Sonntag, 27. November 2011
Der Countdown läuft: Weihnachten mit Maus und ohne Gans
von Solveig Bach
Es wird Weihnachten, noch nicht gleich, aber demnächst. Damit stellt sich wieder die Frage nach Tannengrün im Wohnzimmer und Lichterglanz in den Fenstern. Und natürlich die alles entscheidende Frage: Was gibt es zu Weihnachten zu essen?Auch wenn man schon seit September meint, Weihnachten müsse ja schon unmittelbar vor der Tür stehen, weil in den Supermärkten schon Weihnachtsmänner und Lebkuchen aus den Regalen quellen, ist es erst jetzt soweit. Damit beginnt auch wieder die Zeit des Bastelns und Backens. Doch nicht jeder hat das Back- und Bastelgen. Damit auch bei denen die Vorweihnachtszeitzeit mit Plätzchenduft und Tannengrün einziehen kann, hat Illustratorin Marjolein Bastin, die Maus Vera und ihre Freunde erfunden und sie einige Tage vor Weihnachten begleitet.
Vera, ihr Cousine Bianca, der Maulwurf Frits, der Zaunkönig Kipje, Mäusepüppchen Popje und Hund Saar müssen einen Baum schmücken, Kekse backen und ein bisschen dekorieren. Leider merkt man dem Buch über alle Maßen an, dass Bastin mehr als alles andere eine Zeichnerin und Malerin ist. Deshalb sind ihre Illustrationen wunderbar lebendig, die Weihnachtssterne glitzern, die Freunde bilden ein lustiges Kuddelmuddel mit Tannengrün und Stechpalmenzweigen, die Mandelkerne glänzen und der Schnee fällt in dicken Flocken vor dem Fenster.
Doch die Geschichten rund um die Bilder fallen ziemlich dünn aus. Und auch die Anleitungen für Weihnachtsplätzchen oder Sternenäpfel kann man wahrscheinlich in einer aktuellen Frauenzeitschrift besser nachlesen. Bastin sollte sich wohl wieder auf die charmante Stärke ihrer Bilder verlassen und für die Geschichten Unterstützung holen.
"Vera feiert Weihnachten" im n-tv shop kaufen
Guten Appetit
"Weihnachten ohne Gans" kostet als Insel-Taschenbuch 7 Euro.
Für viele ist Weihnachten ohne ein üppiges Mahl oder wenigstens das traditionelle Essen undenkbar. Doch dass das Weihnachtsmenü durchaus seine Tücken haben kann, ist nicht erst seit der Weihnachtsgans Auguste allseits bekannt. Denn nicht nur Gänse, auch Karpfen überleben alljährlich unerwarteterweise das Fest der Liebe, das sie eigentlich mit ihrem köstlichen Geschmack krönen sollten.
"Weihnachten ohne Gans" ist eine amüsante Sammlung mit lauter Geschichten über kulinarische Katastrophen am Heiligen Abend. Denn es ist nicht nur eine Schwierigkeit, die Gans tatsächlich zu schlachten ("Die Weihnachtsgans Auguste" und "Die Geschichte vom Weihnachtsbraten), sondern mindestens eine genauso große, sie zuzubereiten. Beim Karpfen gestaltet sich das Problem ähnlich ("Der große Karpfen Ferdinand").
Und dann sind da noch die Ausnahmefälle wie Schokoladenfondue ("Der Schokoladenbrunnen") und Essenstraditionen am Heiligen Abend überhaupt ("Diesmal: Languste oder Lachs?"). Beim Schmökern durch das Taschenbuchbändchen gerät man unweigerlich in Weihnachtsstimmung. Da stellen sich Bilder ein von geschmückten Wohnzimmern und Tellern voller Klöße und Rotkohl, denn Gans gibt es ja nicht. Die besten Pleiten, Pech und Pannen-Essen drängen sich ins Bewusstsein, von verbranntem Fleisch und vergessenen Zutaten. Ganz nebenbei erinnert man sich, dass Weihnachten eine familiäre und soziale Herausforderung ist, weil viele Menschen viel zu viele Tage viel zu nah beieinander sind. Und irgendwie schleicht sich Vorfreude ins Herz, vielleicht kann man ja wenigstens schon mal was backen.
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