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Mike sieht aus wie ein Loser. Phoebe ist in seinen Augen perfekt. Aber beide haben ein Geheimnis, von dem nur einer der beiden weiß.
Mike sieht aus wie ein Loser. Phoebe ist in seinen Augen perfekt. Aber beide haben ein Geheimnis, von dem nur einer der beiden weiß.(Foto: Concorde)

Kiffer, Schläfer, Killer mit Löffel: "American Ultra": Der Titel ist Programm

Von Thomas Badtke

Führt die CIA strenggeheime Experimente an Menschen durch? Denkbar. Entstehen dabei menschliche Killermaschinen? Absolut. Aber wie wird man die dann wieder los?

Auf den ersten Blick sind sie das perfekte Loser-Paar. Phoebe ist perfekt und Mike der absolute Loser. Wie der unter Panik-Attacken leidende dauerbekiffte Verkäufer an die Frau gekommen ist, weiß er nicht mehr. Aber was er hundertprozentig weiß, ist: Er muss sie heiraten. Auf Hawaii will er Phoebe den Antrag machen. Klassisch. Auf Knien. Doch dazu kommt es nicht.

Für Phoebe würde Mike alles tun - und er tut es.
Für Phoebe würde Mike alles tun - und er tut es.(Foto: Concorde)

Seine Panik-Attacken verhindern es. Mike kann die versiffte US-Kleinstadt Liman nicht verlassen. Versucht er es doch, dreht sich erst sein Mageninneres nach außen, danach bricht er dann zusammen. Und so entschuldigt sich Mike wieder einmal bei Phoebe: Es tue ihm leid. Alles tue ihm leid. Sie wäre ohne ihn bestimmt besser dran. Sie habe etwas Besseres verdient. Aber Phoebe schaut nur stur auf die Straße und fährt sie beide vom Flughafen zurück nach Hause.

Das Leben des jungen Pärchens geht weiter wie immer. Beschaulich. Irgendwie langweilig: Mike sitzt hinter dem Kassentresen eines kleinen Supermarktes. Arbeitet er nicht, kifft er und denkt sich Geschichten über einen Weltraum-Affen aus: Apollo Ape - denn der ist frei von Angst, kann überall hin.

Der erste Eindruck kann täuschen

Lasseter macht aus Kiffer-Mike den Killer-Mike.
Lasseter macht aus Kiffer-Mike den Killer-Mike.(Foto: Concorde)

Als Mike wieder einmal die Zeit bei der Arbeit totschlägt, steht plötzlich eine wildfremde Frau vor ihm. In ihrem Trenchcoat und mit der Sonnenbrille sieht sie aus wie einer dieser Geheimagenten in schlechten Hollywoodfilmen. Das denkt Mike aber nicht, er kommt gar nicht erst dazu - denn die Frau spricht ihn an.

"Chariot Progressive, Achtung: Mandelred-Set hat begonnen. Echo Choir ist aufgeflogen. Wir eröffnen das Spiel." Mike schaut sie an. Die mysteriöse Frau wiederholt die Sätze. Mike schaut sie an: "Sind das Lyrics oder was?" Die Frau sagt die Sätze noch einmal. Dann entschuldigt sie sich. Mike schaut sie an. Die Frau wiederholt die Sätze, schüttelt den Kopf - und verschwindet.

Killer-Mike macht das, was er am besten kann: Töten.
Killer-Mike macht das, was er am besten kann: Töten.(Foto: Concorde)

Mike starrt ungläubig Löcher in die Luft. Dann, wie aus dem Nichts, überkommt ihn ein Backflash. Gedanken und Bilder tauchen in seinem Kopf auf. Aber er kann sie nicht zuordnen. Völlig konsterniert geht er an die frische Luft. Doch statt runterzukommen, sieht er, wie sich zwei Typen an seinem Wagen zu schaffen machen. Als er sie anspricht, kommen sie auf ihn zu. Die Lage wird bedrohlich. Dann geht alles ganz schnell - und die beiden düsteren Gestalten sind tot. Mike hat einen Löffel in der Hand. Er hat sie umgebracht. Wie und warum? Er weiß es nicht. Er ruft Phoebe an, sie soll sofort zu ihm kommen.

