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Wir werfen einen Blick durch's Schlüsselloch - herrlich!
Wir werfen einen Blick durch's Schlüsselloch - herrlich!(Foto: imago/PanoramiC)

Rat von Ines de la Fressange: Was ziehe ich heute bloß an?

Von Sabine Oelmann

Was soll ich heute anziehen? Ewig die gleiche Frage. Meist sieht es ja tatsächlich so aus: Der Schrank ist voll, und trotzdem findet man/frau nichts. Dabei ist es so einfach! Und höchstwahrscheinlich haben Sie auch schon alles, was Sie dazu brauchen.

Das ist die gute Nachricht Nummer eins: Sie brauchen nicht unbedingt etwas Neues kaufen. Und die gute Nachricht Nummer zwei ist: Die Frau, die den ultimativen Pariser Chic verkörpert und uns all diese wertvollen Ratschläge gibt, ist gar nicht aus Paris. Was wiederum bedeutet, dass es für jede, wirklich jede Frau, möglich ist, sich wie eine Pariserin anzuziehen, selbst, wenn sie aus Berlin kommt. Oder aus Castrop-Rauxel.

Ein strahlendes Lachen - immer noch der schönste Schmuck.
Ein strahlendes Lachen - immer noch der schönste Schmuck.(Foto: imago/PanoramiC)

Ines de La Fressange, so der klangvolle Name der Autorin, ist ein Top-Model gewesen in den 80er-Jahren. Aber so eines von der nahbaren Sorte, nicht mit allzu viel "Allure" im Kopf, sondern eher mit einer gesunden Arbeitsmoral. Sie war die Muse von Karl Lagerfeld. Nun ist sie Kreativ-Beraterin von Roger Vivier, entwirft für die japanische Klamottenkette Uniqlo und hat eine eigene Flagship-Boutique in Paris. Sie ist natürlich groß und schlank und dunkelhaarig und besitzt diese lässige Eleganz, von der wir anderen immer geträumt haben. Aber damit ist nun Schluss, denn ein bisschen können wir ab jetzt so sein wie sie.

Es ist ja nicht nur so, dass wir uns jeden Morgen vor dem Schrank winden und fragen, was denn nun anzuziehen sei. Es geht auch um Einladungen bei Freunden zum Essen, wo wir lässig, aber nicht nachlässig sein wollen. Es geht um die Cocktail-Party, das Klassentreffen, die Einladung beim Chef, das Vorstellungsgespräch, ja selbst um die Stunden auf dem Spielplatz, wo Mütter sich mitunter manchmal den größten Battle liefern und gern in das Muster verfallen: Jungsmutter = derselbe lustige Topfschnitt wie der Kleine und Boyfriend-Jeans, egal, ob der Hintern es hergibt oder nicht, und Mädchenmutter = lustige Haarspange im mittellangen Haar plus Tutu an Leggings, *schüttel*. Dann lieber völlig overdressed auf die Vernissage, als so auf die Schaukel!

Alles kann, nichts muss

"C" wie "Cannes" - ein schöner Rücken kann auch entzücken, klar.
"C" wie "Cannes" - ein schöner Rücken kann auch entzücken, klar.(Foto: imago/Independent Photo Agency)

Damit uns das nicht mehr passiert, hat sich Ines de la Fressange - diesen Namen muss man sich aber auch mal laut auf der Zunge zergehen lassen - ein weiteres Mal hingesetzt und mit manikürter Hand niedergetippt, was die Dame von heute so aus sich machen kann, ohne allzu viel Zeit und Geld zu investieren. Damit bleibt sie herrlich auf dem Teppich, denn natürlich kann "eine Umhängetasche, schwarz" von Fendi, Chloé oder Chanel sein, muss sie aber nicht. Natürlich können Schuhe von Louboutin sein, sie können aber auch bei Deichmann gekauft werden. Und nachdem sie ihre meisten Geheimnisse bereits in "Pariser Chic - Der Style Guide" verraten hat und wir wissen, dass der Pariser Chic ganz einfach eine Einstellungssache ist, können wir in "Was ziehe ich heute an?" blättern wie in einem Telefonbuch.

