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Reichsmarschall Göring bereicherte sich gnadenlos.
Reichsmarschall Göring bereicherte sich gnadenlos.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Im Namen des Blutes: Wo ist Görings "Nazi-Schatz"?

Von Katja Sembritzki

Hermann Göring besaß nach Adolf Hitler die zweitgrößte NS-Raubkunstsammlung. Viele der Objekte gelten bis heute als verschollen. Was ist mit ihnen passiert? Wer ließ sie verschwinden? Ein Schweizer Bankierssohn macht sich auf die gefährliche Suche.

Pierre Simenon will literarisch in die Fußstapfen seines Vaters Georges treten.
Pierre Simenon will literarisch in die Fußstapfen seines Vaters Georges treten.(Foto: Photo Sandrine Roudeix © Flammarion)

Hermann Göring raffte während des Nationalsozialismus alles an Wert zusammen, was er auftreiben konnte: Gemälde, Skulpturen, kostbare Teppiche und antike Möbel, das meiste davon aus dem beschlagnahmten Besitz jüdischer Familien. Viele der insgesamt weit über 4000 Objekte riss er durch Raub und Erpressung an sich, andere kaufte er auf.

Während ein Großteil der Gegenstände nach dem Zweiten Weltkrieg gefunden und, wenn möglich, an die rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben zurückgegeben werden konnte, gelten viele Raubkunstwerke noch immer als verschollen. Um den Verbleib einiger Bilder, wie zum Beispiel den "Turm der Blauen Pferde" von Franz Marc, ranken sich ganze Legenden. Und auch der Mythos eines "Schatzes" ist noch immer nicht ganz aus der Welt, denn angeblich soll der Reichsmarschall von Adolf Hitler neben seiner Kunstsammlung auch über beträchtliche Mengen an Diamanten und Goldbarren verfügt haben. Von Zeit zu Zeit finden Grabungen statt, wird in Seen nach der Nazi-Beute gesucht – ohne Ergebnis.

Väter und Söhne

Der Roman ist beim Limes Verlag erschienen und kostet 19,99 Euro.
Der Roman ist beim Limes Verlag erschienen und kostet 19,99 Euro.

Grund genug für Pierre Simenon, hauptberuflich Anwalt in Los Angeles und jüngster Sohn der französischen Krimilegende George, in seinem Debüt-Roman "Im Namen des Blutes" darüber zu spekulieren, wo sich das verschollene Raubgut befinden könnte. Er lässt Göring heimlich veranlassen, im März 1945 ganze Lastwagen voll mit ergaunerten Kostbarkeiten in die Schweiz zu schmuggeln. Dort sollen sie in einem Banktresor eingelagert werden. An der Operation nimmt angeblich auch Paul Demarsands teil, der der Schweizer Bankiersfamilie entstammt, deren Geldhaus das Ziel der Lastwagen-Kolonne ist.

Als dessen Sohn Antoine lange nach dem Tod des Vaters mit diesem Verdacht konfrontiert wird, ist es für ihn ein schwerer Schlag. Hat der Vater wirklich mit den Nazis kooperiert? Und wenn ja, wie passt das dann mit der Tatsache zusammen, dass er Juden geholfen hat, über die Grenze in die Schweiz zu fliehen? Antoine lassen die Vorwürfe keine Ruhe und er ist fest entschlossen, die Wahrheit herauszufinden. Dafür muss er der Spur der Beutekunst folgen – und die scheint nicht in der Schweiz zu enden. Je tiefer er in die Vergangenheit vordringt, desto gefährlicher wird es für ihn und seine Familie. Denn natürlich gibt es Menschen, darunter sehr einflussreiche, die nicht wollen, dass die alten Vorgänge wieder ans Tageslicht kommen.

Zu viel Zufall, zu wenig Klasse

Simenon hat zwar einen temporeichen Roman verfasst, nach solidem Krimi-Schema gebaut, aber er hat es dabei etwas übertrieben: Es wird gemordet ohne Ende (nebenbei bemerkt: Profikiller sind bei Simenon auch nicht mehr das, was sie mal waren), einige Abschnitte erinnern eher an das Drehbuch für einen Action-Thriller und die ganzen Zufälle ist man irgendwann einfach leid. Auch die Personen bleiben dem Leser seltsam fremd. Dem Autor gelingt es nicht, ihnen Individualität und Lebendigkeit zu verleihen.

Fast 500 Seiten und unzählige Leichen später kann auch das Ende nicht mehr überraschen. Schade, denn das Thema hat eigentlich das Potenzial für einen wirklich spannenden Krimi.

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Quelle: n-tv.de

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