Deutsche Literatur in Tel AvivReich-Ranicki-Lehrstuhl
An der israelischen Universität Tel Aviv wird es künftig einen nach dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki benannten Lehrstuhl für deutsche Literatur geben.
An der israelischen Universität Tel Aviv wird es künftig einen nach dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki benannten Lehrstuhl für deutsche Literatur geben. Finanziert wird die Stiftungsprofessur vor allem von Spenden von Bürgern und Stiftungen aus Frankfurt.
Die Stadt ist seit vielen Jahren mit Tel Aviv partnerschaftlich verbunden. Bei der Einweihung des Lehrstuhls am Dienstagabend im Frankfurter Römer (Rathaus) sagte der 86-jährige Literaturkritiker, er hoffe, dass der Lehrstuhl trotz der leidvollen Vergangenheit im deutsch-jüdischen Verhältnis den jungen Studenten in Israel die deutsche Literatur nahe bringe. In keinem anderen Land hätten die Juden in der Literatur eine so große Rolle gespielt wie in Deutschland, sagte Reich-Ranicki, der in Frankfurt lebt.
Der Tel Aviver Universitätspräsident Itamar Rabinovich hatte zuvor Reich-Ranickis große Bedeutung für die deutsche Literatur gewürdigt. Der in Berlin aufgewachsene und aus einer polnisch-jüdischen Familie stammende Reich-Ranicki hatte Anfang vergangenen Jahres bereits die Ehrendoktorwürde der jüdischen Hochschule in Empfang genommen. Die Stiftungsprofessur in Tel Aviv für deutsche Literatur ist die erste dieser Art in Israel. Dort sollen künftig Gastprofessoren unterrichten.
Reich-Ranicki gilt als Deutschlands bekanntester Literaturkritiker. Der 86-Jährige hat erst vor zwei Wochen auch die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität in Berlin erhalten. Die Hochschule hatte ihm nach dem Abitur 1938 unter der Nazi-Herrschaft wegen seiner jüdischen Herkunft die Einschreibung ins Fach Germanistik verweigert.