Unterhaltung

Eine ganz besondere Kreuzfahrt: Stromberg versenkt Traumschiff

von Thomas Badtke

Eine Seefahrt, die ist lustig. Eine Seefahrt, die ist schön ... - vor allem wenn das "Traumschiff" Kurs auf Bora Bora nimmt, Christoph Maria Herbst mit an Bord ist und vor Langeweile ein Buch schreibt: "Ein Traum von einem Schiff".

Willkommen an Bord!
Willkommen an Bord!(Foto: Ergun Cankaya)

Wenn einer eine Reise macht, dann hat er viel zu erzählen. Das sagte mein Opa schon immer. Christoph Maria Herbst, bekannt vor allem aus der TV-Comedy "Stromberg", belegt diese Volksweisheit mit seinem Reisebericht "Ein Traum von einem Schiff" eindrücklich. Es geht dabei um seine Kreuzfahrt auf der "MS Deutschland", besser bekannt als das ZDF-Traumschiff.

Das Traumschiff ist einer der letzten großen Quotenbringer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Zuschauerzahlen in zweistelliger Millionenhöhe sind die Regel, nicht die Ausnahme, wenn die MS Deutschland zu ihren Kreuzfahrten zu exotisch anmutenden Urlaubszielen ablegt. Fast jeder deutsche Künstler, der etwas auf sich hält, ist schon einmal an Bord gegangen. Christoph Maria Herbst gehört neuerdings auch dazu, seit er am 14. Dezember 2009 den folgenden Anruf seiner Agentin erhielt:

Bei Anruf: Traumschiff-Kreuzfahrt

"Hallo, Christoph! Hörst du mich?"

Christoph Maria Herbst
Christoph Maria Herbst(Foto: Ergun Cankaya)

"Wenn 'Hallo, Christoph! Hörst du mich?‘ bislang alles war, ja." … "Was kann ich für dich tun?"

"Das ZDF hat angerufen."

"Kannst du absagen. Die zahlen zu schlecht."

"Absagen würde ich auch gerne, aber aus anderen Gründen. Irgendwann solltest du für die aber auch mal arbeiten."

"Was ist denn? Ist Claus Kleber gestorben?"

"Nein, Rademann."

"Rademann ist tot?"

"Hat angerufen."

"Wow. Mister Schwarzwaldklinik himself? Und ich soll Sascha Hehn spielen?"

"Mann, jetzt hör doch mal zu. - Hallo?"

"Ich hör zu."

"Es geht ums Traumschiff."

"Ich sag doch, sag ab."

"Klar. Wollte es trotzdem mit dir besprechen." …

" Was verpasse ich denn?"

"Harald Schmidt spielt mit. Jürgen Vogel wird wohl auch dabei sein. Und die Reise geht die komplette südamerikanische Westküste entlang mit Panama, Costa Rica, Ecuador, Peru und Chile und von da fliegen die in die Südsee nach Bora Bora. - Hallo?"

"Sag’s zu!"

"Aber ich –"

"Sag’s zu-hu!!"

(Zu) viel Freizeit auf dem "MS Stammheim"

Also rauf aufs Traumschiff, rauf auf den "Dampfer der Nation", rauf auf dieses "televisionäre Juwel", rauf auf den "größten deutschen Exportschlager neben der Sendung mit der Maus und dem Leopard-Panzer". Nach einem Treffen mit dem Traumschiff-Produzenten Wolfgang "Wolfjang" Rademann ist für Herbst alles eingetütet: drei Wochen Schippern auf der "schwimmenden Schwarzwaldklinik", die bereits über die sieben Weltmeere und die TV-Bildschirme schipperte, als Herbst noch Pornofilme synchronisiert hat (zwei Stück, wie er selbst schreibt). "Dat is'n Kracha!"

Christoph Maria Herbst eckt - nicht nur als "Stromberg" - an.
Christoph Maria Herbst eckt - nicht nur als "Stromberg" - an.