Was Mike nicht weiß: Er war nicht immer dieser dauerbekiffte, von Panik-Attacken geplagte langhaarige Loser. Gut, die langen Haare hatte er vielleicht früher schon. Aber der Rest ist neu, Überbleibsel eines geheimen CIA-Experiments. Er war einer von mehreren Probanden, die Frau im Trenchcoat und mit Sonnenbrille, Lasseter, hatte die Leitung. Doch nun sollen alle Teilnehmer des Projekts ausradiert werden. Lasseters Boss will kurzen Prozess machen. Lasseter sieht das nicht ein, warnt Mike mit den kryptischen Worten. Als diese in seinem Unterbewusstsein ankommen, wird der Schläfer geweckt und ist nun ein Killer der Extraklasse.

Da müssen Drogen im Spiel gewesen sein

"American Ultra" ist bei Concorde erschienen.
"American Ultra" ist bei Concorde erschienen.(Foto: Concorde)

Was so schräg und krude klingt, ist ein ultra-geiler Film-Spaß mit Starbesetzung. In "American Ultra" des Regisseurs Nima Nourizadeh ("Project X") und des Drehbuchautors Max Landis ("Chornicle: Wozu bist du fähig?") spielt das "Adventureland"-Traumpaar Jesse Eisenberg (Mike; "Batman vs. Superman") und Kristen Stewart (Phoebe) die Hauptrollen. Ihnen zur Seite stehen Connie Britton ("Chaos City") als Lasseter, Topher Grace ("Interstellar", "Predators") als deren ultrafieser Boss) und Bill Pullman ("Independence Day", "Lost Highway") als Krueger, der Boss vom Boss - mit einem noch düstereren Gemüt.

"American Ultra" fängt dabei ganz harmlos an. Es könnte auch einer dieser unzähligen Loser-liebt-Traumfrau-Geschichten werden. Aber selbst als der Zuschauer weiß, dass Mike ein Teil eines ultrageheimen CIA-Programms ist, tappt er danach noch lange weiter im Dunkeln. Immer wieder setzt Regisseur Nourizadeh ihm neue Twists vor die Nase, taucht an einer Weggabelung plötzlich eine dritte Möglichkeit auf. Und egal, welche Mike nimmt, die Gewaltspirale dreht sich immer schneller. Der Bodycount des Anarcho-Action-Reißers kann sich mehr als sehen lassen. Die Tötungsmethoden (mit Löffel, Glühbirnen, Kehrschaufel oder Bratpfanne) sorgen aber für eine gewisse Ironie, die der Gewalt etwas die Schärfe nimmt.

"American Ultra" ist ein farbenfrohes Action-Ironie-Feuerwerk.
"American Ultra" ist ein farbenfrohes Action-Ironie-Feuerwerk.(Foto: Concorde)

Überhaupt ist das ganze Ambiente des Films stimmig. Leuchtende Neonfarben, Schwarzlicht, grelles Weiß: Es könnte auch ein kunterbunter Comicstrip sein, der den Zuschauer da in seinen Fernsehsessel presst. Dazu gibt es De La Soul, Chemical Brothers und 2 Live Crew um die Ohren.

Am Ende von "American Ultra" denkt man sich, dass der Drehbuchautor Landis vielleicht eine Folge "Akte X" zu viel und zu zugedröhnt bis in die Haarspitzen gesehen haben muss - eine von den neuen wie "Mulder und Scully gegen das Wer-Monster". Aber zum Glück für alle: Landis hat mit "Chronicle" bereits bewiesen, dass er ein Händchen für schräge Themen mit Superhelden-Karma hat. Es dürfte daher auch ohne Drogen geklappt haben.

Einfach nur ultrageil!

Mit "American Ultra" ist die Filmwelt um einen wirklichen Kracher reicher: Da wäre etwa die Tatsache, dass Jesse Eisenberg der Mann für wirklich schräge Filmtypen ist. Oder auch, dass Kristen Stewart den "Twilight"-Hype hinter sich gelassen hat und zu ihren Indie-Wurzeln zurückgekehrt ist. Und natürlich ist da auch der Fakt, dass Humor, Ironie, ja vielleicht sogar Sarkasmus prima mit ultraharten Gewaltausbrüchen harmonieren.

Das Gesamtpaket von "American Ultra" überzeugt total: Spannung, Spiel und Schokolade. Der Film ist perfekt, so perfekt wie das Loser-Paar Mike und Phoebe - aber eben nicht nur auf den ersten Blick.

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Quelle: n-tv.de