akademie Horace Engdahl. Der Engländer sei außerdem "als Theatermann ein ausgesprochener Profi": "Schauspieler lieben es, seine Stücke zu spielen. Er hat Dramaturgen auf der ganzen Welt fantastisches Material für ihre Arbeit gegeben."

Der Nobelpreis für Literatur wird mit Unterbrechungen seit 1901 jedes Jahr vergeben. Nach dem testamentarischen Willen des schwedischen Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) erhält derjenige den Preis, "der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat". Es soll von sehr hohem literarischem Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen. Der von der Schwedischen Akademie vergebene Literatur-Nobelpreis wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters, in Stockholm überreicht.

"Beleidigung der Weltliteratur"

Die österreichische Literaturkritikerin Sigrid Löffler nannte die Auszeichnung Harold Pinters eine "bizarre Wahl". Als "Beleidigung der Weltliteratur" bezeichnete sie der renommierte Literaturkritiker Denis Scheck. "Man sollte sich überlegen, ob man den Preis nicht umbenennen soll in 'Auszeichnung für fahrendes Volk und Theater'", sagte Scheck in Köln. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hingegen bezeichnete die Vergabe des Nobelpreises als "gute Wahl". Die Auszeichnung komme jedoch für den 75-Jährigen zu spät.

Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zeigte sich hoch erfreut über die Vergabe der diesjährigen Auszeichnung an Harold Pinter. " Ich bin begeistert", schrieb sie in einer Stellungnahme an die Kleine Zeitung in Graz. "Noch ein Linker! Und ein wunderbarer Dramatiker dazu", urteilt die Autorin. Sie werde "sofort zu feiern beginnen".

Quelle: n-tv.de

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