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Diese Flasche enthält eine besondere Botschaft.
Diese Flasche enthält eine besondere Botschaft.(Foto: imago/Michael Eichhammer)
Montag, 17. April 2017

Antwort auf die Flaschenpost: "Und plötzlich schreibt das Meer zurück"

Von Solveig Bach

Was macht man, wenn der Vater auf See verschollen ist? Tom versucht es mit einer Flaschenpost, auf die wahrscheinlich nie jemand reagiert. Doch dann bekommt er tatsächlich Antwort und es scheint: Er ist nicht der Einzige, der glaubt, dass sein Vater noch lebt.

Es ist eine anrührende Geschichte, ebenso einfühlsam wie unsentimental. Ganz ohne magischen Schnickschnack stellt der Brite Alex Shearer in "Und plötzlich schreibt das Meer zurück" die großen Fragen des Lebens, verhandelt zwischen zwei Menschen, von denen der eine noch recht jung und der andere offenbar tot ist. Und es stellt sich heraus, dass die Trauer nicht nur traurig und Hoffen, Vermissen und Lieben unbegrenzt sind.

Und plötzlich schreibt das Meer zurück
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Eines Tages schreibt Tom Pellow eine lange Nachricht, steckt sie in eine Flasche, schraubt diese zu und wirft sie, so weit er kann, ins Meer - weil im Radio ein Lied lief: "Message in an Bottle". Nur darum. Genauso hatte es schon sein Vater gemacht, aber nie eine Antwort bekommen. Und nun ist der Vater auf See verschollen, seitdem vor einem Jahr das riesige Containerschiff unterging, auf dem er als Seemann unterwegs war.

Tom will einfach ein "Hallo" senden. Er erwartet keine Antwort und hofft doch darauf. So wie er sich insgeheim immer noch wünscht, sein Vater käme zurück. Weshalb er der ersten Flasche noch vier weitere folgen lässt, am Ende eine, die seine Mutter selbst getöpfert hat. Er spinnt in den Briefen herum, hinterlässt seine E-Mail-Adresse, stellt ein Ultimatum.

Freude und Gänsehaut

Er wartet. Und während er wartet, stromert er am Strand herum oder leistet seinem Onkel auf der kleinen Fähre, die zwischen zwei Flussufern pendelt, Gesellschaft. Als er schon fast nicht mehr damit rechnet, taucht eine Flasche auf. Genauer gesagt, die erste Flasche, die er selbst ins Meer geworfen hat. Ihr Glas ist durch Kratzer und Verwitterung ganz rau geworden, aber es ist seine Flasche, und sie ist offenbar ziemlich weit herumgekommen.

Sie enthält ein Stück Stoff, beschrieben in einer feinen spinnwebhaften Handschrift. Der Junge ist überwältigt von der Tatsache, dass er Antwort bekommen hat. Gleichzeitig gruselt es ihn:  Wenn er die Flaschenpost richtig versteht, ist sie die Nachricht eines Toten. Irgendwo am Meeresgrund gäbe es dann einen Platz, an dem sich die toten Seeleute aller Jahrhunderte versammeln und ihre Geschichten erzählen. An dieser Stelle muss Tom nachfragen und schreibt eine weitere Flaschenpost. Daraus entwickelt sich ein Flaschenpost-Briefwechsel, zwischen dem Jungen und einem Mann namens Ted Bones, der an einem Ort namens Davy Jones' Kiste ist.

Einen Samuel Pellow kennt man dort nicht. Aber wenn sein Vater nicht bei den toten Seeleuten ist, wo ist er dann? In Tom wächst die Hoffnung, dass sein Wünschen und Sehnen vielleicht doch etwas bewirken könnte. Er hofft für sich, seine Mutter und seine Schwester Marie. Aber am meisten für sich.

Tom ist ein ganz normaler Junge, ein bisschen schrullig, ziemlich taff, ein bisschen verschlossen, ein bisschen verloren. In seinem Dorf an der Küste ist er kein Sonderfall, nahezu jede Familie hat irgendwann einen Angehörigen ans Meer verloren. Sein Großvater ist schon vor seiner Geburt auf dem Meer geblieben. Tom hat seine Familie und Freunde wie den alten Dave Stovey, den er immer ein bisschen verdächtigt, hinter den Flaschenbotschaften zu stecken. Er vermisst seinen Vater nur so schrecklich. Deshalb kann er nicht aufgeben. Doch als er genau das versucht, findet sich plötzlich auf alles eine Antwort.

Quelle: n-tv.de

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