Ein "Kracha", sagt Herbst selbst, obwohl er in dem Buch immer wieder wie Stromberg klingt, gewissermaßen sein alter Ego aus dem TV. Die Rolle, die Herbst berühmt - wenn nicht sogar berüchtigt - gemacht hat und die er, wie es scheint, nicht ablegen kann. Aus Strombergs Haut kann Herbst nur sehr schwer fahren. Das gilt vor allem auf hoher See.

Und so wundert es nicht, dass Herbst in seinem Reise-Tagebuch kräftig austeilt: zynisch bis sarkastisch, aber immer lustig. "Wolfjang" Rademann, der Traumschiff- und Schwarzwaldklinik-Macher bekommt ebenso sein Fett weg - auf liebevolle, ehrerbietende, ja fast unterwürfige Weise - wie der Traumschiff-Kapitän. Auch eine hier nicht näher erwähnte Frau muss einstecken. Was letzten Endes, nach bereits mehr als 100.000 verkauften Exemplaren des Buches, zu einer ebenso nicht näher erwähnenswerten Unterlassungserklärung führt - von wem auch immer. Der Verlag, der hier ebenso nicht näher genannt wird, kein Scherz, muss die Auslieferung stoppen. Ein Rückruf der Bücher erfolgt, mehrere Textstellen waren geschwärzt.

Lacha, Kracha, schwarz auf weiß

Schwamm drüber! Dem Buch schadet es nicht, die Verkaufszahlen dürften eher profitieren. Aus 208 kleinen Seiten, mit großer Schrift, werden alles in allem 208 kleine Seiten, mit großer Schrift und einigen geschwärzten Stellen. Das Wichtige aber bleibt erhalten: der bissige Humor des Komikers Herbst. Er lässt es sich nicht nehmen, auch seine höchst erfolgreiche "Stromberg"-Figur durch den Kakao zu ziehen. Herbst nimmt sich selber nicht ernst und das sorgt für Lacher ohne Ende.

"Ein Traum von einem Schiff" ist auf den ersten Blick ein Buch, das man innerhalb von nur ein paar Stunden durchgelesen haben sollte. Gewissermaßen perfekt für eine Zugfahrt von Berlin nach Erfurt, oder Erfurt nach Frankfurt/Main, oder auch Erfurt nach München. Allerdings täuscht sich der werte Leser da gehörig. Nicht nur, dass man immer wieder das Buch aus der Hand legen muss, um sich die Tränen aus den Augen zu wischen. Nein, man liest es sogar zwei oder drei Mal hintereinander, nur um immer wieder neue Stellen zu entdecken, die einem ein herzhaftes "Muahahahahahaha ... Pfffffffffffffffft!" - à la des berlinernden Wolfjang Rademann - zu entlocken.

An Bord und abgelegt

"Ein Traum von einem Schiff" ist im Scherz Verlag erschienen.
"Ein Traum von einem Schiff" ist im Scherz Verlag erschienen.

Da wäre zum Einstieg beispielsweise das erste Zusammentreffen Herbsts mit Rademann, eine Art Bewerbungsgespräch für Herbsts Nebenrolle auf dem ZDF-Traumschiff. Am Ende dessen, nach immerhin elf Bieren, will Herbst dann alkohol- und freudetrunken ein Kind von Rademann und gibt folgende Sätze von sich: "Wolf ... hicks! ... Wolfgang Radeber ... äh ... Rademann! Genaussso hab ich kir ddich vorge ... hicks! ... vorgestellt: bescheiden und ßurückhaltend. Mit einem Wort, genauso knallaknüllakrache, ... hicks! ... wie ich deine Fi ... hicks! ... Filme und Serien finde, und es wird mir eine Ehre sein, auf deinem Fuck ... hicks! ... auf deinem Flaggschiff mitfahren zu dürfn!"

Rademann: "Mein Junge, ich freu mia. Willkommen an Bord!" Dem ist nichts hinzuzufügen. Wer bei der Lektüre eines Buches mal wieder so richtig ablachen will und dies gegebenenfalls auch gern in der Öffentlichkeit macht, egal ob in der Bahn, im Bus oder auf dem Schiff, dem sei Christoph Maria Herbsts Buch dringendst ans Herz gelegt. Es ist ein "Kracha, ein Knülla, 'n Traum"!!!

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Quelle: n-tv.de

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