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Zitronenbäume sind empfindlich.
Zitronenbäume sind empfindlich.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Welt der Zitrusgewächse: Wo die Zitronen blühen

Von Wilhelmine Bach

Kölnisch Wasser, Fanta oder Christstollen: Zitrusfrüchte haben einen festen Platz in unserer Kultur. Trotzdem wissen wir erstaunlich wenig über sie. Ein Philosoph und eine Gärtnerin wollen das ändern.

Wussten Sie eigentlich, dass es sich bei den "goldenen Äpfeln der Hesperiden" wahrscheinlich um Zitronen gehandelt hat? Oder, dass ausgerechnet die Zitrusfrüchte, die als Inbegriff des mediterranen Lebensgefühls gelten, ursprünglich aus dem Himalaja stammen? Die Zitrone und ihre Verwandten sind zwar aus dem Alltag der meisten Europäer nicht wegzudenken, wir wissen trotzdem nicht besonders viel über sie.

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Aus diesem Grund haben sich Andreas Honegger und seine Frau Mina zusammengeschlossen, um auch andere mit ihrer Begeisterung anzustecken. Denn die auch als Agrumen bezeichneten Sauerfrüchte lassen sich aus allen möglichen Blickwinkeln betrachten. Ob botanisch, geschichtlich-kunsthistorisch, gärtnerisch oder kulinarisch, die Autoren entführen auf einen Spaziergang, der fast so vielfältig ist wie die Früchte selbst.

Die wohl überraschendste Entdeckung der letzten Jahre ist, dass die zu den Rutaceaen gehörende Gattung Citrus eigentlich nur aus drei Arten besteht. Kaum zu glauben, bei der schier unendlichen Vielfalt von Clementinen, Limetten und Pomelos, die zu jeder Jahreszeit die Supermarktregale füllen. Doch molekularbiologische Untersuchungen ergaben, dass lediglich die Pampelmuse (Citrus maxima), die Mandarine (Citrus Reticulata) und die Zitronatzitrone (Citrus medica) eigenständige Arten sind. Alle anderen Sorten entstanden durch Kreuzungen, Mutationen und Hybridisierungen. So sind zum Beispiel Orange und Bitterorange das Resultat einer Kreuzung zwischen Pampelmuse und Mandarine, die Zitrone wiederum entstand aus Zitronatzitrone und Bitterorange.

Luxus, Öle und viel Geschmack

Zunächst waren Zitrusfrüchte vor allem ein Zeichen für Wohlstand. Davon zeugen nicht nur die aufwendigen Verpackungen der Nachkriegszeit, sondern bereits die gewaltigen Orangerien, die im 18. Jahrhundert die empfindlichen Pflanzen vor den mitteleuropäischen Frösten schützen sollten und als Inbegriff für Macht und Geld standen. Die jüdische Kultur kennt die Zitronatzitrone als eine der Opfergaben beim Laubhüttenfest, wo sie in wertvollen Gefäßen aufbewahrt wird, an Weihnachten wandert die kandierte Schale dagegen in Stollen und Plätzchen.

Doch auch wenn Zitrusfrüchte und -pflanzen heute viel erschwinglicher und zugänglicher sind, muss sich auch der Gärtner immer noch mit den Eigenheiten der wärmeliebenden Pflanzen auseinandersetzen. Dazu hat Mina Honegger die Früchte jahrelanger Erfahrung zusammengetragen, die es ihr ermöglichen, dauerhafte Freude an den schönen Exoten zu haben.

Doch natürlich werden Zitrusfrüchte, so schön sie auch sein mögen, vor allem für ihre vielen Verwendungsmöglichkeiten geschätzt. Die ätherischen Öle der gelb gefärbten Flavedo werden genutzt, um einzigartigen Geruch zu verleihen, dem berühmten Eau de Cologne ebenso wie Schwarztee. Doch auch in der Küche kommen sie vielfältig zum Einsatz und zwar nicht immer nur in Kombination mit Fisch. Honeggers kochen die sauren Früchte mit Geflügel und sogar Kalb.

Also legen Sie sich auf die Terrasse, genießen Sie einen eiskalten italienischen Zironenlikör. Und bei diesem Gläschen Limoncello lassen Sie sich entführen in die faszinierende Welt der Zitrusfrüchte.

Quelle: n-tv.de

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