Zum Beispiel unter "G" wie "Grundsolide Gartenparty": Was brauchen Sie? Nach Ines de la Fressange eine Seersucker-Hose, eine weiße Volant-Bluse, Naturledersandalen, eine lange Perlenkette, bunt, und eine Strohtasche - Modell Ibiza oder auch Sylt. Oder eben Saint-Tropez. Fangen wir mal mit der Tasche an: Die kann man im nächsten Urlaub im Süden auf dem Markt sehr günstig erwerben, kann man aber auch sehr teuer kaufen, am liebsten mit einem "Peace"-Zeichen aus Pailletten oder einem Smiley drauf. Dann gerne eine Null teurer. Das Schöne ist: Ines nähme sicher die günstigere, unbemalte, weil zeitlose Strohtasche (und hängt einen Anhänger ran), und sie hätte sicher nichts dagegen, wenn Sie die Seersucker-Hose gegen eine lässige Jeans tauschen. Bei Flip-Flops statt Naturledersandalen allerdings könnte sie streng werden, die stehen nicht unter "Essentials". Ach ja, gleich am Anfang des Buches können Sie ankreuzen und eine Check-Liste machen von Dingen, die Sie bereits haben: Jeans. Weißes T-Shirt. Schwarzes T-Shirt. Ballerinas. Gummistiefel. Blazer. Bedrucktes Halstuch. Langes Blusenkleid. Check, check, check, weiß nicht, nee, lieber neu kaufen, check. So geht das.

Machen wir weiter. Die Every-day-Qual: "Ich habe drei Minuten Zeit, um mich anzuziehen, damit ich noch rechtzeitig im Büro bin." Sie brauchen: einen beigen Mantel, eine schwarze (Cord-)Hose, einen schwarzen (Rollkragen-)Pullover, einen schwarzen Gürtel, Motorradstiefel, eine Umhängetasche. Der Tipp bei Hektik: Bleiben Sie schlicht.

Die Samtjacke - in Weinrot ... ist doch ganz schön ...
Die Samtjacke - in Weinrot ... ist doch ganz schön ...(Foto: imago/AFLO)

Der nächste Fall: "Ich habe einen anstrengenden Tag vor mir": Madame empfiehlt eine bedruckte Seidenhose, einen V-Pullover, schwarze Samtloafer, goldene Armreifen, eine klassische Armbanduhr. Sie haben gezuckt. Bei den Samtloafern? Ja, dann eben Ballerinas, oder Sneaker. So streng muss man das alles nicht sehen. Das Schöne ist: Alles, was de la Fressange vorschlägt, kommt in ihrem Buch immer wieder vor. Nehmen wir mal das Glitzertop, das wir gut und gerne zum Geburtstag der Freundin anziehen dürften, das geht aber auch im Kapitel "Saturday Night Fever" und zur Not sogar an Silvester. Über die Samtloafer sollten wir jedoch nochmal nachdenken, denn die kommen insgesamt viermal vor, der Samtblouson hingegen nur einmal. Richtig sinnvoll sind - wer hätte das gedacht - blaue Jeans, weißes T-Shirt und hohe schwarze Pumps oder Sneakers zum Schnüren. Das macht unser Vorhaben, eine Weile mal auf Klamotten-Diät zu gehen und NICHTS zu kaufen, doch gleich total reell, oder?

Und um das Schlimmste zu vermeiden, lernen wir das Kapitel "20 modische Faux-Pas" auswendig! Also: Raus mit den Keilabsätzen und den Hosenröcken, den gefälschten Designertaschen und den Leggings, den BHs mit den durchsichtigen Trägern (man sieht sie ja doch!) und den T-Shirts mit den kleinen Katzen drauf. Das wird hart, ja, aber Sie schaffen das!

Und behalten Sie einen - Ihren! - klaren Kopf, denn unter "20 modische Kniffe" steht zum Beispiel auch: "Eine Perlenkette als Gürtel." Das könnte eng werden …

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Quelle: n-tv.de

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