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Der Fotograf im Türrahmen: Willy Brandt, Nowosibirsk 1975.
Der Fotograf im Türrahmen: Willy Brandt, Nowosibirsk 1975.(Foto: Volker Hinz)

"In Love with Photography": Volker Hinz - der Fotograf der Fotografen

Von Andrea Beu

Stars, Politiker, Fotografen, Modedesigner: Volker Hinz hat sie 50 Jahre lang fotografiert; viele seiner Bilder wie das von Beckenbauer und Pelé nackt in der Dusche sind sogar berühmt geworden. Ein Vier-Kilo-Prachtband erlaubt einen Blick in sein riesiges Archiv.

Willy Brandt, Karl Lagerfeld, Kate Moss, Woody Allen, Sebastião Salgado - man könnte diese Liste berühmter Namen endlos fortsetzen, die Volker Hinz mit der Kamera festgehalten hat. Denn Hinz ist ein Porträtfotograf, dessen Bilder die meisten von uns kennen - er war von 1974 bis 2012 Fotograf für das Magazin "Stern". (Ende Juli 2012 ging er als letzter "Stern"-Redaktionsfotograf in den Ruhestand.) Seine berühmte Nackt-Aufnahme von Franz Beckenbauer und Pelé in der Dusche war vor einiger Zeit sogar Teil einer Quizfrage bei Günther Jauch.

Volker Hinz bei einer Ausstellung in Hamburg vor seinem Foto mit Beckenbauer und Pele in der Dusche.
Volker Hinz bei einer Ausstellung in Hamburg vor seinem Foto mit Beckenbauer und Pele in der Dusche.(Foto: picture alliance / dpa)

Hinz, geboren im Juni 1947, ist 2012 zwar in den Ruhestand gegangen, untätig war er seitdem aber nicht. Im Gegenteil - er hat tief in seinem riesigen Archiv gekramt, um Fotos herauszusuchen und zusammenzustellen, die seine titelgebende Liebe zur Fotografie bildlich darstellen sollen - entstanden in fast 50 Jahren Arbeit und nun zu sehen im Prachtband "In Love with Photography", mit einem Text von Peter-Matthias Gaede (deutsch und englisch).

Im Archiv kramen darf man dabei wörtlich nehmen, denn Hinz fotografiert nicht digital, sondern analog - mit Leica, Nikon, Rolleiflex oder Hasselblad. Dementsprechend sind die Fotos auch nicht alle auf einer Festplatte zu finden, sondern in Kisten und Kartons. Hinz ist ein "Menschensammler", kein Techniker - er will mit seinen Bildern Geschichten erzählen, "Fototechnik interessiert mich nicht. Mich interessiert, was die Bilder erzählen", sagte er in einem Interview mit dem "Fotomagazin". Er legt Wert darauf, "dass die Persönlichkeit des Porträtierten" rüberkommt. Darum spricht er während der Aufnahmen auch mit ihnen und "führt Regie", wie er es selbst nennt.

"Böse Bilder"

"In Love with Photography" ist bei Edition Lammerhuber erschienen, gebunden, Special Edition, 424 Seiten, 371 Fotos, 249 Euro
"In Love with Photography" ist bei Edition Lammerhuber erschienen, gebunden, Special Edition, 424 Seiten, 371 Fotos, 249 Euro

Allerdings ist Hinz auch berüchtigt für seine "bösen Bilder", seine Schnappschüsse, die er unbemerkt macht und die den Fotografierten nicht selten in einer ungünstigen Pose erwischen und festhalten. Denn Hinz trug seine Kamera oft wie ein Baby mit sich herum, in die Armbeuge gelegt, immer bereit, schnell abzudrücken. Schnell und nah dran.

So entstanden auch viele Aufnahmen außerhalb von Auftragsarbeiten, Familien- und Selbstporträts und zufällig wirkende Momentaufnahmen. Ein großer Schwerpunkt seiner Fotografie aber sind seine Kollegen hinter der Kamera: Anton Corbijn und Richard Avedon, Peter Lindbergh und Helmut Newton, Annie Leibovitz und Sibylle Bergemann, Ute und Werner Mahler, Steven Meisel und F.C. Gundlach, Jim Rakete und Rene Burri - um nur einige aus dem großen Fotografen-Portfolio von Volker Hinz zu nennen.

Drei Sekunden entscheiden

Sein Anspruch bei all seinen Fotos, ob Prominenten-Porträt oder Familienschnappschuss, ist aber: Wenn ein Bild nicht innerhalb von drei Sekunden auf den Betrachter wirkt, dann kann man es vergessen. Im 4,2-Kilogramm-Band "In Love with Photography" sind nun 371 Fotos zu sehen, die dieser strengen Prüfung durch Volker Hinz standgehalten haben.

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Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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